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Auszeichnung für besondere Sanierungen Diese historischen Schätze gewinnen den Denkmalschutzpreis
Von historischen Bahnwaggons bis zum jahrhundertealten Fachwerkhaus: Hessen hat seine besten Denkmalschutzprojekte ausgezeichnet. Der Preis wird seit 40 Jahren vergeben – und seine Geschichte hält einige Überraschungen bereit.
Einer der Gewinner beim Denkmalschutzpreis 2026: Der Fuldaer Saalbau von 1903 mit Schablonenmalereien Bild © Rahel Welsen, LfDH
Drei denkmalgeschützte Gebäude und Anlagen in Künzell, Eltville und Limburg sind mit dem ersten Preis des Hessischen Denkmalschutzpreises 2026 ausgezeichnet worden. Kulturminister Timon Gremmels (SPD) überreichte die Auszeichnungen am Donnerstag im Lokschuppen in Marburg. Die drei ersten Preise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.
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03:09 Min.|10.09.26|Yvonne Koch
Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite
Einer davon ging an die Loheland-Stiftung für die Instandsetzung der sogenannten Waggonia in Künzell (Fulda). Dort hatten Frauen bereits 1919 ausrangierte Eisenbahnwaggons zu Wohnungen und Ateliers umgebaut. Das Projekt erhielt zusätzlich den Ehrenpreis der Jury.
Ebenfalls mit einem ersten Preis ausgezeichnet wurden Stefan und Peter Jökel für die Sanierung des Langwerther Hofs in Eltville sowie Klaus Langschied für die Sanierung eines Fachwerkhauses am Roßmarkt in Limburg. Das Gebäude stammt in Teilen aus dem 14. und 15. Jahrhundert.
Zwei zweite Preise und jeweils 3.000 Euro gingen an Björn Helfrich für die Instandsetzung des Saalbaus Fuldaer Hof in Fulda sowie an Claudia und Hartmut Dietz für die Sanierung der Grafenscheune in Schlitz. Die historische Scheune wurde vor dem Verfall bewahrt und zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut.
Denkmalschutzpreis wird seit 40 Jahren vergeben
Insgesamt werden beim Hessischen Denkmalschutzpreis in diesem Jahr 32.500 Euro vergeben. Seit 40 Jahren werden mit dem Preis Projekte ausgezeichnet, bei denen Kulturdenkmäler vorbildlich erhalten und instand gesetzt wurden. In diesem Jahr bewarben sich 19 Privatpersonen, Unternehmen und Städte um den Preis.
Denkmalschutz-Jury tourt durch Hessen
Jedes Jahr im Sommer tourt die Denkmalschutz-Jury mit dem Bus durch ganz Hessen. Direkt vor Ort besichtigt die kleine Gruppe aus Architekten, Handwerkern, Denkmalschutzbehörden und Lotto Hessen die Bewerber - also die Gebäude, die oft mit enormem Engagement von Privatleuten, Städten oder Kleinunternehmen aufwendig renoviert wurden.
Danach wird diskutiert, bis die Jury sich einig ist, wer die Preise erhält. Aber warum gibt es den Denkmalschutzpreis überhaupt?
Gremmels erklärt den Anspruch des Preises so: "Mit dem hessischen Denkmalschutzpreis würdigen wir herausragendes Engagement für den Erhalt unseres kulturellen Erbes."
Historische Orte wiederbeleben
Bei der Auswahl der Projekte achte vor allem die Fachjury darauf, "dass sie denkmalpflegerisch vorbildlich umgesetzt wurden oder aber auch innovative Lösungen zeigen." Denn die Gewinner sollen denkmalpflegerisch ein Vorbild sein. Es gehe um mehr als um den Erhalt alter Gebäude. Sie sollen auch zeitgemäß, bewohn- und erlebbar sein. Heißt konkret: Auch Energieeffizienz oder Barrierefreiheit sind ein Thema.
Geschichte hinter der Tapete
Denkmalgeschützte Gebäude sind kulturelles Erbe und Zeitzeugen. Bestes Beispiel dafür ist der Langwerther Hof in Eltville (Rheingau-Taunus), der in diesem Jahr einen der drei ersten Preise erhalten hat.
Historische Kleinode finden sich beim Sanieren oft auch innen. Hier die sogenannte Hindenburg-Tapete im Kutschenhaus/Eltville vor und nach der Sanierung. Bild © Architekturbüro Dreier, Collage: hessenschau.de
Bei der vorsichtigen Renovierung kam unter Dreck und Staub ein ganz besonderer Wandschmuck zum Vorschein: die sogenannte Hindenburg-Tapete. Die wurde eigens für den Besuch des damaligen Reichspräsidenten in Eltville angebracht, der nach Abzug der französischen Besatzungstruppen durch das befreite Rheinland reiste.
Weil unter der Tapete noch alte Zeitungen klebten, lässt sich das ziemlich genau datieren: Hindenburg war im Juli 1930 im Langwerther Hof zu Gast.
So schön kann Fachwerk aus dem 14. Jahrhundert aussehen! Innensicht eines sanierten Denkmals in Limburg Bild © Rahel Welsen/LfDH
Highlights in 40 Jahren Denkmalschutzpreis
Vorher Scheune - nachher Spa: Dieses Umbauprojekt war 2025 für den hessischen Denkmalschutzpreis nominiert. Bild © Rahel Welsen, Privat, Collage: hessenschau.de
In den 40 Jahren habe es viele ungewöhnliche Projekte gegeben, erinnert sich Landeskonservatorin Verena Jakobi. Dazu gehört etwa eine alte Scheune, die zur Sauna-Oase für das ganze Dorf wurde. In Hünstetten-Wallrabenstein (Rheingau-Taunus) sanierte ein Ehepaar nicht nur ein Fachwerkhaus, sondern gleich noch die Burg im Garten.
Besonders seien für die Jury die Begegnungen mit den Menschen hinter den Projekten. Am schönsten sei es, "die Menschen dann auch kennenzulernen, die einen so stolz durch das Gebäude führen", sagt Jakobi.
Rubbel-Lose finanzieren einen Teil des Preisgelds
25.000 Euro des Preisgelds stammen jährlich aus den Erlösen spezieller Rubbel-Lose von Lotto Hessen. Diese wurden vor 40 Jahren zur Unterstützung des Denkmalschutzes eingeführt. "Eine geniale Idee, Glücksspiel- und Denkmalschutz gemeinsam zu denken", sagt Martin Blach, Sprecher der Geschäftsführung von Lotto Hessen.
Die Burgruine Wallrabenstein liegt direkt neben dem Fachwerkhaus der Familie. Bild © hr
Wichtiger als das Geld
Gemessen an den Sanierungskosten für ein Denkmal seien die Preisgelder vergleichsweise gering. Den Ausgezeichneten gehe es aber ohnehin nicht in erster Linie ums Geld, sagt Jakobi. Nach oft jahrelanger Arbeit sei es für sie eine besondere Anerkennung, "einmal auf der Bühne zu stehen, einen Preis zu bekommen, unserem Minister die Hand zu schütteln und den Applaus zu kassieren."