Was passiert wenn in der Steiermark das Futter ausgeht? | Kleine Zeitung

Futtermittel sind durch die Dürre rar. Vor allem beim Heu gibt es einen enormen Engpass. Eine private Aktion soll mit Heu aus Deutschland abhilfe schaffen.

Wenn Michael Gruber über seinen Hof spricht, merkt man, dass ihm die aktuelle Situation nicht leicht fällt, ihm seine Tiere am Herzen liegen. Sein Hof, das ist ein kleiner Milchviehbetrieb mit eigener Nachzucht im Murtal. Eigentlich kommt er mit dem eigenen Heu, das er auf seinen eigenen Feldern produziert gut durchs Jahr, kann sogar noch einen Teil davon verkaufen. Heuer ist aber alles anders. Die Trockenheit hat die Landwirtschaft auf den Kopf gestellt, Futtermittel nicht nur teuer, sondern vor allem rar gemacht. Zahlen Landwirtschaftskammer Steiermark zeigen: Im Bundesland fehlen heuer 150.000 Tonnen an Futtermitteln. 50.000 zusätzliche Tonnen konnte man über den Maschinenring bereits vermitteln, weitere 50.000 Tonnen sollen folgen.

Gras auf den Weiden wächst nicht mehr nach

Michael Grubers Tiere stehen tagsüber auf der Weide, eigentlich genug Zeit, um dort zu fressen. Seit einigen Wochen kehren sie dennoch hungrig in den Stall zurück. Auf den Weiden wächst kein Gras mehr nach. Die Konsequenz: Gruber musste bereits jetzt einen Teil der eisernen Winterreserve verfüttern. Der Hof ist ein reiner Heumilch-Betrieb. Soll heißen: Gruber darf nicht auf Silage zurückgreifen.

Hinzu kommt: Die Nachfrage regelt den Preis – und diese ist enorm. „Vom Doppelten kann man da leicht sprechen was den Preis betrifft“, sagt Gruber. Zumindest über den obersteirischen Maschinenring konnte er in den vergangenen Wochen noch Futter zukaufen. Erleichternd.

Mehrere Tiere frühzeitig abgegeben

Davor gefeit Tiere frühzeitig abgeben zu müssen, hat es ihn nicht. Zwei seiner Milchkühe und sechs Kalbinnen hat er früher abgegeben als geplant. Ob es im Winter noch mehr werden? Unklar. Futterhändler sind ausverkauft, wie viel der letzte Ernteschnitt ergibt, ist ungewiss.

© Privat

Das weiß auch der steirische Futterhändler Markus Derler. Seit Wochen laufen bei ihm die Telefone heiß, Pausen gibt es kaum. „Ich habe so etwas noch nie erlebt, wir arbeiten alle am Limit“, erzählt er. Die Vorbestellungen bei den Maisballen sind aktuell sechsmal so hoch wie üblich.

Heuballen erst gar nicht bei Händlern angekommen

Heuballen hat er heuer keine bekommen. „Heubetriebe, welche uns das ganze Jahr beliefern, haben selbst zu wenig Heu machen können“, sagt er. Wer ansonsten 1000 Heuballen liefert, konnte heuer nur die Hälfte produzieren und auch die sind nicht bei den Händlern angekommen, sondern oft direkt von Nachbarn abgeholt worden.

Der Überschuss, der durch die vergangenen guten Erntejahre entstanden ist, ist längst aufgebraucht. Für Derler war klar: Er muss die Sache selbst in die Hand nehmen. Gemeinsam mit Michael Göschelbauer ist er vor vier Wochen nach Norddeutschland gefahren, um dort Futtermittel aufzutreiben.

45.000 Heuballen aus Deutschland sollen durch die Krise helfen

Mittlerweile haben die beiden über 1200 Lkw-Züge oder anders gesagt 45.000 Heuballen nach Österreich geholt. Finanziell ermöglicht hat das die RWA, in deren Aufsichtsrat Göschlbauer ist. Vergeben werde die Ballen über die Lagerhäuser. „Die Bestellungen trudeln nach wie vor ein“, sagt Göschlbauer, der selbst Grünland- und Milchbauer im Wienerwald ist. Er sucht Nachschub.

In den nächsten Tagen geht es für die beiden wieder nach Deutschland. Die Konkurrenz wird aber nicht kleiner, der Futterkauf zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen. „Das Heu ist Heu für Mutterkuhbetriebe und für Pferdebetriebe, Topmilchviehheu wird man heuer nicht kriegen“, sagt Derler.

Kein Zuschlag für einjähriges Maisballenlager

Auch ein Konzept für ein Maisballenlager hat er der Politik vorgelegt. 20.000 Maisballen sollten dort gelagert werden. Allerdings hätte er dafür eine Finanzierung über ein Jahr von zwei Millionen Euro gebraucht. Dass es dafür keine Unterstützung aus dem Land gibt, kann Derler nicht verstehen. Denn laut ihm wären das Geld nach einem Jahr durch den Verkauf wieder zurückgeflossen.

Aus dem Büro von Landwirtschaftslandesrätin Simone Schmiedtbauer verweist man indes auf die beschlossenen Hilfen und der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaftskammer, Maschinenring mit der Futtermittelbörse. Man soricht von einer „raschen und praxistauglichen Lösung“, die man auf den Weg gebracht hat. Landwirte bleiben besorgt und fürchten die Trockenheit, vielleicht schon im Frühjahr.