Antisemitische Verschwörungstheorien? WDR-Journalist wegen Ceuta-Post unter Druck

Eklat um X-Post von WDR-Journalist Restle zu Ceuta-Krise: WDR nimmt Stellung

Stand: 09.08.2026, 16:51 Uhr

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Dem Journalisten Georg Restle wird vorgeworfen, auf X antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet zu haben. Der WDR reagiert.

Köln – Ein X-Post des WDR-Journalisten Georg Restle über die Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta hat eine formelle Beschwerde beim Sender ausgelöst. Wie die dpa berichtet, hatte Restle am Donnerstag (6. August) auf der Plattform einen englischsprachigen Auszug aus einem Beitrag der US-Zeitschrift The Nation geteilt, in dem die Ereignisse in Ceuta als Teil eines „US-israelisch-marokkanischen Bündnisses“ beschrieben werden, das darauf abziele, „eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben“.

Journalist Georg Restle moderiert auf der Lit.Cologne 2022.

Der WDR-Journalist Restle steht wegen eines X-Beitrags zur Ceuta-Krise in der Kritik. © IMAGO/Christoph Hardt/Panama Pictures

Felix Schotland, Mitglied im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und in dieser Funktion Teil des Rundfunkrats des WDR, wandte sich daraufhin mit einem Beschwerdebrief an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk. „Aussagen dieser Tragweite sind geeignet, das Vertrauen in die journalistische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des WDR nachhaltig zu beschädigen“, schrieb er darin. Die Jüdische Allgemeine veröffentlichte das Schreiben im Wortlaut.

WDR-Journalist Restle löst mit X-Post Beschwerde aus

Schotland kritisierte dabei nicht nur den Inhalt des Posts, sondern auch dessen Wirkung: „Besonders irritiert mich, dass ein führender Journalist des WDR einen Beitrag mit einer derart zugespitzten Darstellung veröffentlicht, der den Eindruck erweckt, geopolitische Entwicklungen würden durch ein konspiratives Netzwerk gesteuert.“ Auch auf X selbst hagelte es Kritik. In zahlreichen Kommentaren wurde Restle vorgeworfen, antisemitische Verschwörungstheorien zu verbreiten. Restle ist seit dem 1. Juni 2026 Leiter des crossmedialen ARD-Studios Nairobi und war zuvor Redaktionsleiter und Moderator des ARD-Politmagazins „Monitor“. Dass ein Journalist in dieser Rolle ein solches Zitat ohne einordnenden Kommentar auf einem öffentlichen Kanal postet, bezeichneten Kritiker als schwerwiegenden Fehler.

Restle reagierte noch am selben Tag mit mehreren Gegenposts. Zunächst erklärte er, er wolle sich das Zitat weder zu eigen machen noch hätte er es selbst so formuliert. Kurz darauf legte er nach: „Daher war es ein Fehler, dieses Zitat so kommentarlos wiederzugeben, weil mir hätte klar sein müssen, dass mir dieses Zitat zugeschrieben wird. Gegen die haltlosen Vorwürfe, ich würde hier Antisemitismus verbreiten, verwahre ich mich dagegen ausdrücklich.“

Der WDR stellte sich hinter seinen Mitarbeiter. Die Pressestelle bestätigte auf Anfrage, Restle habe den Fehler selbst eingeräumt: „Diese Ansicht teilt der WDR.“ Zugleich betonte der Sender: „An der persönlichen Integrität von Georg Restle besteht für den WDR keinerlei Zweifel.“ Und weiter: „Ihn als Person aufgrund dieses Posts in die Nähe des Antisemitismus zu rücken, ist aus Sicht des WDR keinesfalls gerechtfertigt.“ Auf Schotlands Beschwerdebrief will der WDR in der kommenden Woche antworten. Außerdem kündigte der Sender an, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erneut dafür zu sensibilisieren, „auch auf ihren privaten Social-Media-Accounts stets mit der nötigen journalistischen Sorgfalt zu agieren.“ (Quelle: dpa) (cdz)