„Er wird dieses Jahr eh nicht mehr Nummer eins“: Michael Stich mit bitterem Zverev-Urteil nach Wimbledon-Pleite

Deutschlands letzter Wimbledon-Sieger rät Zverev zu „harter“ Entscheidung

Stand: 13.07.2026, 00:15 Uhr

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Alexander Zverev verliert das Wimbledon-Finale gegen Jannik Sinner. Michael Stich spricht Klartext – und sein Rat hat einen bitteren Beigeschmack.

London – Fünf Wochen nach dem ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere bei den French Open wäre Alexander Zverev beinahe der nächste große Coup gelungen. Doch im Wimbledon-Finale scheiterte Deutschlands Nummer eins am Sonntag an Jannik Sinner mit 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6 – und verpasste damit die Chance, als erster deutscher Mann seit 35 Jahren den Rasenklassiker zu gewinnen. Der letzte, dem das gelang, meldete sich unmittelbar danach zu Wort – mit einem Rat, der es in sich hat.

Tennis-Ikone Michael Stich fällt ein knallhartes Urteil nach Alexander Zverevs Niederlage im Wimbledon-Finale.

Tennis-Ikone Michael Stich fällt ein knallhartes Urteil nach Alexander Zverevs Niederlage im Wimbledon-Finale. © Frank Molter/dpa

Michael Stich, Wimbledon-Champion von 1991, zollte Zverev nach dem verlorenen Endspiel zunächst Respekt. „Es war ein gutes Match, sehr intensives Tennis. Am Ende haben wir einen Sieger gesehen, der drei, vier Prozent durchhaltender war, intensiver war und die wichtigen Punkte gewonnen hat“, sagte der 57-Jährige bei Prime Video. Doch beim bloßen Trost ließ es Stich nicht bewenden.

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Der Pinneberger empfahl dem 29-Jährigen eine Auszeit – und begründete das mit einer schonungslosen Einschätzung. „Ich glaube, die letzten sechs Wochen, zwei Monate haben sehr viel Energie gekostet mental. Ich wünsche ihm, dass er nicht den Fehler macht, dass er zu viel spielt. Dass er sich einfach mal diese Zeit gönnt, zu reflektieren“, sagte Stich, der den jungen Zverev zum Weinen brachte. Dann folgte der härteste Satz des Abends – nicht von Sinner, sondern von Stich: „Hart gesagt: Er wird dieses Jahr eh nicht mehr Nummer eins. Das ist sehr unwahrscheinlich.“

Damit benennt Stich das zentrale Dilemma, das Zverev nach der Finalniederlage begleitet. Eine Pause würde bedeuten, wertvolle Punkte im ATP-Race liegen zu lassen – und damit den Traum von der Weltranglistenspitze in diesem Jahr endgültig zu begraben. Stich sieht das pragmatisch: „Er muss jetzt vielleicht akzeptieren, dass die Grand Slams das Hauptziel sind. Er ist einen Ticken älter als die anderen und muss ein bisschen haushalten.“ Ab Montag klettert Zverev, der eine Knie-Diagnose nach dem Sturz im Wimbledon-Finale gab, immerhin auf Rang zwei der Weltrangliste.

Dass der Hamburger ausgerechnet gegen Sinner verlor, hat eine lange Vorgeschichte. Es war die zehnte Niederlage in Folge gegen den Weltranglistenersten – in sechs aufeinanderfolgenden Partien hatte Zverev nicht einmal einen Satz gewonnen. In London holte er sich wenigstens den ersten Durchgang, ehe Sinner das Spiel drehte. Stich hatte das Finale vor dem Anpfiff noch als „50:50“ eingeschätzt.

Zverev, der nach der Niederlage im Wimbledon-Finale seine wahre Größe zeigte, steht nun an einem Scheideweg. Erholt er sich, wie Stich es rät, oder greift er sofort wieder an? Die Antwort auf diese Frage dürfte entscheidend dafür sein, wie seine Saison weiterläuft – und ob er bei den US Open erneut um den ganz großen Titel mitspielen kann. (ck)