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Folge 286
Zu den wenigen Dingen, die ich ordnungsgemäß erlernt habe, zählt das Schlagzeugspiel. Ich war vierzehn, als mich meine Eltern 1984 zum Unterricht an der Musikschule Bergisch Gladbach anmeldeten. Mein Lehrer Herr Dingsbums war ein klassischer Tanzband-Trommler und brachte mir nach monatelangen quälenden Exerzitien an der Snare Drum die üblichen Samba-, Bossa-nova- und Rockpop-Rhythmen bei.
Manchmal ging es mit ihm durch und er verbrachte die gesamte Stunde damit, mit schmerzverzerrtem Gesicht zu solieren. Mir war währenddessen die Rolle des stummen Bewunderers zugewiesen. Seither sind mir Schlagzeugsoli ein rechter Graus.
Gelegentlich überkam Herrn Dingsbums während der Stunde der Hunger, dann schickte er mich mit einem 5-Mark-Stück los, um ihm am nahe gelegenen Kiosk einen Cheeseburger aus dem Heiße-Hexe-Automaten zu besorgen. Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
Vom Musikschulunterricht zur ersten Rockband
Um 1988 wurde an der Musikschule das Projekt „Rockband“ ins Leben gerufen, für das ich als Schlagzeuger ausgewählt wurde. Aus den anderen Unterrichtskursen kamen ein Gitarrist und ein Bassist dazu. Irgendjemand von uns sang auch, ich erinnere mich nicht genau, wer, ich war es jedenfalls nicht.
Beaufsichtigt wurde das Projekt von meinem Schlagzeuglehrer und einem Kollegen aus dem Bereich Gitarre. Unter der Ägide der beiden Lehrer spielten wir immer wieder drei Stücke. Zunächst „Samba Pa Ti“ von Santana, das mich im vorderen Teil unter- und im hinteren überforderte, unseren Gitarristen aber verlässlich glänzen ließ.
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Das zweite Lied, das wir in unser schmales Repertoire aufnahmen, war „So Lonely“ von The Police, das sich wegen des Double-Time-Refrains als recht dankbar erwies. Der dritte und letzte Song, den wir uns aneigneten, war ein aktueller Hit: „Rough Boy“ von ZZ Top.
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Unser einziger Auftritt fand im Rahmen eines Sommerfests der Musikschule statt, einer Veranstaltung, die allenfalls auf elterliches Interesse stieß. Wir spielten die drei Stücke einigermaßen zwischenfallfrei runter, von allzu grellem Bühnengebaren sahen wir dabei ab – wir waren definitiv keine Rough Boys. Nach dem Auftritt verlor das Projekt an Momentum: Das betreute Proben dünkte uns nicht mehr cool genug, stattdessen zogen wir es vor, jeweils unsere ersten echten Bands zu gründen.
Ohne Bart unter Männern mit Bärten
Mir fiel das alles heute wieder ein, weil ich im Radio vom Ableben des ZZ-Top-Schlagzeugers Frank Beard hörte. Ein diskreter Mann, über den Witzbolde durchaus zutreffend gern bemerkten, dass er zwar mit Nachnamen Bart hieß, aber in einer Band, die nicht zuletzt für wallende Gesichtsbehaarung bekannt war, der Einzige ohne (nennenswerten) Bart war.
Unter Musikern rühmte man ihn für seinen stoischen Shuffle-Rhythmus, der sich etwa auf den Signature-Songs „Tush“ und „La Grange“ vernehmen lässt. „Rough Boy“ ist freilich eine andere Liga: eine synthiegesättigte Neonpfützen-Ballade, die in jedem Moment klingt, als müsste Horst Schimanski dazu mit blauem Auge aus der Billardhalle geflogen kommen.
Auch das Video zu dem Stück eignet sich dazu, jungen Menschen im Gesellschaftskundeunterricht Schrecken und Nöte der 80er-Jahre zu erklären: Wir erleben hier ZZ Top als Androiden. Blade Runner mit Bart. „I don’t care how you look at me/ Because I’m the one and you will see“, heißt es im Songtext.
Bassist Dusty Hill liebte das Stück so sehr, dass er es 2002 zu seinem Hochzeitssong erkor. Frank Beard wiederum ist auf dem Track so gut wie gar nicht zu hören – den Part, den nachzuklopfen ich die Ehre hatte, spielt ein Drumcomputer. Trotzdem: ein Stück Weltkulturerbe. Die Heiße Hexe unter den Powerballaden.