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Eintracht-Duo für die DFB-Elf? Burkardt und Atubolu bewerben sich bei Klopp
Stürmer Jonathan Burkardt und Torwart Noah Atubolu präsentieren sich vor den Augen von Jürgen Klopp in Nationalelf-Form. Der neue Bundestrainer wird am Donnerstag seinen ersten Kader bekanntgeben – mit dem Eintracht-Duo?
Jonathan Burkardt (li.) und Noah Atubolu hoffen auf einen Anruf von Jürgen Klopp. Bild © IMAGO / Jan Huebner
Ende des Videobeitrags
Jürgen Klopp sammelt aktuell fleißig Flugmeilen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Julian Nagelsmann ist der neue Bundestrainer seit seinem Amtsantritt geradezu omnipräsent, in den vergangenen Wochen stellte er sich bei ausgewählten Bundesligisten persönlich vor und sprach mit Trainern sowie möglichen Nationalelf-Kandidaten. An den Spieltags-Wochenenden ist das wohl auffälligste Zahnpastalächeln Deutschlands dann regelmäßig in irgendeiner VIP-Loge dieser Republik zu finden. Klopp, wohin man sieht.
Am vergangenen Samstag besuchte der Wahl-Wiesbadener nun seinen früheren Club Mainz 05 und beobachtete das Rhein-Main-Duell gegen Eintracht Frankfurt. Bei bestem Fußballwetter nahm der seit Monaten braungebrannte und irgendwie erholt aussehende Klopp auf der Haupttribüne Platz. Seine Mission: Die potenziellen Nationalspieler noch einmal genau unter die Lupe nehmen, an diesem Donnerstag steht immerhin seine erste und mit Spannung erwartete Kader-Nominierung an.
Viele DFB-Elf-Kandidaten auf dem Rasen
Auf Seiten von Mainz 05 hat sicher WM-Fahrer Nadiem Amiri die besten Aussichten, in Reihen der Hessen hoffen Noah Atubolu, Robin Koch und natürlich Jonathan Burkardt auf eine Einladung. Younes Ebnoutalib, mit dem Klopp bei seinem Antrittsbesuch in Frankfurt ein längeres Gespräch führte, hat maximal Außenseiter-Chancen. Ansgar Knauff ist aufgrund einer Oberschenkel-Verletzung erst einmal kein Kandidat. Laut der Bild-Zeitung könnte auch Rechtsverteidiger Elias Baum ein Überraschungs-Kandidat sein. Vorhang auf zum Bewerbungs-Spiel. Wer schafft es in den Recall?
Den bleibendsten Eindruck, da gibt es keine zwei Meinungen, hinterließen dann Eintracht-Torhüter Atubolu und Eintracht-Stürmer Burkardt.
Atubolu hat großes Potenzial
Der eine, Atubolu, zeigte in seinem insgesamt erst dritten Spiel im Frankfurter Trikot zum zweiten Mal eine sehr starke Leistung und hatte nicht nur mit seinem parierten Elfmeter gegen seinen potenziellen DFB-Elf-Buddy Amiri großen Anteil am 3:1-Erfolg. Atubolu hat – trotz seines Fehlers bei der 1:4-Klatsche gegen den FC Augsburg – geschafft, woran Kaua Santos und Michael Zetterer vorher monatelang gescheitert waren: Er strahlt Sicherheit aus und verleiht der Abwehr dadurch zusätzliche Stabilität. "Er gibt uns ein gutes Gefühl", so Burkardt.
Atubolu, der nur wegen falscher Versprechen seiner Berater und eines geplatzten Wechsels nach England überhaupt zur Eintracht kam, ist für die Frankfurter ein Glücksgriff. Klar: Der 24-Jährige muss seine Leistung auf Dauer bestätigen und Patzer wie in der vergangenen Woche komplett abstellen. Seine Fähigkeiten auf der Linie und im Strafraum sind aber unbestritten. Dass er zudem schon jetzt Verantwortung übernimmt und auf dem Platz ständig im Austausch mit Trainer Adi Hütter und seinen Vorderleuten ist, zeigt seinen Wert. Atubolu hat das Potenzial zum Nationalspieler, auch schon jetzt.
Nach dem endgültigen Rücktritt von Manuel Neuer muss sich die neue Hierarchie im deutschen Tor zwar erst noch finden. Aktuell ist noch völlig unklar, ob Klopp weiterhin auf Routiniers wie Marc-André ter Stegen und Oliver Baumann setzt oder sofort die jungen Wilden loslässt. Atubolu sollte er aber definitiv auf dem Zettel haben.
Burkardt bringt sich in Stellung
Der andere, Burkardt, bereitete gegen seinen Ex-Club den 1:0-Führungstreffer durch Can Uzun mustergültig vor und bewies dann bei seinem Tor kurz vor der Pause seine Kaltschnäuzigkeit. Der frühere Mainzer nutzte nach einem langen Ball seinen Körper geschickt aus, blockte den Mainzer Abwehrchef Fabio Gruber einfach weg und schob dann eiskalt ein. Ein klassisches Mittelstürmer-Tor, das in dieser Form nicht viele in der Bundesliga schießen. Burkardt trägt die Rückennummer 9 – und genauso spielt er auch.
Doch auch Burkardt hat mehr zu bieten, als sich aus dieser einen Partie ableiten lässt. Nach den Irrungen und Wirrungen unter Ex-Coach Albert Riera blüht der 26-Jährige unter Trainer-Rückkehrer Hütter richtig auf. Der gebürtige Darmstädter nutzte die lange Sommerpause, um topfit zu werden, schon im Trainingslager im bayrischen Grassau überzeugte er durch seine Fitness und die frühe Topform. Burkardt weiß, wo das Tor steht. Wenn er jetzt nicht wieder – und die kalten Wintermonate kommen erst noch – von seinem Körper ausgebremst wird, gehört er in die DFB-Elf.
Im Sturmzentrum dürften zwar weiter Kai Havertz und auch Deniz Undav die Nase vorne haben. Da Nick Woltemade seine frühere Form auch in Turin noch nicht wiedergefunden hat, hätte Burkardt gemeinsam mit Youngster Nicolò Tresoldi vom FC Brügge eine Bewährungschance verdient.
Klopp-Besuch als Ansporn
"Es ist schön, dass Jürgen Klopp im Stadion war, einen Eintracht-Sieg und gute deutsche Spieler gesehen hat", fasste Burkardt den aus Frankfurter Sicht perfekt gelaufenen Nachmittag zusammen. Der eine hält hinten seinen sechsten Elfmeter in Folge und stellt damit einen neuen Bundesliga-Rekord auf, der andere schießt seinen Ex-Club fast im Alleingang ab. So kann man sich vor den Augen des Bundestrainers mal präsentieren. Aber reicht das auch für eine Nominierung? "Das wäre schön", so Burkardt. "Wer hofft nicht darauf?"