Bis Freitagabend hat Lena Roie nur noch ein Ziel: Ihre Stimme muss wieder zur Kräften kommen, eine Erkältung irgendwie auskuriert werden. Die 32 Jahre alte Frankfurterin hat „es ziemlich umgehauen“, wie sie mit heiserer Stimme am Telefon verrät. „Jetzt muss ich erst einmal sehen, dass ich mich in den nächsten Tagen wieder erhole“, sagt sie nach der Vorausscheidung. Am Wochenende hatte sie sich dabei gegen elf Weinmajestäten des vergangenen Jahres durchgesetzt und einen Platz im Finale der besten fünf gesichert. Für Roie war der Nervenkitzel dabei am größten, da ihre Name nach dem Zufallsprinzip als Letzter des Quintetts verkündet wurde. Die rheinhessische Kandidatin Kathrin Knieriem aus Osthofen hatte es etwas besser. Sie wurde als Erste genannt und ist ebenfalls in der Endausscheidung vertreten.
Die Erkältung ist nun aus mehreren Gründen höchst ungünstig: Zum einen muss Roie bei der Liveübertragung der Wahl der deutschen Weinkönigin (Freitag von 20.15 Uhr an in mehreren Dritten Programmen der ARD oder deren Livestreams) mit rhetorischen Fähigkeiten überzeugen. Zum anderen steht eine Blindverkostung im Mittelpunkt der fachlichen Prüfungen der nur noch fünf Kandidatinnen. „Eine Verkostung mit verstopfter Nase und Erkältung ist kaum möglich“, sagt Roie. Sie wisse sich aber in bester ärztlicher Betreuung und bleibe zuversichtlich für den Galaabend in Neustadt an der Weinstraße. Dort wird eine Jury aus Weinexperten unter Beteiligung des Fernsehpublikums die Weinkönigin küren – der einzige Mann im Feld schied aus.
Siebte Generation einer Schaustellerfamilie
„Es war ein wunderbares Erlebnis, im Kreis der Majestäten diesen Abend mitzumachen“, sagt Roie. „Es war eine wirklich euphorische Stimmung unter uns allen, aber auch im Saal. Es waren richtige Fanclubs aller Weinmajestäten da, da war viel Adrenalin im Spiel.“ Sie musste beispielsweise Möglichkeiten für Weintourismus oder Werbung via Social Media erläutern. Oder in 45 Sekunden auf Englisch das Vorurteil widerlegen, dass in Deutschland nur süße Weine produziert würden, was ihr auch dank einiger Berufsjahre als Hotelmanagerin in Florida eloquent gelungen ist.
Roie zeigte sich begeistert, wie ausgelassen Wein in der vom SWR in Kooperation mit dem Weinbauverband produzierten Fernsehsendung präsentiert und gefeiert worden ist. „Das ist meines Erachtens beispielhaft dafür, wie wir mit Wein umgehen sollen. Da waren junge Menschen im Publikum, Zahnärzte oder Physiker, ältere Menschen. So soll es sein“, sagt Roie. Sie stammt in siebter Generation aus einer Schaustellerfamilie und bringt mit ihrem Weindorf „Wine in the City“ Rheingauer Produkte auf Volksfeste. Dieser berufliche Hintergrund bestimmt auch ihre Mission, eine Weinkönigin sein zu wollen, die Ahnung von Vertrieb hat und den Wein in die Großstädte bringen will.
Nun träumt Roie davon, am Freitagabend womöglich die Krone erobern zu können. Der Rheingau, das renommierteste unter den 13 deutschen Weinanbaugebieten, wartet seit fünf Jahrzehnten und der Regentschaft von Ulrike Neradt auf eine Deutsche Weinmajestät.