Erdbeben erschüttert wieder die Türkei: Nachbeben erwartet – Vorbote einer weiteren Katastrophe?

Stand: 24.09.2026, 19:34 Uhr

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Erneut trifft ein Erdbeben in der Türkei die Provinz Şanlıurfa – eine Region, die bis heute mit der Katastrophe von 2023 zu kämpfen hat. Forscher erwarten schon bald eine weitere Katastrophe.

Şanlıurfa – Ein Erdbeben der Stärke 5,4 hat am Donnerstag den Südosten der Türkei erschüttert. Nach Angaben der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD (Afet ve Acil Durum Yönetimi Başkanlığı) ereignete sich das Beben um 10.40 Uhr Ortszeit (7.40 Uhr UTC) im Bezirk Karaköprü der Provinz Şanlıurfa. Das Hypozentrum lag laut AFAD in rund 7,4 Kilometern Tiefe. Das Europäische Mittelmeer-Seismologische Zentrum (EMSC) bezifferte die Stärke etwas niedriger auf 5,1 und gab die Tiefe mit 10 Kilometern an; das Istanbuler Kandilli-Observatorium wiederum maß 5,8.

Ein eingestürztes Haus nach dem Erdbeben in der Türkei im Jahr 2023. (Archivbild)

Ein eingestürztes Haus nach dem Erdbeben in der Türkei im Jahr 2023. (Archivbild) © IMAGO/Yunus Dalgic

Die Erschütterungen waren laut AFAD in den Provinzen Şanlıurfa, Adıyaman, Malatya, Diyarbakır und Gaziantep zu spüren, weitere Berichte nennen auch Mardin, Siirt, Şırnak und Batman als betroffene Regionen. In mehreren Städten verließen Anwohner aus Angst vor Nachbeben ihre Wohnungen und Arbeitsplätze und versammelten sich auf Straßen und in Parks. Bei einem Großteil der Bevölkerung werden schlimme Erinnerungen wach. Noch immer kämpft die Region mit den Folgen des Erdbebens von 2023.

Erdbeben in Şanlıurfa: Die wichtigsten Daten im Überblick

AFAD teilte unmittelbar nach dem Beben über den Kurznachrichtendienst X mit: „Nach dem Beben der Stärke 5,4, das um 10.40 Uhr im Bezirk Karaköprü unserer Provinz Şanlıurfa auftrat und in den Provinzen Şanlıurfa, Adıyaman, Malatya, Diyarbakır und Gaziantep zu spüren war, liegt derzeit keine gefährdende Situation mehr vor. Die Geländeuntersuchungen dauern an.“

Der Gouverneur der Provinz Şanlıurfa, Hasan Şıldak, bestätigte: „Es gibt derzeit keine Todesopfer oder Zerstörungen“, warnte aber zugleich, dass mit Nachbeben zu rechnen sei. Verletzte wurden bislang nicht gemeldet. Als Vorsichtsmaßnahme wurden Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten in der gesamten Provinz Şanlıurfa für den Tag geschlossen, wie das Gouverneursamt mitteilte.

  • Magnitude: 5,1 (Mw)
  • Datum und Uhrzeit: 24. September 2026, 10.40 Uhr Ortszeit (07.40 Uhr UTC)#
  • Region: Ostanatolien, Türkei
  • Herdtiefe: 10 Kilometer
  • Entfernung zur nächsten Großstadt: ca. 80 km nordöstlich von Gaziantep

Anderes Störungssystem als beim Beben von 2023 – Vorbote einer weiteren Katastrophe?

Der Geologe Prof. Dr. Okan Tüysüz wies gegenüber dem türkischen Sender NTV darauf hin, dass sich das aktuelle Beben auf einer anderen Verwerfung ereignete als jener, die das verheerende Erdbeben vom 6. Februar 2023 verursachte. Im Fokus stehe die sogenannte Bozova-Verwerfung. „Die Bozova-Verwerfung ist mindestens 60 bis 70 Kilometer lang, aktiv und hat in der Vergangenheit bereits Erdbeben verursacht.“

Als Ganzes betrachtet handelt es sich laut dem Forscher um ein noch längeres Störungssystem, das sich über mehr als 100 Kilometer erstreckt: „Ein solches System kann natürlich ein großes Erdbeben erzeugen – das bedeutet aber nicht, dass dies heute oder morgen geschieht“, erklärte Tüysüz. Dennoch rechnet er mit Nachbeben bis zur Stärke 4,5 und erklärt: „Ich möchte betonen, dass diese Verwerfung das Potenzial hat, ein Beben der Stärke 7 zu erzeugen.“

Die Provinz Şanlıurfa gehörte zu den elf türkischen Provinzen, die von den verheerenden Erdbeben am 6. Februar 2023 besonders schwer getroffen wurden. Bei jener Katastrophe, die in der gesamten Region Zehntausende Todesopfer forderte und Hunderttausende Gebäude in Südtürkei und Nordsyrien zerstörte oder beschädigte, kamen laut dem damaligen Gouverneur der Provinz allein in Şanlıurfa 179 Menschen ums Leben, 20 Gebäude stürzten ein.

Hohe Erdbebengefahr in der Region

Die Türkei liegt in einer tektonisch besonders aktiven Zone, in der sich mehrere große Verwerfungssysteme kreuzen – darunter die Nordanatolische und die Ostanatolische Verwerfung sowie zahlreiche kleinere Störungszonen wie die nun genannte Bozova-Verwerfung im Südosten des Landes.

Das Auswärtige Amt verweist in seinem Merkblatt zur Krisenvorsorge auf die anhaltend hohe seismische Gefährdung des Landes; wissenschaftliche Einrichtungen wie das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ warnen seit Jahren vor der Möglichkeit weiterer schwerer Beben entlang der türkischen Verwerfungssysteme. Nach Angaben von AFAD dauern die Vor-Ort-Untersuchungen in Şanlıurfa weiter an; die Behörde will im Tagesverlauf weitere Informationen zu möglichen Schäden veröffentlichen.

Seismische Lücke vor Istanbul: Warum Forscher ein Jahrhundertbeben befürchten

Wissenschaftler warnen seit Jahren eindringlich vor einem drohenden Großbeben in der Türkei, das weit verheerendere Ausmaße annehmen könnte als die bisherigen Erschütterungen. Besonders im Fokus steht dabei auch die Region um Istanbul: Das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam geht davon aus, dass sich unter dem Marmarameer, direkt südlich der 16-Millionen-Metropole, ein Abschnitt der Nordanatolischen Verwerfung befindet, der seit dem letzten schweren Beben von 1766 vollständig „verhakt“ ist und dort seit Jahrzehnten ungebremst tektonische Spannung aufbaut.

Nach Einschätzung führender Forscher – etwa Prof. Marco Bohnhoff (GFZ) und seines Teams – ist in den kommenden Jahren mit einem Erdbeben der Magnitude 7 oder höher in dieser sogenannten „seismischen Lücke“ zu rechnen; einzelne Studien halten sogar Werte von bis zu 7,4 für möglich. Erst vor wenigen Wochen kam eine Erdbeben-Serie Istanbul gefährlich nah. Quellen: deprem.afad.gov.tr, gfz.de, ntv.com.tr, auswaertiges-amt.de, cnnturk.com (bk)