Stand: 21.09.2026, 13:47 Uhr
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Für über 170 junge Menschen hat die Zeit im Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum in Eschwege begonnen. Vor rund 1000 Besuchern sin sie vereidigt worden.
Eschwege – Celine Strobelt wird vermutlich noch lange an diesen Tag zurückdenken und womöglich ihren Enkeln davon erzählen. Ganz ähnlich wird es 171 weiteren jungen Männern und Frauen ergehen: Am Freitag (18. September) wurden sie auf dem Marktplatz öffentlich vereidigt, denn sie absolvieren eine Ausbildung bei der Bundespolizei für den mittleren oder den gehobenen Dienst. Der Marktplatz war eigens autofrei und beflaggt, die Sonne schien, als sei sie bestellt worden. Rund 1000 Angehörige, Freunde sowie Schaulustige standen Spalier, als die Dienstanwärterinnen und Dienstanwärter einmarschierten.
Der Vereidigung vorausgegangen war ein ökumenischer Gottesdienst in der Neustädter Kirche mit dem Seelsorger der Bundespolizei, Pater Andreas Bröckling, und dem Fuldataler Pfarrer Freimut Schirrmacher. Zu den weiteren Ehrengästen zählten Hessens Innenminister Roman Poseck, der Bundestagsabgeordnete Wilhelm Gebhard, die Landtagsabgeordneten Stefan Schneider, Martin Schörner und Felix Martin, Landrätin Nicole Rathgeber sowie Bürgermeister Nicola-Alexander Ferl.

„Das war ein ganz großer Moment“, sagte Celine Strobelt anschließend. Ihre Familie war eigens aus Adorf/Vogtland in Sachsen angereist, um dieses Ereignis mit ihr zu teilen. In den vergangenen Jahren sei ihr Wunsch gereift, eine Ausbildung zur Kommissarin zu absolvieren, erzählte die 19-Jährige. Im vergangenen Jahr hat sie ihr Abitur abgelegt. Sie freue sich auf ihre Zeit im Ausbildungszentrum in Eschwege.
Celine Strobelt und ihr Kollege Jonas Dzinic ergriffen während der festlichen Veranstaltung stellvertretend für alle Anwärterinnen und Anwärter das Wort. „Wir empfinden aufrichtigen Stolz und sind uns der Verantwortung bewusst, die wir mit dem Eid übernehmen“, so Strobelt. Polizeiarbeit sei mehr als Schutz für den Staat, sagte Dzinic, sie sei „Dienst am Menschen, der besonders dort sichtbar wird, wo Menschen auf Unterstützung, Schutz oder Orientierung angewiesen sind.“
Der Leiter des Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrums Eschwege, Polizeioberrat Benjamin Liehr, wandte sich in seiner Ansprache nicht nur an den Polizeinachwuchs, sondern auch an die Angehörigen. Die Ausbildung werde den Polizeischülerinnen und -schülern viel abverlangen. „Bitte hören Sie zu, trösten Sie, bauen Sie auf und unterstützen Sie, wenn Sie erkennen, dass dies nötig ist.“
Die Festrede hielt der Innenminister. Der Eid bringe etwas Besonderes zum Ausdruck, nämlich „das, was unser Land ausmacht, und das, was unser Land stark macht: das Grundgesetz“. Gerade in der heutigen Zeit sei es wichtig, „dass wir für unsere Werte eintreten“. Demokratien seien keine Selbstverständlichkeit, sie seien unter Druck geraten. Die Menschenwürde stehe „zu Recht am Anfang unseres Grundgesetzes“, so Poseck weiter. Sie komme allen Menschen zu, „egal, wo sie herkommen, und egal, in welcher Situation sie sich befinden“. Dies zu betonen sei umso wichtiger, da Extreme manche Mitbürger zu Menschen zweiter Klasse herabwürdigen wollten. Der Eid stehe für „die Bindung an das Grundgesetz und an das Menschenwürde-Versprechen“.

Auch die anderen Redner gratulierten den Anwärtern und würdigten deren Bereitschaft, sich in den Dienst des Staates und der Gesellschaft zu stellen. Die Arbeit der Polizei sei „nicht immer vergnügungssteuerpflichtig“, das wisse jeder aus eigenem Erleben, sagte Gebhard. Aber er sei sich sicher, dass die Polizeischüler in Eschwege gut auf solche Situationen vorbereitet würden. Sie würden in nächster Zeit viel Neues lernen, an ihre Grenzen kommen und womöglich auch Fehler machen, sagte Rathgeber. Wichtig sei, dass sie immer wieder Momente erlebten, die sie daran erinnerten, warum sie sich für eben diese Ausbildung entschieden hätten.
Für den musikalischen Rahmen sorgte das Bundespolizeiorchester unter Leitung von Matthias Wegele mit der Sängerin Shereen Adam. An den Festakt schloss sich ein Empfang im Rathaus an. (Silke Hellwig)