Stand: 14.07.2026, 07:30 Uhr
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Fenster auf reicht nicht: Tropische Nächte machen herkömmliches Lüften zunehmend wirkungslos. Ein Experte erklärt, für wen eine Klimaanlage sinnvoll ist.
Freiburg – Die erste große Hitzewelle des Jahres ist vorbei – aber die nächste steht schon bevor. Die Deutschen schwitzen und viele fragen sich: Brauche ich eine Klimaanlage? Doch auch das nachhaltige Gewissen klopft an: Schadet das nicht der Umwelt und verstärkt den Klimawandel?
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Laut dem Umweltbundesamt belasten Klimaanlagen das Klima mit indirekten CO₂-Emissionen durch den Strombedarf und mit treibhauswirksamem Kältemittelausstoß. Der am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg tätige Experte Peter Schossig betont, dass eine Entscheidung für eine Anlage von mehreren Faktoren abhänge.

Ob die Anschaffung wirklich sinnvoll ist, sei eine Einzelfallentscheidung, so der Forscher, der sich mit den Themen Wärme und Gebäude befasst: Geht es um eine reine Komfortfrage und um einzelne Tage im Jahr? Oder ist die Kühlung gesundheitsrelevant? „Ich habe gerade meiner Schwiegermutter, die in einem 70er-Jahre-Gebäude lebt, empfohlen, eine Klimaanlage nachzurüsten, da es allmählich gesundheitsgefährdend für sie wird“, sagt Schossig.
Gesundheitsfrage oder reiner Komfort?
Wo genau die persönliche Hitzegrenze liege, sei vom Alter und Gesundheitszustand der Menschen abhängig. Generell gelte alles bis 28 Grad als akzeptabel. „Die meisten Menschen können mal eine Nacht bei 28 oder 29 Grad aushalten, aber das ist anders, als wenn 80-Jährige mit Herzproblemen im überhitzten Zimmer liegen – das wäre wahrscheinlich kein guter Gedanke.“
Das Problem ist laut Schossig, dass die Hitzetage beständig zunehmen. „Wir hatten in Freiburg diesen Juni zum ersten Mal 13 Nächte am Stück, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fiel. Dann funktioniert das nächtliche Kühlen der Räume nicht mehr.“ Wenn solche Perioden häufiger vorkämen, werde das vorwiegend für vulnerable Gruppen zum Problem.
Richtig bauen und analog kühlen
Generell empfiehlt der Experte, Neubauten so zu planen, dass eine technische Kühlung nicht notwendig wird. Durch außen liegenden Sonnenschutz, etwa durch Rollläden, gezieltes Lüften in der Nacht, Ausschalten elektrischer Haushaltsgeräte und älterer Unterhaltungselektronik lässt sich oft bereits ohne umweltschädliche Nebenwirkungen ein angenehmeres Raumklima erreichen, wie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit aktuell empfiehlt.
Auch Ventilatoren sorgen für Abkühlung, denn bewegte Luft fühlt sich kühler an als stehende. Vorteil: Der Energieverbrauch ist deutlich geringer als der einer Klimaanlage und die Anschaffungskosten betragen nur einen Bruchteil.
Wer einen Heizungstausch plant, kann von einer Luft-Luft-Wärmepumpe doppelt profitieren: Sie ist auf das Beheizen von einzelnen Räumen oder Wohnungen optimiert, hat aber auch eine Kühlfunktion. Aber Vorsicht: „Die gefühlte Temperatur hängt auch massiv an der Luftfeuchte und nicht nur an der Temperatur“, erläutert Schossig. Der Körper reguliere seine Temperatur übers Schwitzen, was bei hoher Luftfeuchtigkeit schwieriger werde: „Dann fühlt sich die Luft viel heißer an.“
Deshalb zeichne eine Klimaanlage aus, dass sie auch ins Feuchtemanagement im Raum eingreife, man sich dadurch wohler fühle und der Kreislauf viel weniger belastet sei, erklärt der Experte. Eine Kühlung durch Verdunstung, die die Raumfeuchtigkeit erhöhe, bringe an einem schwülen Gewittertag, an dem die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, nichts mehr.
Welches Gerät?
Bei der Wahl einer Klimaanlage empfiehlt Schossig, auf Lautstärke und unbedingt auf hohe Effizienz zu achten. Er warnt davor, sich von besonders günstigen Angeboten zum Kauf eines alten Klimaanlagen-Modells ködern zu lassen. Zudem empfiehlt er natürliche Kältemittel.
Wo das aus technischen Gründen bislang nicht möglich sei, solle man auf niedriges Treibhauspotenzial achten. Wenn kein natürliches Kältemittel zur Wahl stehe, könne man beispielsweise das Kältemittel R32 prüfen.
Das Bundesumweltministerium plädiert für den Einsatz von nicht halogenierten Kältemitteln, die kein Fluor oder Chlor beinhalten, weil sie umweltschonend seien und einen sehr geringen Einfluss auf den Treibhauseffekt hätten. Zu den nicht halogenierten Kältemitteln zählen CO₂, Ammoniak, Propan oder Isobutan.
Ist eine Klimaanlage ökologisch vertretbar?
Generell gilt die Empfehlung, Räume nicht zu stark herunterzukühlen. Schossig rät zu einer punktuellen Kühlung der Räume, auf die es ankomme. „Wenn ich berufstätig bin, braucht meine Wohnung nicht den ganzen Tag 25 Grad zu haben, sondern es geht um die vielleicht drei kritischen Abendstunden, bis ich dann auch wieder lüften kann“, sagt der Experte.
Eigenheimbesitzer mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach argumentieren, sie müssten sich zumindest bei Sonnenschein keine Sorgen um die finanziellen und ökologischen Belastungen durch den benötigten Strom machen. Mithilfe einer Photovoltaikanlage zu kühlen, ist auch aus Schossigs Sicht eine valide und vertretbare Variante: „Kältebedarf und solare Einstrahlung korrelieren recht gut und meistens ist dann, zumindest in Deutschland, auch viel Strom im Netz.“
Selbstverständlich habe auch jede Photovoltaikanlage und jede Klimaanlage einen ökologischen Fußabdruck und sei nie ganz neutral. Deshalb sei es immer besser, die technische Kühlung zu vermeiden. „Aber wenn es nicht geht, dann ist es eine sehr gute Möglichkeit, den Strombedarf einer Klimaanlage durch eine Photovoltaikanlage zu decken – das macht den Einsatz nachhaltiger.“