Er wollte Darwin widerlegen: Michael Cremo ist mit 78 Jahren gestorben
Stand: 27.10.2026, 13:17 Uhr
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Michael Cremo wollte Darwin widerlegen und argumentierte, Menschen existierten schon seit Millionen Jahren auf der Erde. Nun ist er gestorben. Was ihn antrieb.
Los Angeles – Michael Cremo, der im Alter von 78 Jahren gestorben ist, bezeichnete sich selbst als „vedischen Kreationisten“ und „alternativen Archäologen“. Er widmete sein Leben dem Versuch, die weithin anerkannte Darstellung der darwinschen Evolution zu widerlegen. Auf der Grundlage äußerst fragwürdiger Belege behauptete er, dass Menschen sich nicht aus anderen Arten entwickelt hätten, sondern seit Millionen von Jahren auf der Erde lebten.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.
Seine Theorien, darauf bestand Cremo, seien nicht die Tiraden eines religiösen Eiferers, der mit der modernen Wissenschaft im Widerstreit stehe, sondern verdienten einen Platz in der intellektuellen Debatte. Zwar entsprang sein Glaube an Zivilisationen der fernen Vergangenheit seiner Lektüre alter Sanskritschriften, doch wollte er seine Vorstellungen mit wissenschaftlichen Belegen untermauern. Der beste davon war ein Mörser samt Stößel, der in einem versteinerten Flussbett gefunden worden war, das angeblich 30 Millionen Jahre alt war.

In der Hare-Krishna-Bewegung als Drutakarma Dasa bekannt, galt Cremo manchen als erfrischend unabhängiger Denker und Wahrheitssucher. Andere sahen in ihm einen der gefährlichsten Männer der Archäologie, dessen pseudowissenschaftliche Ideen denen des britischen Verschwörungstheoretikers David Icke gleichkamen. In „Forbidden Archaeology: The Hidden History of the Human Race“ (1993, mit Richard Thompson) katalogisierte er Knochen und Artefakte, die seiner Behauptung nach bewiesen, dass Menschen wie wir vor Millionen von Jahren existierten. Fachleute warfen ihm vor, sich auf schlecht dokumentierte archäologische Funde aus dem 19. Jahrhundert zu stützen. „Das sind überhaupt keine Belege“, erklärte ein biologischer Anthropologe, der sein Buch rezensierte.
Widerspruch aus der Wissenschaft, Zustimmung von Kreationisten
Bestürzt über diese kühle Aufnahme bezeichnete Cremo die etablierte Wissenschaftsgemeinschaft als „darwinistische Fundamentalisten“. Gemeinsamkeiten fand er hingegen mit christlichen Kreationisten, die ihm darin zustimmten, dass Menschen einst gleichzeitig mit urzeitlichen Primaten gelebt hätten, statt sich aus ihnen zu entwickeln. „Es gibt Belege dafür, dass Menschen wie wir in ferner Vergangenheit existierten, und das bedeutet, dass wir eine neue Erklärung für den Ursprung des Menschen brauchen“, sagte er dem Watford Observer, dem einzigen etablierten britischen Medium, das über seine Arbeit berichtete.
„Und vielleicht ist es an der Zeit, zur traditionelleren Erklärung für uns Menschen zurückzukehren: dass wir von Gott erschaffen wurden und nicht von Menschenaffen oder anderen Affen abstammen.“ Michael Anthony Cremo „kam aus dem Schoß meiner Mutter hervor“, und zwar am 15. Juli 1948 in Schenectady im US-Bundesstaat New York. Er beschrieb seine Geburt als „wahrscheinlich eine von Millionen, die ich erlebt habe, seit ich meine wahre Heimat in der spirituellen Welt verlassen habe“.
Er war der Sohn von Salvatore Cremo, einem Offizier des US-Militärgeheimdienstes, und dessen Frau Nora. Er wuchs in Deutschland auf und erkundete in den Ferien Europa. 1965 lernte er in einer Stockholmer Jugendherberge Studenten kennen, die, von östlicher Philosophie erleuchtet, auf dem Landweg nach Indien gereist waren. Er tat es ihnen gleich. Während seines Studiums an der George Washington University in Washington, D.C., tauchte er in die Gegenkulturbewegung ein.
Nach seinem Dienst in der US-Marine kehrte er auf einer Reise der Selbstfindung nach Europa zurück. Er fuhr mit dem Schiff von Haifa nach Istanbul, wo ihn die Anziehungskraft des Ostens erneut in Richtung Indien aufbrechen ließ. In Teheran verließ ihn der Mut. Bei einem Konzert von Grateful Dead überreichten ihm einige Hare-Krishna-Anhänger ein Exemplar der Bhagavad Gita, der hinduistischen heiligen Schrift. Er studierte sie eingehend und widmete sein Leben dem Gott Krishna.
Ein Leben für Krishna und gegen Darwins Evolutionstheorie
1974 wurde er in die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein aufgenommen. Als „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ am Bhaktivedanta Institute in Kalifornien reiste er um die Welt, um seine unorthodoxen Ansichten über die Entstehung der Arten zu verbreiten. Cremo sprach mit leiser Stimme und strahlte Ruhe sowie einen besonnenen Intellekt aus. Mit einigen Archäologen, die der etablierten Wissenschaft angehörten, pflegte er Freundschaften.
In „Human Devolution: A Vedic Alternative to Darwin’s Theory“ (2003) rückte er ein wenig von seiner Position ab: Menschen hätten sich nicht aus Materie oder Affen höherentwickelt, sondern sich aus einem Zustand spirituellen Bewusstseins herabentwickelt. Er blieb jedoch eine Randfigur der wissenschaftlichen Debatte, ein Scharlatan, der Erwähnungen seiner Arbeit in Fachzeitschriften als Anerkennung eines stichhaltigen Beitrags anpries. Michael Cremo, geboren am 15. Juli 1948, gestorben am 14. Oktober 2026.