Elon Musk überrascht mit Geständnis über Trump-Zeit: „Habe mich hinreißen lassen“
Stand: 25.07.2026, 18:07 Uhr
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Elon Musk blickt zurück auf seine Zeit im Weißen Haus. Der Milliardär räumt Fehler ein, verteidigt aber die Kürzungen. Kritiker widersprechen scharf.
Washington D.C. – Wenige Menschen haben die US-Politik in Trumps zweiter Amtszeit so geprägt wie Elon Musk, und noch weniger haben so viel öffentliche Kritik auf sich gezogen. Als selbst ernannter Effizienzwächter der Trump-Regierung griff der Unternehmer tief in den Staatsapparat ein, kürzte Programme und strich Stellen. Monatelang verteidigte er diesen Kurs kompromisslos. Jetzt, gut ein Jahr nach dem Ende seines Regierungsjobs, klingt das anders.
In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin The Economist gibt der Tesla-, X- und SpaceX-Chef ungewöhnlich offen zu, dass er sich während seiner Zeit im Dienst der US-Regierung übernommen habe. Musk leitete von Januar bis Mai 2025 das sogenannte Department of Government Efficiency, kurz DOGE, und verantwortete damit einen der umstrittensten Umbauprozesse der jüngeren US-Verwaltungsgeschichte. Nun spricht er erstmals von eigenen Fehleinschätzungen, ohne dabei jedoch von seinem grundsätzlichen Kurs abzurücken. „Ich glaube, ich habe mich ein bisschen zu sehr in die Politik hineinziehen lassen. Ich habe mich hinreißen lassen, ehrlich gesagt“, sagte Musk laut in dem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch. Konkrete Details, was genau er bereut, blieb er schuldig. Diese Zurückhaltung wirft die Frage auf, wie ernst die Selbstkritik tatsächlich gemeint ist, denn im selben Atemzug verteidigt Musk die Arbeit von DOGE weiterhin mit Nachdruck.
Musk verteidigt DOGE: Kürzungen bei USAID sorgen weiter für Streit
Besonders die Zerschlagung der US-Behörde für internationale Entwicklung USAID bleibt ein Streitpunkt, den Musk einst mit dem Versprechen kommentierte, die Institution durch einen „Holzhäcksler“ zu schicken. Im Interview bezeichnete er USAID nun als „politische Organisation“ und als „größten Finanzierer von Regimewechseln“. Auf die Frage nach möglichen Folgen der Kürzungen reagierte er gelassen und lächelnd, und behauptete wiederholt, es seien „null“ Menschen durch die DOGE-Einschnitte gestorben.

Diese Einschätzung deckt sich nicht mit vorliegenden wissenschaftlichen Analysen. Eine aktuelle Untersuchung des Fachjournals The Lancet kommt zu dem Schluss, dass USAID-Hilfsprogramme über zwei Jahrzehnte hinweg schätzungsweise 92 Millionen Menschenleben gerettet haben. Gesundheitsforscher gehen zudem davon aus, dass durch den abrupten Förderstopp potenziell Hunderttausende Menschen, überwiegend Kinder, an eigentlich vermeidbaren Infektionskrankheiten und Mangelernährung gestorben sind, wie unter anderem The Independent berichtet.
Musk selbst weist derartige Vorwürfe entschieden zurück. „Wenn die Finanzierung einer betrügerischen Organisation eingestellt wird, glauben Sie dann, dass sie sagen werden, bitte finanzieren Sie den Betrug weiter, oder glauben Sie, dass sie sich eine traurige Geschichte ausdenken werden, die mitfühlend klingt, um die Förderung wiederherzustellen? Offensichtlich wird es Letzteres sein, und genau das haben sie getan“, sagte er. Andere Geldgeber wie die Gates Foundation oder die Organisation Yield Giving von MacKenzie Scott seien seiner Ansicht nach „gleichermaßen verantwortlich“ für die Folgen der Kürzungen, weil sie die entstandenen Finanzierungslücken nicht geschlossen hätten.
Musks Kettensäge DOGE: Über 270.000 Stellen im öffentlichen Dienst betroffen
Wie tiefgreifend der von Musk geleitete Umbau war, zeigen die Zahlen zur Belegschaft im öffentlichen Dienst der USA. Mehr als 272.000 Beschäftigte des Bundes verließen im Zuge der DOGE-Reformen ihre Stellen, knapp 140.000 davon über ein Programm zur aufgeschobenen Kündigung. Neben dem Personalabbau strich DOGE auch zahlreiche Fördermittel für Gesundheitsforschung, Kunstprojekte und andere Programme, häufig auf Grundlage eigener, wenig fundierter Einschätzungen darüber, ob ein Vorhaben als „DEI“-Maßnahme (Diversity, Equality, Inclusion) einzustufen sei. Auch die Sozialversicherungsbehörde und weitere zentrale Dienste der Verwaltung wurden dabei ausgedünnt. DOGE selbst stellte seine Arbeit am 4. Juli, dem zuvor festgelegten „Selbstlöschungsdatum“, nach anderthalb chaotischen Jahren und einer Flut von Klagen ein, die der Behörde politisch motiviertes und verfassungswidriges Vorgehen vorwarfen.
Trotz dieser Bilanz zeigt sich Musk nicht willens, seine Rolle als politischer Provokateur aufzugeben. Im Interview stellte er sich erneut hinter rechte Parteien in Europa und beschrieb deren Anhänger als missverstandene „normale Menschen“, die sich lediglich sichere Städte, geschützte Grenzen und einen vernünftigen Umgang mit Steuergeldern wünschten. Auf die Frage, ob er antimuslimisch eingestellt sei, antwortete er ausweichend, er sei „gegen Vergewaltigung und Mord“. Weiter sagte er, er sei „gegen die Durchsetzung von Regeln und Gesetzen, die dem widersprechen, was wir im Westen für selbstverständlich halten“ und warf traditionellen Medien vor, dies nicht anerkennen zu wollen.
Der Nicht-Trillionär: SpaceX-Aktie verliert deutlich an Wert
Dass Musk dieser Tage trotz seines Ausscheidens aus dem Politischen dennoch schwer beschäftigt sein dürfte, dürfte nicht überraschen. Erst vor wenigen Wochen feierte SpaceX seinen lange erwarteten Börsengang, mit dem das Raumfahrtunternehmen frisches Kapital für seine ambitionierten Projekte einsammeln wollte. Der Start an der Börse weckte hohe Erwartungen, doch die Euphorie der ersten Handelstage ist inzwischen deutlich abgekühlt. Die Aktie notiert aktuell bei knapp 114 US-Dollar und liegt damit bereits mehr als 26 Prozent unter ihrem Stand vom Vormonat. Anleger dürften genau beobachten, ob Musks politisches Engagement und die anhaltende öffentliche Kritik an seiner Amtszeit im Regierungsapparat auch das Vertrauen in seine Unternehmen weiter belasten.
Am Ende bleibt ein zwiespältiges Bild. Musk räumt zwar erstmals eigene Übertreibungen ein, hält aber an seiner grundsätzlichen Sicht auf Verschwendung, Bürokratie und globale Hilfsprogramme fest. Für viele Betroffene der Kürzungen kommt dieses Eingeständnis reichlich spät, und ob es an der politischen Praxis künftig etwas ändert, bleibt zu hinterfragen. (Quellen: The Economist, The Independent, The Lancet) (ls)