AUDIO: Gehen uns uralte Graslandschaften verloren (1 Min)
Uralte Graslandschaften
Stand: 28.08.2026 13:30 Uhr
Wenn uralte Graslandschaften umgepflügt werden, um Ackerland oder Baumplantagen anzulegen, gibt es keinen einfachen Weg zurück. Auch wenn man die Landschaften renaturiert, ist nicht mehr alles so, wie es mal war.
von MDR WISSEN / cd
Graslandschaften sind einzigartig. Sie bedecken trotz massiven Umbaus immer noch fast ein Viertel der Erdoberfläche und bieten die Lebensgrundlage von mehr als einer Milliarde Menschen weltweit, indem sie Futter für Nutztiere liefern und Lebensraum für einzigartige Pflanzen und Tiere liefern. Sie sind dabei weit mehr als baumlose Flächen, nur sind ihre Vorteile nicht auf den ersten Blick zu sehen. So verfügen sie zum Beispiel über ein weit verzweigtes Wurzelnetz im Boden, das ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffs der Erde speichert, den Wasserfluss verringert und Erosion eindämmt.
Aber die Fläche nimmt ab, durch Umwandlung in Ackerland, Anlegen von Baumplantagen oder einfach zur Nutzung als Bauland. In Indien bedeckten Savannen 1880 noch100 Millionen Acres (40,5 Millionen Hektar) der Landfläche, 2010 waren es nur noch 60 Millionen Acres (24,3 Millionen Hektar), also etwas mehr als die Hälfte. Ähnliches gilt für die Graslandschaften (Prärien) Nordamerikas, wo weniger als die Hälfte erhalten ist. Und In Brasilien verliert die Graslandschaft in der Mitte des Landes (der Serrado), die so groß ist wie Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien zusammen, alle drei Monate eine Fläche in der Größe von London.
Eine neue Studie der Michigan State University kommt nun zu dem Schluss, dass die Folgen dieses Umbaus weitreichender sind als bislang angenommen. Demnach kehren die extrem langsam wachsenden, gleichzeitig aber sehr wichtigen mehrjährigen Pflanzen mit ledrigen und widerstandsfähigen Blättern kaum noch zurück, weil schnell wachsende, weniger nützliche Pflanzen an ihre Stelle treten. Die Folge: die "neuen" Grasländer haben eher Probleme mit Stresssituationen wie Dürre, Fraß durch Pflanzenfresser oder Feuer. Noch nach 300 Jahren kann man Unterschiede zwischen den ursprünglichen Grasländern und den jüngeren Neuanpflanzungen feststellen.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Steppen einmal getätigte Umnutzung, unabhängig von ihrer geografischen Lage, nicht folgenlos verkraften. "Sie legen nahe, dass wir bei der Wiederherstellung von Grasländern aktiv eingreifen müssen – etwa durch Aussaat und Umpflanzung –, wenn wir wollen, dass sekundäre Grasländer genauso funktionieren wie ursprüngliche", sagte Mitautor Lars Brudvig von der Michigan State University.
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