
Economic Challenges: Verliert Deutschland seine Poleposition im Autobau an China?
Nach dem VW-Sanierungsplan bis 2030 diskutieren Bert Rürup und Michael Hüther, wie ernst der Wettbewerbsdruck aus China die deutsche Autoindustrie wirklich trifft – und was helfen könnte.In dieser Folge von Economic Challenges diskutieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, über die Zukunft des deutschen Automobilstandorts. Anlass ist der VW-Sanierungsplan bis 2030: Der Aufsichtsrat beschloss den Abbau von 50.000 Stellen, die Hälfte davon in Deutschland, sowie neue Nutzungskonzepte für die Werke Emden, Zwickau und Neckarsulm.
Rürup wertet das als Rückzug aus dem Kerngeschäft. Insgesamt sieht er die Risiken für die Branche größer als Hüther: „Die deutsche Automobilwirtschaft hat die E-Mobilität viel zu spät angegangen und hat eindeutige Rückstände“, sagt er. Chinesische Hersteller hätten das Auto zudem zum Entertainment-Produkt umdefiniert. Die unterbewertete chinesische Währung verschaffe ihnen einen zusätzlichen Preisvorteil.
Hüther verweist darauf, dass der Beschluss öffentlich eher als Befreiungsschlag aufgenommen werde – trotz der harten Folgen für die Beschäftigten. Er wertet ihn als Signal dafür, dass der Standort sanierungsfähig sei, zumal VW parallel 135 Milliarden Euro investieren will. Deutschland habe zudem nach China die zweiterfolgreichste Elektroauto-Produktion.
Einig sind sich beide: Chinesische Marken, deren Anteil an EU-Neuzulassungen seit 2021 von 0,6 auf 8,7 Prozent stieg, greifen bislang vor allem den Volumenmarkt an. Im Zentrum steht die Frage, ob Deutschland seine Spitzenposition dauerhaft verliert und sich künftig auf das Premium-Segment konzentrieren muss, während das Massengeschäft an China geht.
Moderiert von Bert Rürup und Michael Hüther
Produziert von Johannes Grote
Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.