Eigentor in der Nachspielzeit: MSV jubelt doch noch gegen Havelse

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Das hat es auch lange nicht in der Schauinland-Reisen-Arena gegeben: Mit Pfiffen der eigenen Fans wurden die Spieler des MSV Duisburg zur Halbzeitpause in die Kabine verabschiedet. Es war auch wirklich enttäuschend, was der Fußball-Drittliga-Spitzenreiter seinem Anhang in der Partie gegen den TSV Havelse bot – und der von 21 mitgereisten Fans unterstützte Gast aus Niedersachsen führte sogar nach 45 Minuten nicht unverdient mit 1:0. Am Ende durfte dann aber wieder gejubelt werden – weil der Stolperstein des Vorjahres durch ein Eigentor in der Nachspielzeit den 2:1 (0:1)-Sieg der Zebras herstellte.

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Wirkte die 1:2-Derbyniederlage in Düsseldorf noch nach? Für MSV-Trainer Dietmar Hirsch nicht. Für „relativ schnell abgehakt“ erklärte er unmittelbar vor dem Spiel im TV-Interview diesen ersten Rückschlag der Saison in der Meisterschaft. Auch die Fehler, die zu diesem Ergebnis führten, waren für ihn nicht der Grund, dass es gleich fünf Wechsel in der Startelf gab. Christian Viet (Gehirnerschütterung) und Simon Symalla (Leiste) fielen ganz aus dem Kader, Patrick Sussek, Martin Ens und Aljaz Casar mussten auf die Bank. Dafür durften Jakob Bookjans, Dominik Kother, Conor Noß, Max Besuschkow und Ben Schlicke beginnen. „Weil wir frische Beine bringen wollen“, so Hirsch.

3.Liga  MSV Duisburg - TSV Havelse

Schmerzhaft: Joshua Bitter musste früh mit einer Sprunggelenksblessur vom Feld.© FUNKE Foto Services | Jakob Klos

Frische Beine womöglich, an der Frische im Kopf mangelte es aber scheinbar. Die Hoffnung, mit einer runderneuerten Aufstellung dem Fast-Absteigers der vergangenen Saison von Beginn an die Lust am Dagegenhalten nehmen zu können, erfüllte sich nicht. Zwar dauerte es nicht einmal zwei Minuten, ehe die Zebras sich den ersten Eckball erarbeitet hatten, doch schon dessen halbherzige Ausführung durch Dominik Kother, die dann sogar in einen Konter des TSV mündete, ließ irgendwie erahnen, was da folgen sollte.

Aus MSV-Sicht nämlich arg wenig. Die Hausherren taten sich schwer, gegen die taktisch disziplinierten und von der Kulisse komplett unbeeindruckten Gäste ein strukturiertes Angriffsspiel aufzuziehen. Zur zunehmenden Ratlosigkeit gesellte sich dann auch noch böses Verletzungspech: Nach einem Kopfballduell mit Kevin Schumacher kam Rechtsverteidiger Joshua Bitter unglücklich mit dem rechten Knöchel auf und blieb verletzt liegen. Nach der Behandlung durch die Physiotherapeuten konnte er zwar eigenständig vom Platz laufen, signalisierte seinem Coach aber sofort: Es geht nicht weiter. Niklas Jessen musste ohne große Vorbereitung aufs Feld.

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Abgegrätscht: Peter Remmert wurde gerade noch von Semi Belkahia gestoppt.© FUNKE Foto Services | Jakob Klos

Schwer zu sagen, ob es der Schock über diesen Ausfall war, aber der MSV kam auch in der Folge schlichtweg nicht in die Gänge. Die Fans taten ihr Bestes, waren auch angemessen empört, als der Ellbogen von Yannick Mausehund im Gesicht von Conor Noß landete und der Havelser Verteidiger dafür die gelbe Karte kassierte. Doch der Funke sprang nicht von den Rängen aufs Team über, das seltsam gehemmt und unsicher wirkte. Da verwunderte es nur noch wenig, dass die Unterstützung von außen ab der 25. Minute zunächst in ein unzufriedenes Raunen und dann sogar in die ersten Pfiffe umschlug. Es dauerte 32 Minuten, ehe mal ein Schuss des MSV in Person von Can Coskun in Richtung Gästetor ging, doch dieser flog über die Latte, weshalb Ex-Zebra Omer Hanin nicht eingreifen musste.

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Max Braune hatte mehr zu tun, als ihm lieb sein konnte.© FUNKE Foto Services | Jakob Klos

Richtig übel wurde es dann in der 38. Minute. Ben Schlicke verspielte auf der linken Seite den Ball, beim folgenden Konter griff Rasim Bulic ans Trikot von Eric Voufack, wofür es die gelbe Karte und einen Freistoß aus 20 Metern in halbrechter Position gab. Diesen löffelte Johann Berger an den Elfmeterpunkt, wo Donald Nduka völlig unbedrängt zum 1:0 einköpfen konnte. Ein Wirkungstreffer, den Peter Remmert kurz vor dem Pausenpfiff hätte beantworten können, doch aus kurzer Distanz zielte er einen halben Meter daneben.

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Das tat weh: Havelse feierte die Führung durch Donald Nduka.© FUNKE Foto Services | Jakob Klos

In der Pause gab‘s das Kommando zurück. Die frischen Beine von Besuschkow, Kother und Bookjans wurden nicht mehr gebraucht, dafür durften nun doch Casar und Sussek sowie Ramien Safi aufs Feld. Es sah dann auch schon gleich alles nach mehr Zug, mehr Willen aus. Das Havelser Tor stand nun deutlich mehr im Blickpunkt, zum Beispiel in der 51. Minute, als Peter Remmert allein auf Omer Hanin zusteuerte, aber im letzten Moment mit einer herausragenden Grätsche von TSV-Kapitän Semi Belkahia gestoppt wurde. Sechs Minuten später klatschte Hanin einen Remmert-Schuss nach vorn weg, woraufhin Conor Noß ins Tor abstaubte – allerdings aus Abseitsposition.

MSV: Braune – Bitter (13. Jessen), Schlicke, Bulic (66. Krüger), Fleckstein, Coskun – Besuschkow (46. Casar) – Noß, Bookjans (46. Sussek), Kother (46. Safi) – Remmert.

TSV: Hanin (77. Opitz) – Duah, Nduka, Belkahia, Mausehund – Voufack (81. Velasco), Berger (77. Oltrogge), Tugbenyo, Schumacher – Grzywacz (69. Lamby) – Guiddir (77. Paldino).

Tore: 0:1 Nduka (39.), 1:1 Sussek (79.), 2:1 Duah (90./+4, Eigentor).

Schiedsrichterin: Lutz (Schweinfurt).

Gelb-rote Karte: Mausehund (TSV, 64.).

Gelbe Karten: Bulic – Voufack.

Zuschauer: 17.709.

So geht‘s weiter: SV Wehen Wiesbaden – MSV Duisburg (So., 20. September, 19.30 Uhr, Brita-Arena).

In der 64. Minute verschoben sich die Kräfteverhältnisse zugunsten des MSV. Der schon verwarnte Yannick Mausehund blockte den auf ihn zulaufenden Ramien Safi vorsätzlich mit der Schulter und kassierte dafür folgerichtig die gelb-rote Karte. Wenig später reagierte Dietmar Hirsch und brachte mit Florian Krüger für seinen gelbbelasteten Kapitän Bulic eine weitere Offensivkraft. Deutlich mehr Chancen resultierten daraus nicht, vielmehr lief es sehr zäh, weil Ex-Zebra Hanin immer wieder Behandlungspausen brauchte. Augenblicke, nachdem er endlich ausgewechselt worden war, musste sein Ersatzmann Tom Opitz hinter sich greifen. Ramien Safis Hereingabe von rechts verwertete Patrick Sussek am Elfmeterpunkt zum erlösenden Ausgleich. Zu mehr schien es nicht zu reichen, bis die vierte Minute der Nachspielzeit kam: Patrick Sussek schlug die Kugel von links herein, in der Mitte säbelte Dennis Duah die Kugel über die eigene Linie. Damit hatte kaum noch jemand gerechnet.