Ed Sheeran verliert alle Vorbands: Palästina-Streit trifft die Loop-Tour mit voller Wucht

Stand: 16.09.2026, 07:40 Uhr

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Alle Vorbands verlassen Ed Sheerans Loop-Tour: Nach dem Rauswurf von Macklemore wegen eines „Free Palestine“-Rufs eskaliert der Streit.

Frankfurt am Main – Eigentlich wollte Pop-Musiker Ed Sheeran auf seiner Loop-Tour wohl vorrangig gute Laune verbreiten. Doch der britische Sänger ist während seiner einjährigen Tournee mitten in einen handfesten politischen Eklat gerutscht. Auslöser waren pro-palästinensische Aussagen des US-Rappers Macklemore, der gemeinsam mit Sheeran seit Anfang Januar 2026 auf Tour war. Der Tourveranstalter schloss Macklemore von der Tour aus.

Ed Sheeran und Macklemore.

Hier noch vereint auf der Bühne: Ed Sheeran und Macklemore. (Archivbild) © afp

Die Entscheidung blieb nicht folgenlos. Alle vier Vorbands und die Liveband Ed Sheerans haben nun laut einer Meldung des britischen Guardian ihren Rückzug von der Loop-Tour angekündigt. Den Anfang machte am Dienstag der irische Sänger Aaron Rowe, der für die verbleibenden zehn Termine in den USA und Kanada als Vorband vorgesehen war. Kurz darauf folgte Finneas, Bruder von Billie Eilish und selbst erfolgreicher Musiker, der sechs Südamerika-Konzerte im November hätte bestreiten sollen. Noch am selben Nachmittag schlossen sich die irische Traditionsband Beoga – seit mehr als zehn Jahren Sheerans Liveband – sowie die dänische Popband Lukas Graham an. Alle vier Bands und Musiker erklärten ihren Rückzug mit ihrer Solidarität gegenüber dem Rapper Macklemoe und mit Palästina.

Macklemore ruft „Free Palestine“ und wird aus Ed Sheerans Tour geworfen

Macklemore, der mit bürgerlichem Namen Benjamin Haggerty heißt, hatte am 4. September bei einem Konzert im US-Bundesstaat New Jersey eine Rede gehalten. In dieser wandte sich der Grammy-Preisträger direkt ans Publikum und bekundete seine Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen und im Westjordanland. „Wir haben sie nicht vergessen“, rief Macklemore laut Berichten aus den USA. Seine Teilnhame an der Tour begründete der Rapper damit, dass er sie nutzen wolle, um auf den Nahostkonflikt aufmerksamn zu machen. Er endete seine Ansprache mit: „Free Palestine!“ („Befreit Palästina“).

Macklemore hatte sich in der Vergangenheit bereits häufiger zu Israel und Palästina geäußert und schreckte dabei auch nicht vor antisemitisch gelesenen Aktionen zurück. Bei einem Konzert in den USA war Macklemore in einem Kostüm auf der Bühne erschienen, das offenbar als Karikatur eines Juden zu verstehen gewesen sein sollte: inklusive Backenbart und Hakennase. Nach Kritik an der antisemitischen Verkleidung ruderte Macklemore zurück und entschuldigte sich öffentlich.

Mehrere pro-israelische Gruppen kritisierten die Aussagen des Rappers. Das „Israeli American Council“ startete eine Petition, die den Ausschluss Macklemores von Sheerans Loop-Tour forderte. Ausschlaggebend war laut Berichten des Guardian und der Huffington Post aber vor allem der Druck mehrerer Stadionbetreiber, darunter Robert Kraft, Milliardär und Eigentümer des NFL-Clubs New England Patriots. Kraft erklärte, seine Entscheidung beruhe auf Macklemores „jüngsten Handlungen“ und einer „längeren Geschichte antisemitischer Rhetorik und Bildsprache, die unserer Ansicht nach für die jüdische Gemeinschaft zutiefst beleidigend und verletzend war“. Gleichzeitig betonte er, er würde „die Gelegenheit begrüßen, sich mit Macklemore zusammenzusetzen und die Fakten zu besprechen“.

Sheeran selbst versuchte, sich von der ganzen Debatte rund um Macklemore und seine pro-palästinensische Haltung zu distanzieren. In einem mehrseitigen Instagram-Post erklärte der britische Popmusiker, es sei nicht seine Entscheidung gewesen, Macklemore von der Tour auszuschließen. „Ich habe diese Woche damit verbracht, Brücken zu bauen und eine Lösung zu finden, und leider ist mir das nicht gelungen“, schrieb Sheeran weiter. Er betonte: „Ich weiß, wer ich bin, sowohl als Mensch als auch als Künstler, und diejenigen, die mein Herz kennen, kennen auch meine Werte.“

Sheerans Vorbands solidarisieren sich mit Macklemore und Palästina

Doch damit wollten sie die anderen Musikerinnen und Musiker offenbar nicht zufrieden geben. Finneas formulierte seinen Protest klar: „Künstler dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden, wenn sie sich für die Unterdrückten einsetzen. Ich habe beschlossen, meine bevorstehenden Tourtermine mit Ed Sheeran abzusagen. Ich stehe an der Seite Palästinas und seiner Bevölkerung.“ Aaron Rowe, den Sheeran als langjährigen Freund bezeichnete, schrieb, dass man als Ire „nur allzu gut über Völkermord, erzwungene Hungersnot und gewaltsame Besatzung Bescheid wisse“ – und fügte hinzu: „Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie Milliardäre ihre Machtposition nutzen, um die berechtigten Stimmen derer zum Schweigen zu bringen, die sich gegen den israelischen Völkermord aussprechen und auf die brutale Ermordung von Kindern aufmerksam machen.“ Lukas Forchhammer, Frontmann von Lukas Graham, erklärte: „Geld gibt dir nicht das Recht, das Gespräch zu dominieren. Niemandes Kontostand sollte darüber entscheiden, wer zu Wort kommt oder welches Leid wir anerkennen dürfen.“

Künstler dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden, wenn sie sich für die Unterdrückten einsetzen.

Doch nicht nur die eigenen Vorgruppen, auch weitere prominente Stimmen aus Popkultur und Politik gingen mit Sheeran ins Gericht. Der Twitch-Streamer Hasan Piker mischte sich auf X ein und schrieb: „Ich habe Euch doch gesagt, dass die Israel-Interessenverbände die Veranstaltungsorte hart angreifen würden.“ Macklemore selbst brachte Verständnis für Sheeran auf, der sich laut dem US-Rapper in einer kaum lösbaren Situation befunden habe. Wie es mit der Loop-Tour weitergeht, ist bislang nicht bekannt. Geplant waren weitere 17 Konzerte in Nord- und Südamerika bis Ende des Jahres. (dil) (Verwendete Quellen: Guardian, soziale Medien, Huffington Post)