Einzelbewerberin schlägt CDU-Favorit: Claudia Schuch wird Syker Bürgermeisterin

Stand: 27.09.2026, 21:33 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Überschwänglich: Claudia Schuch nimmt die Glückwünsche einer Unterstützerin entgegen.

Überschwänglich: Claudia Schuch nimmt im Ratssaal die Glückwünsche einer Unterstützerin entgegen. © Jantje Ehlers

Claudia Schuch gewinnt die Stichwahl in Syke mit 53 zu 47 Prozent gegen Wilken Hartje. Dabei hatte Hartje noch vor zwei Wochen mit drei Prozentpunkten vorn gelegen.

Syke – Claudia Schuch tritt zum 1. November die Nachfolge von Suse Laue als Syker Bürgermeisterin an. Am Sonntag haben sich bei der Stichwahl gut 53 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die 54-Jährige, die als Einzelbewerberin antrat, entschieden. Für ihren Gegenkandidaten Wilken Hartje (CDU) stimmten knapp 47 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,4 Prozent – das heißt, jeder dritte Wähler von vor zwei Wochen ging dieses Mal nicht erneut zur Wahlurne.

Das Ergebnis kann als faustdicke Überraschung gewertet werden: Noch vor zwei Wochen hatte Hartje mit rund drei Prozentpunkten vor Schuch gelegen. Und so war der CDU-Mann, der quasi im Alleingang seine Partei zur stärksten Fraktion im neuen Rat gemacht hatte, als Favorit in die Stichwahl gegangen. In den vergangenen Wochen hatten beide noch einmal versucht, die Wähler von sich zu überzeugen – in Einzelgesprächen, Auftritten in den sozialen Medien, mit Wahlbotschaften von Unterstützern.

Wilken Hartje zeigte bereits frühzeitig im Rathaus Flagge: Gemeinsam mit Ehefrau Andrea kam er in den Ratssaal, um vor Ort das Einlaufen der Ergebnisse zu verfolgen. Und hatte zunächst Grund zur Freude: Als gegen 18.10 Uhr die Ergebnisse der ersten vier Wahlbezirke auf der Videowand zu sehen waren, lag er bei 65 Prozent.

Doch anschließend begann eine klassische Aufholjagd: Mit nahezu jedem Ergebnis reduzierte sich die Höhe des schwarzen Hartje-Balkens, schmolz sein Vorsprung. Der erfahrene Kommunalpolitiker sah seine Niederlage frühzeitig kommen. Nach acht Ergebnissen – er lag zu diesem Zeitpunkt bei 56 Prozent – murmelte Hartje bereits: „Ich hab‘s verloren.“

Mit seiner Prognose sollte er Recht behalten: Nach der Veröffentlichung des 23. Wahlbezirk-Ergebnisses lag Schuch erstmals vorn. Nach 31 Ergebnissen lag sie bei 51,5 Prozent. Sie hatte den Beginn des Wahlabends im heimischen Garten verbracht, umgeben von ihrer Familie und ihrem Wahlkampfteam. „Meine Tochter hat mir ab 18 Uhr das Handy aus der Hand genommen“, wird Schuch später erzählen. Erst nach der Hälfte der ausgezählten Stimmen bekam sie den Hinweis: Es könnte reichen!

Konsterniert: Schon frühzeitig erkannte Wilken Hartje, dass es für ihn an diesem Abend nicht reichen würde.

Konsterniert: Schon früh erkannte Wilken Hartje, dass es für ihn an diesem Abend nicht reichen würde. © Jantje Ehlers

Erst als der Wahlsieg fast in trockenen Tüchern war, machte sich Schuch mit ihrem Team auf den Weg ins Rathaus. Als sie dort ankam, fehlte nur noch ein Lokal. Etwas ungewöhnlich: Applaus brandete keiner auf, als die künftige Verwaltungschefin den Saal betrat. Schuch nahm die ersten Glückwünsche entgegen, umarmte Gratulanten. Um 18.41 Uhr stand das Ergebnis fest.

Wilken Hartje gratulierte seiner Kontrahentin sportlich fair, suchte noch im Ratssaal nach Gründen für die Niederlage. Eine Erkenntnis: „In den urbanen Gebieten hat Claudia einfach die Stimmen bekommen von den anderen beiden“, analysiert er. Die Wahlempfehlungen von Florian Kastner und Christian Eilers für Wilken Hartje hatten offenkundig keine Wirkung in den Ortschaften Syke und Barrien.

Das Ergebnis der Bürgermeister-Stichwahl in der Stadt Syke.

Das Ergebnis der Bürgermeister-Stichwahl in der Stadt Syke. © MK

Und die Siegerin? Räumte auf Nachfrage ein, dass der Sieg sie durchaus überrascht habe. „Es war mega eng, aber es zeigt auch, wie gut wir beide als Bewerber sind und welche gute Auswahl Syke hatte.“ Was nun auf sie zukommt, weiß Claudia Schuch noch nicht genau. „Ganz ehrlich, das muss ich jetzt erst mal gucken. Damit hab ich mich noch nicht konkret befasst. Das war einfach nicht greifbar, und ich beschäftige mich immer gern mit greifbaren Themen. Ich möchte Mitarbeiter kennenlernen, das ist ganz wichtig. Ich bin die Neue, also stelle ich mich vor. Und dann gucken wir, wie es weitergeht.“

Kommentar: Fehlerfrei durch den Marathonlauf

Von Frank Jaursch

Was für eine Aufholjagd! Claudia Schuch hat es tatsächlich geschafft, die Syker von sich zu überzeugen. Und zwar ziemlich flächendeckend: In 32 von 41 Wahllokalen sahen die Wähler sie bei der Stichwahl vor ihrem Kontrahenten Wilken Hartje, allein in sieben Lokalen kam sie auf mehr als 60 Prozent. Lediglich im Süden lag der Heiligenfelder Hartje vorn. Und all das, obwohl sich mit Florian Kastner und Christian Eilers zwei der drei im ersten Wahlgang unterlegenen Kandidaten zuvor ausdrücklich für den CDU-Mann ausgesprochen hatten.

Das Wahlergebnis zeigt überdeutlich, dass derartige Empfehlungen den Wählern offenbar ziemlich gleichgültig sind. Am Ende zählt die Frage, welche Person jede oder jeder Einzelne lieber an der Spitze der Verwaltung im Rathaus sehen wollte. Und da hat Claudia Schuch offenbar einfach mehr gezogen.

Gegenüber ihrem Ergebnis von vor zwei Wochen hat sie trotz deutlich geringerer Wahlbeteiligung mehr als 1.200 neue Stimmen gesammelt. Hartje kommt auf nicht einmal 200 Stimmen mehr als am 13. September. Es scheint, als habe Claudia Schuch am Ende eines fehlerfrei absolvierten Marathonlaufs einfach mehr Reserven mobilisieren können als Wilken Hartje.

Im Rathaus nahm die künftige Verwaltungschefin die Gratulationen entgegen. Schüttelte Hände. Lachte. Wohl zu keinem Zeitpunkt hat man die Sykerin so ausgelassen erlebt wie am Abend ihres Wahlsiegs. Diesen Triumph kann ihr niemand nehmen. Allzuviel Zeit, ihn zu genießen, bleibt der 54-Jährigen nicht: Am 1. November beginnt ein neues Kapitel für sie – und für Syke.