Dieses Autobahnkreuz in Hessen ist deutschlandweit einmalig – doch Besonderheit wird nicht genutzt

Stand: 26.07.2026, 06:00 Uhr

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Das Wetzlarer Kreuz aus der Vogelperspektive – mittig mit der Talbrücke Engelsbach als höchstes Bauwerk und der Talbrücke Blasbach am oberen Bildrand.

Das Wetzlarer Kreuz aus der Vogelperspektive – mittig mit der Talbrücke Engelsbach als höchstes Bauwerk und der Talbrücke Blasbach am oberen Bildrand. © Hans Blossey/Imago

Das Wetzlarer Kreuz gilt als einziges vollständig gebautes Malteserkreuz in Deutschland. Doch seine Kapazität wurde nie gebraucht. Nun deutet sich das Ende der Konstruktion an.

Wetzlar – Wer auf der A45 quer durch Hessen unterwegs ist, fährt meist achtlos daran vorbei. Dabei verbirgt sich ein paar Kilometer nördlich von Wetzlar ein Bauwerk, das unter Verkehrsexperten seit Jahrzehnten als Besonderheit gilt: das Wetzlarer Kreuz. Hintergrund: Es ist das einzige Autobahnkreuz Deutschlands, das vollständig als sogenanntes Malteserkreuz gebaut wurde – eine aufwendige Konstruktion, die eigentlich für besonders hohe Verkehrsströme entwickelt wurde.

Beim Wetzlarer Kreuz sollte es anders kommen: Es erreichte nie die Bedeutung, für die es einst geplant war.

Hessische Besonderheit: Ein Kreuz für eine Autobahn, die nie gebaut werden sollte

Wie es dazu kam? Entstanden ist das Wetzlarer Kreuz Anfang der 1980er Jahre. Damals sollte die heutige A480 als Teil einer durchgehenden Ost-West-Verbindung ausgebaut werden. Die Planer rechneten mit einem erheblichen Verkehrsaufkommen und entschieden sich deshalb für eine besonders leistungsfähige Bauform.

Doch die Pläne wurden nie vollständig umgesetzt. Die A480 endet bis heute einige Kilometer östlich des Wetzlarer Kreuzes als kurzer Autobahnabschnitt bei Gießen. Die erwarteten Verkehrsströme blieben aus – und damit auch der eigentliche Zweck des aufwendig gebauten Verkehrsknotens. Mehr als 90 Prozent des Verkehrs rollen heute über die A45, während die A480 lediglich regionale Bedeutung besitzt – oder wie aktuell zumindest in Teilen eine stark eingeschränkte Dauerbaustelle ist.

Was ist überhaupt ein Malteserkreuz?

Die meisten Autobahnkreuze in Deutschland sind als Kleeblatt oder Kleeblatt mit zusätzlichen Rampen angelegt. Beim Wetzlarer Kreuz gingen die Verantwortlichen einen anderen Weg.

Beim sogenannten Malteserkreuz – auch Stack-Interchange genannt – verlaufen die Verbindungsrampen auf mehreren Ebenen übereinander. Dadurch müssen Autofahrer keine engen Schleifen fahren. Stattdessen können sämtliche Fahrbeziehungen mit vergleichsweise hohen Geschwindigkeiten befahren werden. Kreuzende Verkehrsströme werden weitgehend voneinander getrennt, was sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Verkehrssicherheit erhöht.

Der Nachteil: Diese Bauweise ist deutlich teurer, benötigt zahlreiche Brücken und beansprucht viel Platz. Genau deshalb wurde sie in Deutschland praktisch nie umgesetzt. Das Wetzlarer Kreuz blieb bislang das einzige vollständig ausgeführte Malteserkreuz in ganz Deutschland.

Wetzlarer Kreuz: Ein Bauwerk aus sechs Brücken und vier Ebenen

Wer das Kreuz aus der Luft betrachtet, erkennt schnell seine außergewöhnliche Geometrie. Insgesamt besteht der Knotenpunkt aus mehreren Ebenen und zahlreichen Brückenbauwerken. Besonders ungewöhnlich ist, dass die A45 auf der Engelsbachtalbrücke sämtliche Verbindungsrampen überquert – ein Detail, das selbst unter Autobahnkreuzen selten ist.

Der enorme bauliche Aufwand machte das Wetzlarer Kreuz zu einem der markantesten Verkehrsbauwerke Hessens, auch wenn seine Kapazität nie vollständig benötigt wurde.

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Bundesweite Besonderheit in Hessen soll bald Geschichte sein

Inzwischen läuft der Abschied vom historischen Malteserkreuz. Bereits seit 2024 sind einzelne Fahrbeziehungen dauerhaft gesperrt. Perspektivisch wird das Wetzlarer Kreuz im Zuge des sechsstreifigen Ausbaus der A45 und der Neuordnung des Verkehrs rund um die B49 zu einem deutlich einfacheren Autobahndreieck umgebaut.

Der Grund ist pragmatisch: Die ursprünglich erwarteten Verkehrsströme werden auch künftig nicht entstehen. Ein kleinerer Knotenpunkt genügt den Anforderungen – und lässt sich wirtschaftlicher betreiben.

Damit verschwindet nach und nach ein Stück deutscher Autobahngeschichte. Das Wetzlarer Kreuz war jahrzehntelang eine bundesweite Besonderheit, deren größter Vorteil paradoxerweise nie wirklich gebraucht wurde.