„Die Verräter

„Die Verräter" 16.000 Drohungen in einer Nacht – Jetzt stellt sich Urs Meier einer ganz anderen Art von Tribunal

Weltklasse-Schiri, Morddrohungen, TV-Karriere – der ehemalige Fifa-Referee Urs Meier hat eine bewegte Karriere hinter sich. Nun betritt er auf RTL mit „Die Verräter“ neues Terrain. Im Umgang mit Druck kennt der Schweizer sich aus.

14.08.2026 , 13:46 Uhr

 Der ehemalige Weltklasseschiedsrichter Urs Meier ist bei „Die Verräter“ dabei.

Der ehemalige Weltklasseschiedsrichter Urs Meier ist bei „Die Verräter“ dabei.

Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Urs Meier kennt Druck. Wenn 60.000 Menschen im Stadion verstummen und Millionen vor den Bildschirmen den Atem anhalten und sich eine ganze Nationen auf ihn als „Feindbild“ einschießt. Als Fifa-Schiedsrichter hat der Schweizer Jahrzehnte lang in genau diesen Momenten entschieden: klar, konsequent, ohne Rückfrage und immer um „Fair Play“ bemüht. Diese Qualität macht ihn zu einer ungewöhnlichen Figur in der Welt Fußballs und des Reality-TV.

  • Name: Urs Meier
  • Geburtstag: 22. Januar 1959
  • Geburtsort: Würenlos, Kanton Aargau, Schweiz
  • Beruf: Ehemaliger Fifa-Schiedsrichter, TV-Experte, Vortragsredner

Klare Worte zum WM-Finale: „Man muss auch lernen, zu verlieren“

Das WM-Finale zwischen Argentinien und Spanien endete 0:1 – und hinterließ Bilder, die Meier nicht kaltlassen. Insbesondere der Argentinier Leandro Paredes verlor nach dem Schlusspfiff komplett die Fassung und attackierte mehrere Spanier verbal und physisch. Für den Ex-Schiedsrichter sind solche Szenen weit mehr als ein schlechter Verlierer-Moment: „Es bleibt ein Geschmäckle“, sagte Meier gegenüber Focus online. „Das sind Bilder, die hängen bleiben.“

Was ihn dabei besonders besorgt, ist das Signal, das solche Auftritte in den Amateur- und Jugendfußball senden. Das Verhalten der argentinischen Stars sei „nicht gut für den Fußball“, so Meier – und er macht keinen Hehl daraus, was er stattdessen erwartet: „Man muss auch lernen, zu verlieren. Man muss ein guter Verlierer sein. Das gehört auch zum Sport.“

Gleichzeitig lobte Meier den slowenischen Final-Referee Slavko Vincic ausdrücklich für seine Spielleitung in einer schwierigen Partie – und kritisierte die von der Fifa vorgegebene Linie der Schiedsrichter als keinen tauglichen Standard für den Fußball insgesamt.

Vom Stadion ins Schloss: Meiers Rolle bei „Die Verräter“

RTL beschreibt Urs Meier im Zuge der Show „Die Verräter“ als jemanden, der „es gewohnt ist, unter dem enormen Druck von Spielern, Medien und Millionen Fans in Sekundenschnelle unpopuläre Entscheidungen zu treffen“ – eine Qualität, die in einem Spiel, das auf Täuschung, Beobachtung und Nerven beruht, Gold wert sein könnte.

Fest steht: Mit Meier zieht eine der markantesten Figuren des deutschsprachigen Fußball-Fernsehens ins Schloss ein – ein Mann, der jahrelang anderen erklärt hat, was richtig und falsch ist, und der nun selbst unter Beobachtung steht.

Aufgewachsen zwischen Fußball und Haushaltsgeräten: Ein Leben auf Ballhöhe

Urs Meier wurde 1959 in Würenlos im Kanton Aargau geboren. Die kleine Gemeinde im Schweizer Mittelland ist weit entfernt vom Glamour des Profifußballs. Seine Schiedsrichterkarriere begann er 1977, zunächst in den unteren Ligen der Schweiz. 1991 leitete er sein erstes Spiel in der Nationalliga A, drei Jahre später folgte die Aufnahme in den Fifa-Kader.

Was viele nicht wissen: Parallel zu seiner Karriere als Schiedsrichter führte Meier ein eigenes Unternehmen – ein Haushaltsgerätegeschäft in Würenlos, das er von Grund auf aufbaute und in dem er zeitweise 25 Menschen beschäftigte. Dienstags und mittwochs Champions League und am Wochenende Waschmaschinen, Trockner, Bügeleisen. Diese Doppelexistenz prägte ihn: Meier lernte früh, Entscheidungen unter Druck zu treffen, ohne ein Sicherheitsnetz.

Der Höhepunkt seiner Karriere: das Champions-League-Finale 2002, das WM-Halbfinale desselben Jahres zwischen Südkorea und Deutschland – und sieben Auszeichnungen als Schweizer Schiedsrichter des Jahres. 2002 wurde er zum zweitbesten Schiedsrichter der Welt gewählt.

2004 kam es zum Karrieretiefpunkt von Urs Meier

Im Sommer 2004 kam es allerdings zur dunkelsten Episode seines Berufslebens. Im Viertelfinalspiel der Europameisterschaft zwischen Portugal und England erkannte Meier in der 90. Minute ein Tor von Sol Campbell nicht an: Er sah ein Foul von John Terry am portugiesischen Torwart Ricardo. Die Entscheidung war regelkonform und wurde von Experten bestätigt.

Doch in England zählte das wenig. Noch in der Nacht nach dem Spiel fand Meier 16.000 E-Mails in seinem Postfach – Beleidigungen, Drohungen, darunter Morddrohungen. Die Boulevardzeitung „The Sun“ machte ihn zur Zielscheibe einer Medienkampagne. Britische Journalisten recherchierten in Portugal, ob er dort eine Ferienwohnung besitze. Die Polizei riet ihm unterzutauchen; sein Geschäft in Würenlos wurde bewacht.

Meier hat aus diesem Sturm eine Haltung destilliert, die sein späteres Leben als Redner, Experte und Buchautor prägt: Entscheidungen treffen, dazu stehen, die Konsequenzen tragen. Seine Autobiografie „Mein Leben auf Ballhöhe“ (mit einem Vorwort von Jürgen Klopp) erzählt genau davon. Nach dem altersbedingten Ende seiner aktiven Karriere 2004 wurde er zunächst Schiedsrichterbeobachter für Uefa und Fifa, dann von 2007 bis 2011 Chef der Schweizer Spitzenschiedsrichter. Von 2005 bis 2021 war er Schiedsrichter-Experte beim ZDF, seit der Saison 2018/19 ist er beim Schweizer Sender Blue tätig. Heute lebt er mit seiner Frau Andrea und seiner jüngsten Tochter in Andalusien.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz optimiert. Der Inhalt wurde von der Redaktion überprüft.

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