„Drohungen sollten ernst genommen werden“: Wirtschaftsexperten raten nach Kreml-Ankündigung zur Vorsicht
Stand: 16.08.2026, 21:22 Uhr
Nach neuen EU-Sanktionen gegen Russlands Schattenflotte senden Putin und Medwedew bedrohliche Signale nach Europa. Insider empfehlen, diese ernst zu nehmen.
München – Mehrere europäische Staaten hatten im Umgang mit Wladimir Putins Schattenflotte in den vergangenen Monaten rigoros gehandelt und Schiffe festgesetzt, die Sanktionen gegen Russland umgingen. Im Juli verabschiedete die Europäische Union zudem ein Sanktionspaket, das es EU‑Mitgliedstaaten erlaubt, Handel mit den Ladungen beschlagnahmter russischer Tanker zu betreiben.

Russlands Machthaber reagierte erzürnt über die neuen Maßnahmen gegen seine Schattenflotte – die essenziell für die Finanzierung des Ukraine-Kriegs ist – und drohte Europa mit Vergeltung. Ein Experte sowie Verantwortliche eines Reedereiverbands reagieren mit Sorge und raten dazu, die Drohungen des Kreml-Chefs nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Putin reagierte erzürnt auf strengeres EU-Vorgehen gegen Schattenflotte
Immer wieder fingen EU-Mitgliedsstaaten in europäischen Gewässern im anhaltenden Kalenderjahr Tanker der russischen Schattenflotte oder solche im Auftrag Russlands ab – vorrangig Frankreich, Großbritannien und Schweden. Anfang Mai (3. Mai) etwa identifizierte die schwedische Marine einen Tanker unter syrischer Flagge und nahm den chinesischen Kapitän des Schiffs wegen Urkundenfälschung fest. Grund war, dass dieser offenbar im Auftrag Putins handelte, um Sanktionen gegen Russland zu umgehen, wie The Kyiv Independent berichtete.
Im Juni (14. Juni) dagegen beschlagnahmte Großbritannien Reuters zufolge einen Tanker der russischen Schattenflotte im Ärmelkanal. Frankreichs Marine schlug Ende desselben Monats (25. Juni) zu, wie The Jamestown Foundation berichtete. Dem US Naval Institute zufolge war dies bereits das insgesamt fünfte Einschreiten französischer Seestreitkräfte. Einer Greenpeace-Analyse zufolge ist es durch das ebenfalls rigorosere Einschreiten von Ostsee-Anrainerstaaten gegen Russlands Schattenflotte wahrscheinlich, dass Schiffe mit russischem Öl auch den deutschen Küsten näherkommen als zuvor.
Die Regierung in Moskau reagierte zuletzt empört über jene Serie sowie die neuen EU-Sanktionen gegen die eigene Schattenflotte. Europas Maßnahmen gegen Russland seien „Piraterie und Banditentum“, hieß es Euronews zufolge mitunter aus dem Kreml. „Wir werden gezwungen sein, entsprechend zu reagieren“, kündigte Putin in der Vorwoche während der Inspektion eines Flottenmanövers im Fernen Osten Russlands vor der Insel Sachalin an Bord des russischen Schiffs „Waryag“.
Auch Medwedew droht EU-Staaten nach Serie an Festsetzungen russischer Schiffe
Der Kreml werde „überall handeln, wo wir es für notwendig und angemessen halten, an jedem Ort“, fügte Russlands Präsident an. Gegenmaßnahmen gegen die Festsetzung von Schiffen der Schattenflotte könnten zudem „in gleicher Weise“ ausfallen, wie es die EU-Mitgliedsstaaten aktuell im Umgang mit Russland handhaben, so Putin weiter.
Bei den Drohungen von Russlands Staatschef blieb es jedoch nicht. So erklärte Dmitri Medwedew, Ex-Präsident und aktuell stellvertretender Vorsitzender von Russlands Sicherheitsrat auf dem Messengerdienst Telegram, Russland habe das Recht, Schiffe „feindlicher Staaten“ anzugreifen. Und das etwa in Fällen, in denen ein Verdacht besteht, dass sie Fracht für den Gegner transportierten – und nicht lediglich bei Waffenlieferungen. Russlands Seestreitkräfte seien darüber hinaus in der Lage, ihre Operationen weit über das Schwarze Meer hinaus auszuweiten, so Medwedew weiter.
Maritim-Experte und Reederei-Verband raten, Kreml-Drohungen ernst zu nehmen
Wie wirklichkeitsnah aber sind die aktuellen Drohgebärden aus dem Kreml einzuschätzen, und was haben Handelsschiffe europäischer Reedereien nun eventuell in Konfrontation mit Russland zu befürchten? Mahnende Worte fand in dieser Hinsicht der maritime Sicherheitsexperte Moritz Brake. „Die russischen Drohungen sollten ernst genommen werden“, sagte er der Bild-Zeitung jüngst. Denn von neuen Umwegen für die Reedereien könnten auch neue Belastungen für den globalen Handel ausgehen. „Deutschland und Europa hängen von Seewegen kritisch für ihre Wirtschaft, politische Stabilität und Souveränität ab“, so Brake weiter.
Aber auch am Verband Deutscher Reeder (VDR) gehen die Kreml-Drohgebärden nicht spurlos vorbei. „Wir nehmen jede Drohung gegen die zivile Handelsschifffahrt sehr ernst“, erklärte der Verband auf Bild-Anfrage. Seine Vertreter stellten darüber hinaus klar: „Zivile Schiffe und ihre Besatzungen dürften niemals zum politischen oder militärischen Druckmittel werden.“ (Verwendete Quellen: The Kyiv Independent, Reuters, Euronews, Greenpeace, Bild) (fh)