Stand: 27.07.2026, 13:45 Uhr
Zwischen 12 und 18 Jahren lautet die Empfehlung, nicht mehr als 100 mg Koffein pro Tag aufzunehmen: eine kleine Tasse Kaffee oder ein Getränk aus der Dose. Am besten hält man sie von Energy-Drinks fern.
„Meine 14-jährige Tochter möchte morgens zum Frühstück Kaffee trinken. Ist das nicht zu früh?“ Stefano Erzegovesi, Ernährungsmediziner und Psychiater, antwortet auf diesen Leserbrief an Corriere della Sera.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel von Stefano Erzegovesi entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.
Mit 14 Jahren befindet sich das Gehirn noch in voller Entwicklung (die Reifung der präfrontalen Rinde setzt sich mindestens bis zum 25. Lebensjahr fort) und Koffein wirkt direkt auf das zentrale Nervensystem, indem es die Adenosinrezeptoren blockiert, also jene Moleküle, die Müdigkeit signalisieren. Die Folge ist kein realer Energiezuwachs, sondern die Unterdrückung des Müdigkeits- und Schlafsignals. Bei einem Jugendlichen führt das leicht zu einem nach hinten verschobenen Schlaf, mit verkürzter Dauer und schlechterer Qualität, obwohl Schlaf in der Pubertät kein Luxus ist, sondern eine biologische Notwendigkeit für Lernen, Entwicklung und emotionale Stabilität.

Wie viel Koffein ist für Jugendliche noch vertretbar
Die American Academy of Pediatrics empfiehlt, dass Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren nicht mehr als 100 mg Koffein pro Tag zu sich nehmen. Zur Einordnung: Ein italienischer Espresso enthält im Durchschnitt 80–100 mg, eine Dose Cola 35 mg, eine kleine Dose Energy-Drink 80 mg. Die Obergrenze ist also sehr schnell erreicht. Der kritischste Punkt ist die Abhängigkeit. Jugendliche können von der stimulierenden Wirkung abhängig werden, mit Entzugssymptomen wie Kopfschmerzen und depressiver Stimmung, wenn Koffein fehlt.
Das Problem ist weniger der Kaffee selbst als die Gewöhnung an die ständige Stimulation: Wenn das Gehirn diesen Schub erwartet, beginnt es, ihn zu suchen. Genau auf diesem Mechanismus basiert der Markt für Energy-Drinks, die sehr hohe Koffeinmengen enthalten und mit aggressiver Werbung gezielt an junge Menschen gerichtet werden. Dadurch wird der Konsum normalisiert und die Schwelle zur regelmäßigen Nutzung gesenkt, was langfristig Schlaf, Konzentrationsfähigkeit und Stimmung beeinträchtigen kann.
Kaffee in der Familie: gelegentlich erlaubt, Energy-Drinks meiden
Praktisch heißt das: Ein gelegentlicher Kaffee mit 14 Jahren, zu Hause in der Familie getrunken, ist vertretbar. Problematisch wird es, wenn er zur täglichen Gewohnheit wird, wenn Kaffee mit Energy-Drinks kombiniert wird oder wenn er als Ausgleich für zu wenig Schlaf eingesetzt wird, was bei Jugendlichen besonders häufig vorkommt. In solchen Fällen verstärkt Koffein nur ein bestehendes Schlafdefizit und verschiebt den Schlaf noch weiter nach hinten, ohne die eigentliche Ursache zu lösen.
Ein letzter Rat: Setzen Sie nicht auf Verbote, sondern auf Bewusstsein. Erklären Sie Ihrer Tochter, wie Koffein wirkt, bringen Sie ihr bei, Etiketten zu lesen, halten Sie sie von Energy-Drinks fern und erinnern Sie sie daran, wie wichtig erholsamer Schlaf ist. So lernt sie, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen und ihren Körper langfristig zu schützen, ohne dass Kaffee zum täglichen „Muss“ wird.