Stand: 03.08.2026, 06:30 Uhr
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Die Stadt hat neue Fontänen im Visselsee und in der Visselquelle installiert. Sie reichern das Wasser mit Sauerstoff an und kühlen es nachts ab.
Visselhövede – Wenn der Sommer heiß ist, droht in flachen Seen schnell Sauerstoffmangel – und mit Blaualgen, die sich dann schnell bilden, eine Gefahr für Mensch und Tier. Blaualgen sind im eigentlichen Sinne gar keine Algen, sondern Cyanobakterien, die bei hohen Temperaturen explosionsartig wachsen und Gifte produzieren, die zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Atemnot oder Hautreizungen führen können.
Genau hier setzt die aktuelle Gefahrenabwehr der Stadt Visselhövede an: In diesen Tagen wurden neue Fontänen – im Fachjargon „Belüftungsanlagen“ – in Betrieb genommen. Zwei neue Anlagen entstanden im Visselsee, der vielen Fischarten Lebensraum bietet und als natürliche Badestelle genutzt wird, sowie in der Visselquelle an der Kirche. Die alte Fontäne aus dem Visselsee wurde spontan und pragmatisch im Hundeschwimmsee installiert. Hintergrund ist nicht in erster Linie die Optik, sondern der Schutz der Gewässer.

„Sauerstoffmangel ist das größte Problem, das auftreten kann“, erklärt Andre Siedler, Betriebsleiter der Kläranlage Visselhövede. Denn dann „kippt“ der See und alles stirbt ab. Wenn Fische sterben, verbrauchen sie beim Verwesen noch einmal zusätzlich Sauerstoff – ein Teufelskreis. Und erst kürzlich musste die Feuerwehr ausrücken, um den Hundeschwimmsee im Bürgerpark wegen Blaualgenbefall zu belüften. Die Fontänen machen im Prinzip nichts anderes, nur eben rund um die Uhr.
Die Seen sind mit etwa drei Metern Tiefe – wenn man den Schlamm abrechnet – eher flach. Die Sonne kann das Wasser entsprechend schnell aufwärmen, was das Blaualgenwachstum und den Sauerstoffmangel begünstigt. Durch den nächtlichen Betrieb der Fontänen lässt sich Wärme aus dem See herausholen, sobald die Umgebung abkühlt.
Die Anlagen im Visselsee und im Hundeschwimmsee sind zwar durchaus hübsch anzusehen, primär aber funktional ausgelegt. Dort geht der Strahl nicht besonders hoch – etwa zwei bis drei Meter –, dafür aber sehr breit. „So wirbelt die Fontäne viel Sauerstoff in die Luft und sorgt für Temperaturaustausch“, erklärt Siedler. Die Anlage am Visselsee ist größer dimensioniert, weil die Wasserfläche größer ist. Die etwas kleinere, beleuchtete Fontäne in der Visselquelle hat neben der ästhetischen Aufwertung eine weitere Aufgabe: Sie schwemmt die Algen an den Rand, sodass die Bauhof-Mitarbeiter sie besser abschöpfen können.
Sauerstoffmangel ist das größte Problem, das auftreten kann.
Die Installation der alten Visselsee-Fontäne im Hundeschwimmsee war kurzfristig nötig geworden, als dort Blaualgen auftraten. Da Hunde sich nach dem Schwimmen nicht abduschen können und die Algen im Fell zurückbleiben, ist das für die Tiere besonders problematisch. „Bürgermeister André Lüdemann entschied kurzfristig, die Anlage dorthin zu packen und eine neue für den Visselsee anzuschaffen“, berichtet Siedler.
Besonderer Wert wird auf die Energieversorgung gelegt, denn die Fontänen werden CO₂-neutral betrieben. Dafür wurde eigens ein neues Kabel von der Kläranlage verlegt, die über eine Photovoltaikanlage und ein Blockheizkraftwerk (BHKW) verfügt. Das BHKW läuft mit selbst erzeugtem Gas, das beim Klären des Abwassers entsteht. „Vorher lag dort noch ein altes Kabel aus der Zeit vor meiner Geburt“, stellt der 39-jährige Siedler schmunzelnd fest. Das alte Kabel wurde bei der Gelegenheit also gleich durch ein angemessenes ersetzt – in rund zwei Wochen Arbeit.
Die Fundamente der Fontänen sind zudem so ausgeführt, dass sie nicht entwendet werden können – eine Lehre aus der Vergangenheit: Bei einer früheren Anlage hatten Unbekannte an der Fontäne im Visselsee so lange am Kabel gezogen, bis es abriss. Die finale Einbringung der neuen Anlage per Boot im Visselsee fand in der vorigen Woche statt.
Dass das Projekt ohne externes Personal umgesetzt werden konnte, liegt an der Zusammensetzung des Kläranlagen-Teams. Andre Siedler, seit 2013 hier tätig und seit 2021 deren Leiter, ist zudem Beauftragter für Gewässerschutz der Stadt. Mit seinen drei Mitarbeitern deckt das Team die nötigen Gewerke ab: Elektriker, Schlosser, Industriemechaniker und Verfahrenstechniker. „Solche Nebenprojekte sind für uns gut realisierbar“, sagt Siedler. Einzige Ausnahme waren die Erdarbeiten, für die ein Fahrer mit einem Minibagger gebraucht wurde.