Emotionen, Taktik, Pause Matchentscheidend? Die Macht der Timeouts im Sport
Verschnaufen? Die Taktik ändern? Oder den Gegner stören? Timeouts im Sport können entscheidend sein. Eine Annäherung.
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Timeouts im Sport können ein Spiel entscheiden. Zum Beispiel im Handball, Basketball oder Eishockey. Warum ein Trainer oder eine Trainerin ein Timeout nimmt, kann unterschiedliche Gründe haben: Man gibt eine neue Taktik vor, der Lauf des Gegners soll unterbrochen werden, das Team braucht neue Motivation, die Emotionen müssen beruhigt werden oder die Spieler brauchen eine Verschnaufpause.
Doch was braucht es für ein erfolgreiches Timeout? Wann kann es kontraproduktiv sein? Gibt es No-Gos?
Das richtige Timing
In der EM-Quali empfing die Schweizer Handball-Nati letztes Jahr das klar favorisierte Deutschland. Die Schweizer lagen lange in Führung und verspielten drei Sekunden vor Schluss den Sieg. Trainer Andy Schmid sagte nach dem Spiel: «Ich bin pissig auf mich selbst. Ich hätte das Timeout früher nehmen sollen.»
Der Zeitpunkt eines Timeouts spiele eine grosse Rolle, sagt Sportpsychologe Philipp Müller: «Gerade im Handball muss man als Trainer richtig reagieren, weil es ein schnelles Hin und Her ist.» Für Andy Schmid war es in diesem Fall der falsche Moment.
Sportarten mit Timeout – eine Auswahl
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Bild 1 von 7. Im Handball hat ein Team pro Spiel drei Team-Timeouts zur Verfügung. Diese dauern jeweils eine Minute. Im Bild: Die Schweizer Nationalmannschaft der Männer mit Trainer Andy Schmid.
Bildquelle: imago/Eibner.
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Bild 2 von 7. Ein Eishockey-Trainer kann pro Spiel ein Timeout nehmen, das 30 Sekunden dauert. Dies darf nur während einer offiziellen Spielunterbrechung passieren. Im Bild: Der HC Ambri-Piotta mit Trainer Jussi Tapola.
Bildquelle: Keystone/Marcel Bieri.
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Bild 3 von 7. Eine Schwemme Timeouts kann es im Basketball geben: Jedem Team stehen in der regulären Spielzeit fünf Auszeiten zur Verfügung. Im Bild: Das Schweizer Frauennationalteam mit Trainer François Gomez.
Bildquelle: Keystone/Alessandro Della Valle.
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Bild 4 von 7. Pro Satz stehen jedem Volleyball-Team zwei Timeouts à 30 Sekunden zur Verfügung. Im Bild: Das Schweizer Nationalteam der Frauen mit Trainerin Lauren Bertolacci.
Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.
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Bild 5 von 7. Auch im Wasserball haben die Teams Anspruch auf Timeouts: zwei pro Spiel à 60 Sekunden. Im Bild: Das US-Nationalteam der Frauen mit Trainer Adam Krikorian.
Bildquelle: Keystone/EPA/AAP/Steven Markham.
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Bild 6 von 7. In Einzelsportarten wie Tennis sind oftmals sogenannte Medical Timeouts möglich. Das heisst: Spielerinnen und Spieler können sich behandeln lassen, wenn sie ein Leiden haben. Im Bild: Novak Djokovic an den French Open.
Bildquelle: Keystone/EPA/Yoan Valat.
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Bild 7 von 7. Auch Fechterinnen und Fechter haben ein Anrecht auf Medical Timeouts. Im Bild: Max Heinzer.
Bildquelle: Keystone/Marcel Bieri.
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Noch bitterer erging es Alfred Gislason an der EM Anfang Jahr. Der Trainer der deutschen Handball-Nati drückte gegen Serbien just in jenem Moment den Timeout-Buzzer, als einer seiner Spieler ein Tor erzielte. Das Tor zählte nicht, am Schluss verlor Deutschland.
Die richtigen Worte
Bleiben wir beim Handball. Ein Bundesliga-Trainer faltete letzten Herbst seine Spieler derart zusammen, dass eine Wiedergabe der Wortwahl gegen moralische Richtlinien verstossen würde. Für den Sportpsychologen Philipp Müller ein No-Go, weil auch die Körpersprache und die Emotionen eine wichtige Rolle spielen: «Wenn man die Hände verwirft, grimmig schaut und die Spieler anbrüllt, hat es eher einen negativen Effekt.»
Timeout kann man lernen
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Sportpsychologe Philipp Müller arbeitet in Winterthur. In seiner Arbeit berät der 40-Jährige auch Hobby- und Profisportlerinnen und -sportler. Auch Olympia-Teilnehmer und Coaches legen sich bei ihm auf die Couch.
Timeout könne man lernen, sagt Müller: «Optimal wäre, wenn man zuerst eine Einleitung macht. Also die Sportler nicht direkt mit Informationen überhäufen, sondern Zeit zum Durchatmen geben.»
Kommunikation als Schlüssel
Man müsse sich vorstellen: Der Trainer hat einen Puls von 100, die Spielerinnen oder Spieler von 180. Nach dem Durchschnaufen könne man «15 Sekunden lang prägnant Inputs geben und zum Schluss die entsprechenden Massnahmen, wie man das umsetzen will.»
Kommunikation sei das A und O. Es gehe darum, was man sage, wie man es sage und wann man etwas sage.
Richtig eingesetzt bringe es das Timeout aber durchaus, sagt Müller: «Das Timeout ist ziemlich gut erforscht. Wir wissen: Es ist besonders förderlich, wenn man leicht im Rückstand liegt.» Es gehe darum, sich zu sammeln. Was wohl ohne Geschrei besser funktioniert.
Die richtigen Impulse
Ohne Geschrei funktioniert auch Fussballnationaltrainer Murat Yakin. Sein ruhiges und entspanntes Gemüt kam ihm an der Fussball-WM zugute, beispielsweise während einer der umstrittenen und viel diskutierten «Hydration Breaks». Die vorgeschriebenen Drei-Minuten-Pausen pro Halbzeit waren ein Timeout der besonderen Art, das Yakin zu nutzen wusste.
Murat Yakin bewies gegen Bosnien-Herzegowina ein goldenes Händchen. So konnte er nach dem 4:1-Sieg mit den Fans feiern.
Keystone / Peter Klaunzer
Lange Zeit lief es der Nati im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina nicht so richtig. Doch während der Trinkpause der zweiten Halbzeit wechselte Yakin Manzambi und Vargas ein. «Ich hätte schon früher wechseln können. Aber wir warteten damit extra, damit Bosnien nicht mehr darauf reagieren konnte», sagte Yakin danach. Konnte Bosnien nicht.
Erfolgreich sei ein Timeout dann, wenn die taktischen Inputs ankommen und die Spieler dies eins zu eins umsetzen können, sagt Sportpsychologe Philipp Müller. «Können Trainer eine Negativspirale durchbrechen, neuen Wind geben, ein neues Mindset, einen neuen Fokus und neue Gedanken setzen oder neue Emotionen wecken – dann ist es erfolgreich.»
So wie Murat Yakin während der entscheidenden «Hydration Break» im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina. Die beiden Joker Manzambi und Vargas entschieden das Spiel. Am Ende stand ein 4:1 für die Schweiz.
Weil: Timeouts im Sport können ein Spiel entscheiden.
Regionaljournal Ostschweiz, 29.7.2026, 17:30 Uhr ; ledn;ante;wyss