Stand: 22.08.2026, 08:15 Uhr
Kommentare

Der EC Peiting kann erst ab September im eigenen Stadion trainieren. Selbst die ersten Testspiele Anfang September sind noch nicht gesichert.
Peiting – Landon Gare muss nicht am Boden schlafen. Das ist zunächst einmal die gute Nachricht. Der Trainer des EC Peiting bezieht ein Apartment im Ort, seine Familie wohnt weiter in Franken. Weil eine Wohnung allerdings nicht von selbst zum Zuhause wird, suchte der Oberligist über seine Social Media nach Möbeln. Mit Erfolg. „Der Aufruf war super, es haben sich ein paar gemeldet“, sagt Teammanager Gordon Borberg. Dann fällt dieser Satz, der weit mehr über den Klub erzählt als nur über Gares neues Bett: „Das macht Peiting aus. Wir schauen, dass wir mit den Mitteln alles hinbiegen. Wir können nicht ins Möbelhaus gehen und die komplette Wohnung ausstatten.“ Improvisation gehört in Peiting zum Geschäftsmodell. Und in diesem Sommer wird sie besonders beansprucht. Während Gares Apartment inzwischen eingerichtet ist, fehlt dem Trainer für seine eigentliche Arbeit noch etwas Wesentlicheres: Eis.
Den kann man nicht von heute auf morgen ersetzen.
Am Montag trainiert seine Mannschaft erstmals – allerdings in Füssen. Gerade zu Beginn der Vorbereitung wird der ECP häufiger dorthin oder nach Kaufbeuren ausweichen müssen. Im eigenen Stadion laufen noch die Umbauarbeiten. Nachdem im vergangenen Jahr die Kabinen erneuert wurden, sind nun die öffentlichen Sanitäranlagen und die Akustik dran. Für den Verein ist das langfristig ein Gewinn, kurzfristig aber vor allem Aufwand: Fahrten, fremde Eiszeiten, zusätzliche Kosten. „Höhepunkt wäre, wenn wir überhaupt eine Vorbereitung hinbekommen“, scherzt Borberg.
Für Mitte September ist ein Vorbereitungsturnier im eigenen Stadion geplant
Im besten Fall steht ab 1. September eigenes Eis zur Verfügung. Selbst die ersten Testspiele am 4. und 6. September sind noch nicht gesichert. Eine Woche später möchte Peiting eigentlich ein eigenes Vorbereitungsturnier mit Kempten, Füssen und Schongau veranstalten. „So was zu etablieren, wäre mein Ziel“, sagt Borberg. Ob es klappt, hängt vom Baufortschritt ab. Klagen will beim ECP trotzdem niemand. Im Gegenteil: Borberg betont ausdrücklich, wie dankbar der Klub für die Investitionen der Gemeinde ist. „Peiting ist und war schon immer Sportgemeinde, das ist sehr lobenswert.“
Sportlich überlässt man wenig dem Zufall. Möglichst viele Spieler sollten bleiben. „Je eingespielter, umso besser kommst du in die Saison“, sagt Borberg. Eine Lücke aber lässt sich nicht einfach über einen Transfer schließen. Mit Fabian Weyrich beendet eine Peitinger Institution ihre Karriere. „Den kann man nicht von heute auf morgen ersetzen“, sagt Borberg. Und meint damit nicht nur einen Verteidiger, sondern vor allem eine Stimme in der Kabine. Maximilian Rieger soll nach seinem Wechsel aus der Bayernliga den nächsten Schritt machen, Niklas Jakob kommt aus Erfurt zurück in die Kaufbeurer Gegend. Dominik Zerhoch absolviert die komplette Vorbereitung beim DEL-Klub Ingolstadt, ist danach aber für Peiting vorgesehen.
Peitings Kader soll in der Breite stärker werden
Die größere Baustelle lag ohnehin im Angriff. „Wir waren sehr abhängig von einer Reihe“, sagt Borberg. Carson Briere, Carson MacKinnon und Justin Maylan trugen den ECP über weite Strecken der vergangenen Saison. Maylan zieht es nun Richtung Bayernliga, auch weil der Lehrer seinen Beruf stärker in den Mittelpunkt rücken möchte. Peiting reagierte nicht nur mit einem Ersatzmann, sondern mit mehr Breite. Der Schwede Vincent Reimer kam nach intensivem Videostudium. Dazu wechseln Nikita Naumann aus Füssen und Quirin Glas-Bader, zuletzt beim SC Riessersee und in Weiden. Zwei junge Deutsche aus der Region, die in Peiting den nächsten Schritt machen und ihren Marktwert steigern wollen.
Und dann ist da noch Lubor Dibelka. Die „Zaubermaus“, inzwischen 43 Jahre alt, spielte in Erster und Zweiter Liga, sammelte fast überall Tore und Punkte – und schließt nun einen Kreis. Als Borberg 2008 zum ECP zurückkehrte, kam Dibelka erstmals nach Deutschland. Nach Peiting, und er schlug sofort ein. „Er hat damals gesagt: Einmal spiel‘ ich noch in Peiting, wo alles angefangen hat“, erzählt Borberg. „Das hat er eingehalten.“ Dass Dibelka auch mit 43 Jahren noch als Musterprofi gilt, der sich um junge Spieler kümmert und im Nachwuchs mithilft, passt ziemlich gut zu dem, was Peiting sein möchte. Einzig die Verletzungsanfälligkeit bleibt ein Risiko.
Professionelles Eishockey ohne die Möglichkeiten eines Profistandorts
Überhaupt stellt sich bei solchen Personalien die grundsätzliche Frage: Warum kommen talentierte Spieler immer wieder nach Peiting – und warum entwickeln sich dort so viele prächtig? Borbergs Antwort: Die Mischung macht’s. Der ECP möchte professionelles Eishockey anbieten, ohne die Möglichkeiten eines großen Profistandorts zu besitzen. Betreuer, Ärzte und Physiotherapeuten sorgen dafür, dass es den Spielern an möglichst wenig fehlt – viele von ihnen ehrenamtlich. „Das macht es sympathisch“, sagt Borberg.
Bei Problemen mit der Arbeit sucht der Verein Lösungen, drückt auch mal ein Auge zu. Vor allem aber soll sich die Mannschaft wohlfühlen. „Uns ist wichtig, dass die Jungs gerne ins Stadion kommen. Die Kabine ist deren Wohnzimmer.“ Dazu kommt Geduld. Wer nach Peiting wechselt, muss nicht sofort funktionieren. „Wir erwarten keine Wunderdinge“, sagt Borberg. Genau darin sieht der Klub seine Chance: Spieler entwickeln, ihnen Verantwortung geben, ein Umfeld schaffen, in dem sie gerne arbeiten.
Peiting will um Teilnahme am Play-off mitspielen – aber nicht um jeden Preis
Den Wettbewerb ums Geld kann Peiting kaum gewinnen. Borberg zählt sowohl in der Nord- als auch in der Südgruppe jeweils rund sechs Vereine, die sich finanziell deutlich vom Rest abheben. Der ECP will trotzdem um das Play-off mitspielen. Aber nicht um jeden Preis. „Wir werden nicht jeden Weg finanziell mitgehen und den Verein in Gefahr bringen“, betont der Teammanager. Vielleicht ist genau diese Grenze ein Grund dafür, warum Peiting seit Jahren dort spielt, wo andere kleine Standorte längst verschwunden sind. Der Klub versucht nicht, reichere Konkurrenten zu kopieren. Er versucht, mit den eigenen Mitteln möglichst viel herauszuholen.
Es wird immer schwerer, ehrenamtliche Helfer zu finden
Nur hängt dieses System längst nicht allein am Geld. Rund 50 Ehrenamtliche benötigt der ECP bei einem Heimspiel. Und gerade dort wird es schwieriger. „Der demografische Wandel ist zu spüren“, sagt Borberg. Langjährige Helfer hören auf, während gleichzeitig neue Aufgaben dazukommen: Video, Leinwand, Essensstände, Organisation. Der Verein sucht deshalb wieder Menschen, die mit anpacken und dafür sorgen, dass es wieder funktioniert.