Deutschland-Ticket wird wieder teurer – Münchner Pendler mit klarer Meinung: „Würde ich nicht kaufen“

Stand: 30.09.2026, 21:30 Uhr

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Das Deutschland-Ticket wird teurer.

Ab dem 1. Januar kostet das Deutschland-Ticket erneut 3,80 Euro mehr. © IMAGO/Gottfried Czepluch

Jetzt ist es amtlich: Das Deutschland-Ticket wird wieder teurer, ab Januar werden 66,80 Euro pro Monat fällig. Wir erklären die Hintergründe und sagen, wie Münchner Pendler reagieren.

München – Das Deutschland-Ticket wird erneut teurer. Ab Januar muss man statt bisher 63 Euro dann 66,80 Euro zahlen. Das gaben die Verkehrsminister der Länder am Mittwoch (30. September) bekannt.

Neben dem Deutschland-Ticket wurden auch die Preise für das Angebot als Jobticket mit 63,46 Euro (bisher 59,85) und als Semesterticket mit 40,08 Euro (bisher 37,80) für 2027 neu festgelegt. Die krummen Beträge sind Resultat der sogenannten Index-Berechnung, die von den Ministern im März beschlossen worden war.

Preissprung beim Deutschland-Ticket: Diese Formel steckt dahinter

Damals vereinbarten die Minister, den Ticketpreis künftig an einen Preisindex zu koppeln, der spätestens am 30. September für das Folgejahr ermittelt wird. Mit den Berechnungen ist die D-TIX GmbH beauftragt, die verschiedene Nahverkehrsverbünde gegründet haben.

Maßgeblich sind Faktoren wie Energiepreise und Personalkosten. Berücksichtigt wird auch, dass Bund und Länder für das Ticket jedes Jahr jeweils rund 1,5 Milliarden Euro Zuschuss geben. Dieser Betrag ist allerdings bis 2030 festgeschrieben, wird also nicht jährlich erhöht. Die Folge ist, dass die Preissteigerungen jetzt und in der Zukunft von den Ticketkäufern allein geschultert werden müssen.

Die Minister wollten ausdrücklich keine Bewertung abgeben. Begründung: Der Index sei keine politische Entscheidung, sondern eine strikt ökonomische Berechnung.

Ex-MVG-Boss Wortmann: „Für manche schmerzhaft“

Einer der wenigen, die pro Preiserhöhung argumentierten, war am Mittwoch der frühere Chef der Münchner MVG, Ingo Wortmann: „Wir haben Verständnis dafür, dass eine Preiserhöhung in Zeiten steigender Verbraucherpreise für manche Fahrgäste schmerzhaft ist“, erklärte Wortmann, der als Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen amtiert. Doch da Bund und Länder ihren Zuschuss nicht erhöhten, müsse die Last von den Fahrgästen übernommen werden.

Dennoch gab es auch viel Kritik. „Für mich ist das eine riesige Ungerechtigkeit“, erklärte die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete der Grünen, Victoria Broßart. „Der Tank㈠rabatt ist nachweislich ineffizient, unökologisch und ungerecht, das Deutschland-Ticket ist das genaue Gegenteil.“

Warum geht‘s beim Tankrabatt, aber nicht beim D-Ticket?

Die Umweltschutzorganisation BUND hat eine mögliche Preiserhöhung des Deutschland-Tickets als inakzeptabel kritisiert. „Die Ankündigung einer erneuten Preiserhöhung kommt zur Unzeit“, erklärte der Leiter Verkehrspolitik beim BUND, Jens Hilgenberg. „Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Bundesregierung 2,5 Milliarden Euro Steuergeld für einen weiteren Tankrabatt freimacht, es aber nicht schafft, das Deutschland-Ticket zumindest preisstabil zu halten.“

Aktuell nutzen das Ticket dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen zufolge rund 14,5 Millionen Menschen. Nach einer Testphase als 9-Euro-Ticket wurde es 2024 für damals 49 Euro eingeführt. Seitdem gab es Jahr für Jahr Preissteigerungen, allerdings fällt die Erhöhung im Vergleich zu den Vorjahren (plus 9 Euro; plus 5 Euro) dieses Mal niedriger aus. Ab 2028 greift ein Dämpfungsfaktor, der die Zahl der Abos berücksichtigt. Werden es mehr, verringert sich die Preiserhöhung.

Umfrage in München: Das sagen die Fahrgäste zur Preiserhöhung

Und was sagen Münchner Fahrgäste dazu? Wir haben uns am Hauptbahnhof umgehört. Rentnerin Ursula Stähr (85) sagt: „Ich nutze das Deutschlandticket, seit es ins Leben gerufen wurde. Früher bin ich damit jeden Monat zum Flughafen gefahren, um weiter nach Rom zu fliegen. Heute benutze ich es größtenteils, um zum Wandern in die Berge zu fahren. Das Ticket wird langsam ganz schön teuer. 67 Euro wären als Preis noch in Ordnung, mehr als 70 Euro wären mir aber zu teuer.“

Rentnerin Ursula Stähr im Untergeschoss des Hauptbahnhofs.

Rentnerin Ursula Stähr im Untergeschoss des Hauptbahnhofs. © Markus Götzfried

Der Arbeitssuchende Venko Borovski (66) berichtet: „Ich habe kein Deutschlandticket und hatte auch nie eines. Nur zur Einführung des Tickets habe ich überlegt, mir eins zuzulegen. Es ist natürlich blöd, wenn das Ticket teurer wird, mich betrifft es aber nicht direkt. Ich fahre nur unregelmäßig mit der U-Bahn in die Stadt und nutze dafür eine Monatskarte des MVV – die kostet für meine Zone nur die Hälfte.“

Deniz Yord (44, technischer Berater) sagt: „Ich habe das Deutschlandticket seit über zwei Jahren und gebrauche es regelmäßig, da ich beruflich deutschlandweit in Städten den öffentlichen Nahverkehr nutze. Das Ticket zahlt die Firma, nur deswegen nutze ich es auch. Die Entwicklung des Preises ist mir deswegen egal. Müsste ich es selbst zahlen, würde ich es mir nicht kaufen.“