Die neuen Freiheiten – Fünf Trends vom Caravan Salon 2026

Stand: 02.09.2026, 14:20 Uhr

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Ein Dachzelt macht aus dem normalen Pkw zumindest für das Wochenende ein Schlafmobil

Ein Dachzelt macht aus dem normalen Pkw zumindest für das Wochenende ein Schlafmobil © Porsche

Weniger Fahrzeug, mehr Unabhängigkeit: Auf dem Caravan Salon zeigt sich, wie sich der Campingurlaub verändert.

SP-X/Düsseldorf. Camping bleibt im Trend, doch die Wünsche der Urlauber verändern sich. Auf dem Caravan Salon in Düsseldorf zeigt sich die Branche zugleich preisbewusster, technischer und vielseitiger: Einfache Einstiegsmodelle stehen neben hochgerüsteten Autarkie-Mobilen, das normale Auto wird zum Teilzeit-Camper und beim Elektroantrieb sucht die Branche nach dem richtigen Konzept.

Weniger ist mehr
Vor allem im unteren Bereich des Marktes richten sich neue Baureihen richten sich ausdrücklich an preissensible Käufer: Caravans werden kompakter und leichter, Reisemobile verzichten teilweise auf Ausstattung oder sogar auf ein fest eingebautes Bad. Hinzu kommen stärker gebündelte Ausstattungspakete. Branche und Nachfrage reagieren damit auf das zuletzt gestiegene Preisniveau. Der Branchenverband CIVD spricht angesichts des großen Angebots im Handel zwar noch von einem „Käufermarkt“, selbst gewöhnliche Reisemobile erreichten zuletzt schnell sechsstellige Preise. Zudem ist auch der Urlaub selbst teurer geworden: Nach Daten des Statistischen Bundesamts kostete eine Übernachtung auf einem Wohnmobilstellplatz 2025 gut 32 Prozent mehr als 2020. 

Unabhängigkeit wird wichtiger
Am anderen Ende des Spektrums hingegen wird weiter aufgerüstet. Allerdings nicht nur mit Ledermöbeln, großen Fernsehern und Designerbädern: Zunehmend wichtig im Luxussegment wird Autarkie. Kapazitätsstärkere Lithium-Batterien, Solaranlagen, Wechselrichter und Induktionskochfelder sollen längere Standzeiten ohne Landstrom ermöglichen. Größere Wasserreserven und digitale Kontrollsysteme verlängern die Unabhängigkeit zusätzlich. Dazu passt der Boom der Allrad- und Expeditionsmobile. Erstmals hat ihnen dies Messe in diesem Jahr einen eigenen Offroad-Bereich eingeräumt. Beliebt sind die Allrader nicht nur bei Abenteuer-Reisen, sondern auch bei normalen Campern mit dem Wunsch, die mal abseits von Camping-Infrastruktur übernachten wollen.  

Camping ohne Camper 
Gleichzeitig wird das Spezialfahrzeug für manche Urlauber überflüssig. Ein Dachzelt macht aus dem normalen Pkw zumindest für das Wochenende ein Schlafmobil. Herausnehmbare Küchen, Klappbetten und modulare Möbel oder aufblasbare Campingmodule machen spontane Touren leichter. Die Messe präsentiert sogar in der Teilausstellung „Abenteuer Selbstausbau“ unterschiedlichste Lösungen für den Camperbau in Eigenregie. Das senkt nicht nur die Einstiegshürde, es folgt auch einem veränderten Nutzungswunsch: Statt ein großes Freizeitfahrzeug zu besitzen, das den größten Teil des Jahres herumsteht, soll das normale Auto möglichst viele Rollen übernehmen. 

Das E-Wohnmobil kommt - langsam
Der E-Antrieb tut sich im Freizeitfahrzeugbereich schwerer als beim Pkw. Auch auf dem Caravan Salon bleibt er noch ein Nischenphänomen – wenn auch mit leichtem Aufwärtstrend. Volkswagen präsentiert etwa mit dem ID.California Cruise erstmals eine vollelektrische California-Variante. Zunächst handelt es sich aber eher um ein komfortables Schlafmobil als um den elektrischen Ersatz eines voll ausgestatteten Camper mit Küche und Aufstelldach. Parallel zeigen Zulieferer, dass möglicherweise grundsätzlich anders konstruiert werden muss. Vöhringer präsentiert gemeinsam mit Partnern einen vollelektrischen Technologieträger, bei dem konsequenter Leichtbau und eine speziell ausgelegte Architektur Gewicht sparen sollen. Denn jedes Kilogramm Batterie reduziert die verbleibende Nutzlast für Möbel, Wasser, Passagiere und Gepäck. 

Vom Campingplatz zur Outdoor Hospitality
Das Statistische Bundesamt zählte 2025 knapp 44,7 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen – ein Rekord und 4,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Noch größer ist die wirtschaftliche Bedeutung, wenn Stellplätze, Fahrtkosten und Ausgaben unterwegs einbezogen werden. Nach einer Untersuchung des Branchenverbands CIVD sorgt Caravaning in Deutschland inzwischen für einen Umsatz von annähernd 23 Milliarden Euro pro Jahr. Rund 7,8 Milliarden Euro davon landen direkt in den Urlaubsregionen, etwa bei Gastronomie, Handel und Freizeitangeboten. Entsprechend professioneller wird das Geschäft: Kommunen bauen Stellplätze aus, Investoren entdecken Campinganlagen und klassische Tourismusunternehmen interessieren sich für das Segment. Auf dem Caravan Salon hat diese Entwicklung mittlerweile einen Namen: „Outdoor Hospitality“. Was einst als preiswerte Alternative zu Hotel oder Ferienwohnung galt, wird damit zunehmend zu einer eigenständigen Säule der Tourismuswirtschaft.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit SPS Spot Press Services.