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Eisbad und Infusionen Frankfurter Start-up will das Altern bremsen
Fitter, gesünder, länger jung – dafür zahlen Menschen inzwischen viel Geld. Longevity heißt das vermeintliche Zauberwort. Ein Frankfurter Start-up will Menschen mit Rotlicht, Eisbädern und Sauerstofftherapie zu einem langen, gesunden Leben verhelfen. Was bringt das wirklich?
Longevity in Frankfurt: In dieser Kammer gibt es eine hyperbare Sauerstofftherapie - die soll das Energielevel steigern und Regeneration fördern. Bild © hessenschau.de
Der Raum, der sich beim Verlassen des Aufzugs auf der sechsten Etage des Frankfurter Roomers Hotels auftut, kommt wie eine Mischung aus Raumschiff, Labor und Beauty-Salon daher.
Die futuristisch anmutende Wellnesswelt Recover Society wurde vor einem Jahr von den beiden Gründern Marcus Naumann und Nicolai Gropper geschaffen. Ihr Versprechen: Longevity, Biohacking und Wellness. Naumann beschreibt das Konzept des ersten sogenannten Recovery Hub so: "Wir bauen Orte der Erholung, Orte der Prävention."
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05:05 Min.|02.09.26, 19:30 Uhr|hr
Serie Start-ups: Recover Society
Bild © hr
Ziel ist nicht ewiges Leben, sondern gesundes Altern
"Langlebigkeit - ich finde das deutsche Wort fast besser als das englische Wort", sagt Naumann. Es bedeute letztlich, die "Gesundheitserwartung bestmöglich zu optimieren". Dabei gehe es nicht darum, ewig zu leben. Sondern darum zu schauen, was man im mittleren Alter tun könne, um später ein "gesundes, würdevolles Altern in guter Gesundheit" erleben zu können.
Die beiden Gründer arbeiteten zusammen an einem Projekt für ein Automobilunternehmen, als die Idee für ihr eigenes Unternehmen entstand. Mit ihrem Start-up springen sie auf einen Trend auf, der in den USA und Großbritannien schon länger bekannt ist. Mittels Infusionen, Lasern und Rotlichttherapie soll der Alterungsprozess ausgebremst werden.
Sauerstoff, Rotlicht und Wasserplasma
Auf Rotlichttherapie setzen die beiden Gründer auch bei ihrem Konzept in Frankfurt. Außerdem bieten sie eine hyperbare Sauerstofftherapie, Mikrostrombehandlung, Wasserplasma-Inhalation, Eisbäder und Infusionen an.
Wer sich der Behandlungen unterziehen will, wird zuvor bei einer Körperanalyse einmal komplett durchgecheckt. Für die medizinische Expertise haben sich der Produktstratege Naumann und der Innovationsmanager Gropper deshalb den Arzt Dominik Duscher ins Boot geholt.
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03:31 Min.|Katharina Bruns
Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite
Denn man wolle nicht nur Wellness anbieten, sondern, "wo es Sinn macht, immer auch in die Medizin gehen", sagt Gründer Naumann. Richtige Regeneration sei mehr als Entspannung, sie beginne auf Zellebene: "Die wissenschaftliche Basis ist eigentlich so ein bisschen der Leitstern von allem, was wir machen."
Studienbasis noch gering
Wie groß die Wirkung von Longevity-Behandlungen wirklich ist, wollten Forschende der Yale University herausfinden. Für ihre aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Nature Medicine untersuchten die Forschenden 51 verschiedene Longevity-Interventionen. Dabei fanden sie zwar Veränderungen bei biologischen Alterungsmarkern. Ob das tatsächlich zu einem längeren oder gesünderen Leben führt, lasse sich aber bislang nicht sicher beantworten, schrieben sie.
Auch Altersforscher Björn Schumacher von der Uni Köln erforscht die biologischen Mechanismen des Alters. Was die einzelnen Anwendungen bringen, sei größtenteils "weniger klar", sagt er. Dazu sei die Studienlage noch zu gering.
Bei der Sauerstofftherapie sehe es etwas anders aus, sagt Schumacher: "Es gibt durchaus Studien dazu, die nahelegen, dass diese hyperbarischen Kammern einen positiven Effekt haben."
Mehr Sauerstoff für mehr Energie
Bei dieser Anwendung sitzt der Nutzer oder die Nutzerin mit Blick auf die Frankfurter Skyline in einer Kammer, die an eine Raumkapsel erinnert. Darin wird der Druck nach und nach erhöht, gleichzeitig atmet die Person über eine Maske ein Gasgemisch mit knapp 94 Prozent Sauerstoff ein - deutlich mehr als die rund 21 Prozent Sauerstoff in der normalen Atemluft. Das soll das Energielevel steigern und die Regeneration fördern.
hr-Reporterin Katharina Bruns im Longevity-Selbsttest Bild © hessenschau.de
Kundin Beata Behringer glaubt an den positiven Effekt. Sie kommt nach einer Thorax-OP regelmäßig und nutzt die Kammer. "Ich habe danach viel mehr Energie. Mir geht es generell einfach viel besser", sagt sie. Die Kosten für die Anwendung sind mit 150 Euro für eine Stunde kein Schnäppchen - das sei es ihr jedoch wert, meint Beata Behringer.
Es geht auch günstiger
Dass die Kosten vieler Anwendungen nicht gerade niedrig sind, weiß auch Marcus Naumann. Das sei die kritische Seite des Longevity-Trends: "Dass soziale Klassen hierbei extrem voneinander getrennt werden." Dagegen müsse man "gesellschaftlich arbeiten, dagegen müssen wir arbeiten", meint er.
Eine der günstigeren Anwendungen ist der Sprung ins kalte Wasser. Der Preis für den sogenannten Cold Plunge - das Eisbad bei einer Temperatur von drei Grad - beginnt bei 30 Euro.
hr-Reporterin Katharina Bruns testet die Anwendung “Cold Plunge”, ein drei Grad kaltes Eisbad. Co-Gründer Marcus Naumann erklärt die richtige Atemtechnik. Bild © hessenschau.de
Das nutzen auch die American-Football-Spieler von Frankfurt Galaxy regelmäßig. Spieler Jahn Perez hilft das Bad nicht nur bei Schmerzen oder Muskelkater, wie er sagt, sondern auch für die "mentale Stärke. Wenn ich meinem Kopf sage, ich muss hier drin bleiben, hilft mir das natürlich auch, auf dem Feld ein bisschen mehr bei Schmerzen dagegen zu arbeiten."
Gleicher Effekt mit Sport und gesunder Ernährung
Altersforscher Björn Schumacher sagt, dass man auch niedrigschwellig und mit kleinem Geldbeutel schon den Grundstein für ein langes, gesundes Leben legen könne: "Indem man regelmäßig Sport treibt, sich gesund ernährt und auf schädliche Dinge verzichtet."
Das sieht auch Gründer Marcus Neumann so: "Alles, was wir hier machen, bringt dir nichts, wenn du schlecht schläfst." Man müsse auch im Alltag seinen Lebenswandel gesund ausrichten. Die Anwendungen seines Unternehmens könnten dann eine Unterstützung sein.
Auch wenn ausreichende wissenschaftliche Belege noch fehlten und man bei einigen Anwendungen vorher besser mit einem Arzt reden sollte, kann auch Altersforscher Schumacher dem Longevity-Trend etwas Positives abgewinnen: "Dass man sich selber Gedanken macht über die eigene Gesundheit."