„Dieselbe Bürokratie unter anderem Namen“: Bonpflicht gilt bald digital – Technik macht Probleme

Stand: 18.10.2026, 19:29 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Ein Kunde hält in einer Bäckerei einen Bon in der Hand

Auch bei kleinen Beträgen wird immer ein Kassenbon fällig. Das ärgert viele Einzelhändler. Die Belege sollen künftig digital erstellt werden. Doch auch das ruft Kritik hervor. © Marijan Murat/dpa

Die Bundesregierung will Papierbons durch digitale Belege ersetzen – doch Einzelhändler nennen das „dieselbe Bürokratie unter anderem Namen“. Viele Kassensysteme sind für die neue Pflicht technisch noch nicht gerüstet.

Wildeshausen – „Den Beleg dabei?“ Sebastian Thale weiß wahrscheinlich gar nicht, wie oft am Tag er diese Frage stellt. Klar ist: Die meisten Kunden der Fleischerei Thale an der Wildeshauser Westerstraße wollen keinen Bon haben. Wer tauscht schon Wurst, Schinken und Co. um? Aus Sicht vieler Einzelhandelsbetriebe ist es gut, dass die Bonpflicht abgeschafft werden soll. So steht es zumindest im 2025 unterzeichneten Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD. Allerdings sieht es momentan nicht danach aus, dass dies auch wie angekündigt umgesetzt wird.

„Wir schaffen die Pflicht für Papierbons ab. Digitale Belege werden Standard“, hieß es kürzlich von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). Ein entsprechender Gesetzentwurf ist durchs Kabinett, muss aber noch in die parlamentarische Beratung. Stimmt der Bundestag zu, könnten die gedruckten Belege ab dem 1. Januar 2028 wegfallen. Aber braucht es die digitalen Bons denn überhaupt? „Es ist doch sowieso alles im System nachvollziehbar“, hat Thale dafür wenig Verständnis. Damit steht er nicht alleine da.

„Auch ein digitaler Pflichtbon bleibt ein Pflichtbon“

„Auch ein digitaler Pflichtbon bleibt ein Pflichtbon. Beim Brötchenkauf muss weiterhin ein Beleg bereitgestellt werden, selbst wenn ihn niemand haben möchte. Das ist keine Abschaffung, sondern dieselbe Bürokratie unter anderem Namen“, kritisiert etwa der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks in einer Pressemitteilung. Die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer teilt auf ihrer Internetseite mit: „Der Koalitionsvertrag sah die vollständige Abschaffung der Bonpflicht vor; die nun geplante elektronische Belegbereitstellungspflicht kommt diesem Versprechen nicht nach und verursacht neue Kosten.“ Denn die Vorgabe werde erhebliche Investitionen auslösen, da viele bestehende Kassensysteme dazu technisch nicht in der Lage sind.

Letzteres vermutet auch Christa Thale von der Fleischerei. Genau wie bei der letzten Umrüstung der Kassen wegen der Pflichtbons werde wohl wieder Soft- oder Hardware angeschafft werden müssen. Bei dieser Regelung müsse man immer sehen, dass die Umsetzung für Einzelhändler wie die Fleischerei eine Belastung darstelle.

Reklamationen werden direkt geklärt – ganz ohne irgendwelche Bons

Petra Meyer von der gleichnamigen Bäckerei an der Huntestraße ärgert sich schon länger über die Belegpflicht bei allen Einkäufen. „Das verursacht einfach jeden Tag viel Müll“, sagt sie. Und hat jemals ein Kunde versucht, ein Brötchen umzutauschen? „Nein. Also, wenn es mal eine Reklamation gibt, dann gehen wir damit direkt um und tauschen die Ware. Wir arbeiten ja ganz persönlich hier.“ Sie könne „in keinster Weise“ nachvollziehen, warum auch beim Kauf eines Brötchens automatisch ein Bon gedruckt wird. Mit der digitalen Lösung muss sie sich allerdings nicht befassen, denn bekanntlich schließt der Betrieb zum Jahresende.

Der Bund wollte mit den Pflichtbelegen eigentlich Steuerhinterziehung eindämmen. Nun spricht die Bundesregierung von weniger Aufwand für Geschäfte durch die Neuregelung, denn der Aufwand für die Wirtschaft betrage rund 100 Millionen Euro im Jahr. Und: Der Verzicht auf unzählige gedruckte Belege diene auch dem Schutz der Umwelt. Bleibt abzuwarten, ob der Gesetzentwurf im Bundestag noch angepasst wird.