Dreifach-Papa Hildebrandt trifft dreimal: Westerfeld dreht 0:2 in 5:3

Stand: 30.08.2026, 21:19 Uhr

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Familienglück auf dem Fußballplatz in Westerfeld: Töchterchen Cleo mit Patrick Hildebrandt.

Familienglück auf dem Fußballplatz in Westerfeld: Töchterchen Cleo mit Patrick Hildebrandt. © Heiko Rhode

Der 39-jährige Stürmer der SG Westerfeld erzielt drei Tore gegen Oberursel. Nach dem Schlusspfiff ist Töchterchen Cleo die erste Gratulantin.

Westerfeld – Cleo musste sich mit ihrem Sprint über das halbe Spielfeld noch ein wenig gedulden. Schiedsrichter Holger Lenz hatte ein letztes Mal auf Freistoß entschieden. Kurze Zeit später setzte der Unparteiische aus Bad Camberg dem doch recht verrückten Spiel aber ein Ende – und Cleo konnte losrennen. Der Papa nahm seine zweijährige Tochter am Mittelkreis des Westerfelder Rasenplatzes freudig in Empfang und hob sie in die Höhe.

Cleo ist nach Amy (6) und Ella (4) das dritte Mädchen im Hause Hildebrandt. Trotzdem schafft es der Neu-Anspacher Vollblutstürmer, inzwischen 39 Jahre alt, wieder häufiger ins Training. „Nur so geht‘s in meinem Alter“, kommentierte er augenzwinkernd den dritten Frühling, in dem er sich als Fußballer befindet. Mit drei Toren und einem herausgeholten Elfmeter war „Paddy“ der Mann des Tages in der Kreisoberliga-Mannschaft der SG Westerfeld beim 5:3-Sieg gegen den 1. FC 04 Oberursel.

FC 04: Bestrafter Stürmer, enttäuschter Trainer

Ein kleineres Scharmützel und das Wegschlagen des Balles führten zu einem unwürdigen Ende des Torjägerduells in Westerfeld. Nils Fischer und Marco Weber, die beide einen Treffer erzielt hatten, prallten kurz vor Schluss direkt aufeinander, und der Oberurseler musste prompt mit Gelb-Rot vom Feld. „An ihm hat es nicht gelegen“, nahm FC-Trainer Cagri Bazarci seinen Topstürmer in Schutz, der nicht wie gewohnt zur Geltung kam, auch zwei klare Chancen ausgelassen hatte. „Nach dem 2:0 musst du das Ding einfach runterspielen“, kritisierte Bazarci. „Wir machen dumme Fehler in der Innenverteidigung, lassen uns aus dem Konzept bringen, werden nervös, als seien wir unerfahren. Das ist das, was mich am meisten kirre macht.“

Das Aus für den Oberurseler Torjäger: Schiedsrichter Holger Lenz verweist Nils Fischer (Nr. 11) des Feldes.

Das Aus für den Oberurseler Torjäger: Schiedsrichter Holger Lenz verweist Nils Fischer (Nr. 11) des Feldes. © Heiko Rhode

„Paddy gibt richtig Gas im Training, jetzt hat er Blut geleckt“, freute sich auch sein Trainer Nils Arne Wielpütz, explizit zum Matchwinner am Sonntagnachmittag befragt. In seinem generellen Fazit stellte der SGW-Coach aber heraus: „Dass die Mannschaft so zurückkommt, ist sehr stark. Was für eine geile Moral!“

Gut 20 Minuten lang war weder von Hildebrandt noch von seinem hochkarätigen „Nebenmann“ Marco Weber viel zu sehen gewesen. Die Gäste, ebenfalls mit auf diesem Niveau überdurchschnittlich starkem Torjäger (Nils Fischer) und Spielmacher (Velibor Velemir) ausgestattet, hatten alles im Griff, aber eine höhere Führung liegen lassen. Velemir mit einem traumhaften Fernschuss in den Winkel (1.) und Fischer nach schöner Annahme per Flachschuss ins lange Eck (13.) hatten zwei Mal getroffen. Es sah ganz danach aus, als ob der FC im fünften Auswärtsspiel in Serie den dritten Sieg holen würde (für November hofft man auf einen neuen Kunstrasenplatz).

Dann jedoch nutzte Weber, der als hängende Spitze das Spiel ankurbelte, die erste Unachtsamkeit in der Oberurseler Defensive: Flanke aus dem Halbfeld, Hildebrandt rutschte rein – nur noch 1:2 (28.). Nach einem Steckpass von Weber auf seinen Sturmpartner setzte Emil Reiffenstein zu sehr seinen Körper ein, und Weber verwandelte den Strafstoß mit einem strammen Schuss. Torwart Erik Langlitz war machtlos, obwohl er die Ecke geahnt hatte (39.).

Keine 200 Sekunden später stellte Hildebrandt schließlich das Spiel noch vor der Pause auf den Kopf, als er in einen langen Ball sprintete und schulmäßig in die lange Ecke vollendete – ein Klassetor. Nach langer Pausenansprache durch Wielpütz (Schiri Lenz pfiff die Gastgeber zurück auf den Platz) machten die Westerfelder einfach weiter, wo sie aufgehört hatten: Im Fallen setzte Weber Timon Dunkel in Szene, und der Ball landete irgendwie zum zweiten Mal bei Hildebrandt. Der Routinier drosch ihn humorlos ins kurze Eck und drehte direkt zum Jubeln mit den Anhängern vorm Vereinsheim ab.

„Das hat gutgetan“, gestand der Familienvater hinterher, mit der strahlenden Cleo auf dem Arm. Endgültig gelaufen war die Partie dann nach dem Kopfstoß von Anton Röhn nach Lars Guenthers weiter Flanke zum 5:2 (66.). Kurz darauf wechselte Wielpütz Hildebrandt unter großem Applaus der Zuschauer aus. Und Oberursel steckte zwar nicht auf, kam aber nur noch zu einem Treffer durch Sorgler (74.).

Paul Paulsen (-24-, SGW), Yannik Macziek (-15-, FCO)

Zweikampf zwischen Paul Paulsen (links, SG Westerfeld) und Yannik Macziek (1. FC Oberursel) © Heiko Rhode

Lieber auf sich zukommen lassen wolle er diese Saison, als sich etwas vorzunehmen, sagte Hildebrandt, der laut Einschätzung seines Trainers „in dieser Saison sehr wichtig werden kann“. Die vergangenen zwei Jahre sei er quasi nur sonntags für Spiele der 2. Mannschaft erschienen, gibt Hildebrandt zu. „Aber wenn ich trainiere, geht noch ein bisschen was.“ Sieht so aus, als würde die Mama die drei Töchter weiterhin öfters alleine ins Bett bringen.

SG Westerfeld: Schmidt - Janssen, Languille, Guenther, Dunkel - M. Qaiumi (90. Musa), Röhn, Lückert (73. Steinheimer) - Paulsen, Weber - Hildebrandt (70. R. Qaiumi). 1. FC 04 Oberursel: Langlitz - Ercegovic, Grässle (67. Krüger), Reiffenstein, John (78. Rinno) - Sorgler, Kraus, Dilshat (46. Macziek), F. Fischer (67. Mayer) - Velemir - N. Fischer. Schiedsrichter: Lenz (Bad Camberg). Zuschauer: 120. Tore: 0:1 Velemir (1.), 0:2 N. Fischer (13.), 1:2 Hildebrandt (28.), 2:2 Weber (39./FE), 3:2, 4:2 Hildebrandt (42., 60.), 5:2 Röhn (66.), 5:3 Sorgler (74.). Gelb/Rot: N. Fischer (90.+5). Torchancen: 8:7. Beste Spieler: Hildebrandt, Weber, M. Qaiumi/Velemir.