Dortmunds Bubi-Abwehr macht der SGE Hoffnung
Stand: 08.09.2026, 13:26 Uhr
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Hinter der jungen Frankfurter Defensive stehen große Fragezeichen. Für ein Urteil ist es aber noch zu früh – das zeigt ein Blick in die Geschichte.
Frankfurt – Wie kann man nach der Vorsaison auf so wenig Erfahrung in der Defensive bauen? Diese Fragen stellen dieser Tage zahlreiche Fans von Eintracht Frankfurt. Der Gedanke ist naheliegend: In der Vorsaison hatte die SGE die drittmeisten Gegentore der Bundesliga kassiert (65). Nun sind mit Elias Baum und Keita Kosugi zwei 20-Jährige in der ersten Elf gesetzt, die vor Saisonbeginn kaum (Baum) beziehungsweise keine (Kosugi) Minuten im deutschen Oberhaus gesammelt hatten.

Der Saisonstart hat bei vielen im Frankfurter Umfeld die Sorgenfalten noch größer werden lassen. Sieben Gegentore fing sich die Mannschaft von Hütter an den ersten beiden Spieltagen bei Union Berlin (3:3) und gegen den FC Augsburg (1:4). Vereinzelt gibt es nun sogar Rufe nach der Verpflichtung eines vereinslosen Routiniers.
Eintracht Frankfurt plant keine ablösefreien Transfers
Eine Idee, von der Sportvorstand Krösche nichts hält. „In der Ruhe liegt die Kraft“, erklärte er am Montagabend im Rahmen einer Veranstaltung im Vereinsmuseum. Die SGE wird sich von ihrem Jugendkurs also nicht abbringen lassen. Der neue, alte Trainer Adi Hütter soll seinen pressingintensiven Spielstil weiterhin mit einer unerfahrenen Abwehrkette umsetzen. Ein mutiger Plan, auf manche mag er sogar waghalsig wirken, aber: Es gibt ein prominentes und äußerst erfolgreiches Vorbild.
Rückblende ins Jahr 2008: Jürgen Klopp sollte damals noch nicht die Nationalmannschaft retten, sondern stand zum ersten Mal als Trainer von Borussia Dortmund an der Seitenlinie. Der BVB war in der Vorsaison nur 13. geworden und hatte mit 62 Gegentoren die schwächste Defensive der Liga gestellt. Klopps Antwort darauf? Die Abwehrreihe radikal verjüngen.
Kapitän Christian Wörns hatte seine Karriere im Sommer ohnehin beendet. Seinen Nebenmann aus der Vorsaison, den 34-jährigen Robert Kovac, setzte Klopp auf die Bank. Ihre Plätze im Abwehrzentrum übernahmen die beiden 19-jährigen Mats Hummels und Neven Subotic. Zudem fehlte Vereinslegende Dede wegen eines Kreuzbandrisses, weshalb der 20-jährige Marcel Schmelzer sein Bundesliga-Debüt gab. Die Boulevardpresse gab der Dortmunder Abwehr den Spitznamen „Kinderriegel“.
Wie es weitergeht, ist bekannt. Schmelzer, Hummels und Subotic wurden zum Rückgrat der Dortmunder Mannschaft, die 2011 und 2012 Meister wurde und im folgenden Jahr auch den Sprung ins Champions-League-Finale schaffte. Was viele vergessen: Eine Erfolgsgeschichte von Beginn an, war der „Kinderriegel“ keineswegs. In Klopps ersten fünf Bundesliga-Spielen als BVB-Trainer kassierte seine Mannschaft zehn Gegentore.
Im Derby gegen Schalke am vierten Spieltag lag der BVB früh in der zweiten Halbzeit mit 0:3 zurück. Ralf Rangnicks Aufsteiger aus Hoffenheim schenkten den Schwarz-Gelben vier Treffer ein. Nur Borussia Mönchengladbach, ebenfalls neu in der Liga, hatte zu diesem Zeitpunkt mehr Gegentreffer schlucken müssen. Im Verlauf der Saison fand die junge Abwehrreihe jedoch zusammen. Der BVB beendete die Spielzeit mit der zweitbesten Defensive.
Selbstverständlich gibt es für die Frankfurter Eintracht keine Garantie, dass sich die eigenen Talente so entwickeln wie Hummels oder Subotic zu jener Zeit. Trotz aller Parallelen wäre es vermessen, den Dortmunder Erfolg als Maßstab zu nehmen. Eine Lektion kann die SGE anno 2026 dennoch aus der Geschichte ziehen: Eine junge Defensive kann im Verlauf einer Saison große Schritte machen. Hoffnung auf Verbesserung gibt es daher auch ohne personelle Veränderungen. (hgag)