Deutsche Leichtathletik-Stars kritisieren ARD-Moderatoren scharf
Stand: 12.08.2026, 22:40 Uhr
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Deutschlands Leichtathletik-Stars kämpfen bei der EM um Medaillen. Zwei Stars äußern ihren Unmut über die Berichterstattung der ARD.
Birmingham – Die deutschen Athletinnen und Athleten kämpfen auf englischem Boden um Gold, Silber und Bronze. Bei der Leichtathletik-EM in Birmingham wurden schon die ersten Erfolge gefeiert. Werden die Leistungen aber nicht ausreichend wertgeschätzt? Gina Lückenkemper, der nach ihrem Halbfinal-Aus über 100 Meter die Tränen kamen, hat sich mit Kugelstoßerin Yemisi Mabry zusammengetan.

Nach der Qualifikation der Kugelstoßerinnen hatte ARD-Moderator Claus Lufen die deutsche Olympiasiegerin gefragt: „Der Kollege Busemann hat herausgearbeitet, dass in diesem Jahr Frau Schilder aus den Niederlanden neun Mal vorn war und Yemisi einmal quasi bei den Bestleistungen mit dabei war. Was heißt das für das Finale heute Abend?“ Mabry, die beim olympischen Triumph noch unter ihrem Mädchennamen Ogunleye unterwegs war, reagierte fassungslos.
Gina Lückenkemper und Yemisi Mabry rechnen bei Leichtathletik-WM mit ARD ab
„Das juckt mich ehrlicherweise gar nicht, wie oft...“, antwortet die Kugelstoßerin, die wenig später mit EM-Bronze belohnt wird. Die restliche Antwort geht aus einer Story, die Sprinterin Lückenkemper auf Instagram teilt, nicht hervor. Mabry schrieb zu der Videosequenz mit Lufen: „Deutscher Sportjournalismus at its finest. Finale erreicht und statt Rückenwind gibt’s erstmal eine Aufzählung deiner Niederlagen.“
Mabry aber holt noch weiter gegen die ARD aus. „Du qualifizierst dich gerade für ein EM-Finale. Adrenalin. Erleichterung. Stolz. Nervosität. Alles gleichzeitig. Und wer sind die ersten Menschen, denen wir begegnen? Ihr. Die Journalisten. Und statt einem ‚Glückwunsch, du bist im Finale‘ kommt so etwas? Wir sind Athleten. Keine Maschinen. In diesen Momenten sind wir emotional und vielleicht selbst noch dabei, das Erlebte zu verarbeiten. Und dann wird nicht Mut gemacht, sondern erst mal die Statistik unserer Niederlagen ausgepackt?“
Frank Busemann bekommt ebenfalls sein Fett weg. „Und gerade von euch, die selbst einmal Athleten waren. Wie kann man sich da bewusst dafür entscheiden, einer Athletin unmittelbar vor ihrem Finale genau diese Statistiken vorzuhalten? Wo bleibt da das nötige Fingerspitzengefühl und die Empathie für den Menschen hinter der Leistung?“ Die 28-Jährige fährt fort: „Ich gewinne später die erste Medaille für Deutschland und auch danach: negative, provokante Fragen.“
„Ihr redet davon, dass Deutschlands Athleten die Leichtathletik wieder groß machen sollen. Dann fangt bitte bei euch selbst an, einen positiven Beitrag zu leisten. Wir liefern Leistung unter Druck. Wir stellen uns Kritik. Wir geben euch unsere Zeit, unsere Emotionen und unsere Geschichten. Dann erwarte ich von euch genauso Leistung, Respekt und Professionalität. Vielleicht solltet ihr euch nach solchen Interviews nicht nur fragen, warum wir nicht besser waren, sondern auch, ob ihr selbst gerade eure beste Leistung gebracht habt. Denn ganz ehrlich: Das war keine journalistische Glanzleistung.“
Frank Busemann hat auf die harsche Kritik bereits reagiert. Auf Bild-Nachfrage sagte er: „Eigentlich wollte ich ihr den roten Teppich ausrollen, damit sie vollkommen befreit und ohne Druck stoßen kann und nicht, dass sie daran gemessen wird, dass sie Olympiasiegerin ist. Aber leider ist das wohl falsch bei ihr angekommen.“ Bleibt abzuwarten, wie Mabry und Lückenkemper, die die Storys ihrer Kollegin auf Instagram geteilt haben, antworten. (is)