Zwei Tote in USA
Eine Welle an Durchfallerkrankungen beschäftigt die Gesundheitsbehörden in den USA. Seit Anfang Mai wurden in den Vereinigten Staaten Tausende Fälle der Darmerkrankung Cyclosporiasis gemeldet, am Montag ist bekanntgeworden, dass im Bundesstaat Michigan zwei Menschen an den Folgen der Infektion gestorben sind. Fachleute bezeichnen die Todesfälle im Zusammenhang mit der Infektion als „untypisch“, Behörden vermuten hinter dem Ausbruch verunreinigten Eisbergsalat eines Großhändlers.
Online seit gestern, 20.55 Uhr
Es handelt sich um die ersten Todesfälle im Zusammenhang mit dem großflächigen Cyclosporiasis-Ausbruch, wie eine Sprecherin der US-Gesundheitsbehörde CDC gegenüber der „New York Times“ („NYT“) erklärte. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Michigan litten beide Verstorbene an erheblichen Vorerkrankungen, die durch die Cyclosporiasis sowie die damit einhergehende Dehydration verschlimmert worden sein könnte.
Cyclosporiasis ist eine Darminfektion, die durch einen Parasiten verursacht wird, die Hauptsymptome sind wässriger Durchfall mit Bauchkrämpfen und Übelkeit. Der Parasit wird nach Angaben von CDC nicht von Mensch zu Mensch übertragen, sondern über mit Fäkalien verunreinigte Lebensmittel oder Wasser.
Todesfälle durch Cyclosporiasis „untypisch“
John Guzewich, ein ehemaliger Mitarbeiter der US-Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit FDA, erklärte gegenüber der „NYT“, ihm seien keine anderen Fälle bekannt, in denen die CDC Tote im Zusammenhang mit Cyclosporiasis gemeldet habe. „Das ist beispiellos“, so Guzewich.
Auch der Mikrobiologe für Lebensmittelsicherheit, Matthew Moore von der staatlichen Universität von Massachusetts, bezeichnete die Todesfälle gegenüber der „NYT“ als „ungewöhnlich“. Allerdings könne länger anhaltender Durchfall besonders für Risikogruppen wie Säuglinge, ältere Menschen, Schwangere sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden.
Seit Beginn der Aufzeichnungen für Cyclosporiasis in den USA, wurden noch nie so viele Fälle gemeldet wie heuer. Seit Anfang Mai hat die CDC mehr als 6.700 bestätigte Infektionen, Tausende weitere Verdachtsfälle sowie 423 Hospitalisierungen gemeldet.
Salat- und Gemüselieferant als möglicher Ursprung
Die genaue Ursache des weitreichenden Ausbruchs steht noch nicht fest. Mitte Juli vermutete die FDA, dass der Ursprung in klein geschnittenem Eisbergsalat lag, der in mehreren Filialen der Fast-Food-Kette Taco Bell serviert wurde. Bei Cyclosporiasis gelangt der Parasit über verunreinigtes Wasser auf Gemüse, meist bei der Bewässerung. Der von der FDA identifizierte Salat stammte vom mexikanischen Salat- und Gemüselieferanten Taylor Farms de Mexiko.
Taylor Farms ist einer der weltweit größten Verkäufer von Salat und Frischgemüse, in Nordamerika ist er unter anderem bei geschnittenem Salat Marktführer. Experten halten die Abhängigkeit von einzelnen großen Anbietern für problematisch.
„Das System ist auf Geschwindigkeit und Skalierbarkeit ausgelegt“, sagte David Ortega, Professor für Lebensmittelökonomie an der Michigan State University, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Genau diese Effizienz, die es uns ermöglicht, vorgewaschenen, geschnittenen Salat das ganze Jahr über günstig zu kaufen, ist zum Teil dafür verantwortlich, dass ein Kontaminationsfall eine solche Ausbreitung findet.“
Am 17. Juli rief Taylor Farms vorsorglich möglicherweise betroffenen Eisbergsalat aus Zentralmexiko zurück. Das Unternehmen teilte damals mit, dass die FDA einen landwirtschaftlichen Betrieb als mögliche Quelle des Ausbruchs identifiziert habe.
Dieser Betrieb liefere jedoch weniger als ein Prozent des in den USA vertriebenen Eisbergsalats. Die Produktion in Zentralmexiko ruht derzeit und wird von unabhängigen Experten überprüft.
Positives Ergebnis stellt sich als falsch heraus
Nur wenige Tage später nahm die FDA ihre ursprüngliche Einschätzung teilweise zurück. Als Begründung erklärte die Behörde, dass ein Labortest, der einen kontaminierten Eisbergsalat nachgewiesen hatte, fälschlicherweise positiv ausgefallen sei.
Taylor Farms veröffentlichte daraufhin eine Stellungnahme, in der das Unternehmen erklärte, die Behörden hätten sich für den Fehler entschuldigt. Wenig später stellte die FDA jedoch klar, dass das fälschlich positive Ergebnis nichts an den „überwältigenden epidemiologischen Daten“ ändere, die den freiwilligen Rückruf von Taylor Farms stützten.
Nach Angaben der Behörde deutet die Rückverfolgungsuntersuchung weiterhin auf zerkleinerten Eisbergsalat aus den Taylor-Farms-Standorten in Zentralmexiko als wahrscheinliche Quelle des Ausbruchs hin.
Celine Gounder ist Infektiologin, Epidemiologin und medizinische Korrespondentin für CBS News. Gegenüber dem US-Medium erklärte sie, dass fälschlich positive Ergebnisse im Laboralltag durchaus üblich seien. Dass die FDA veröffentlichte Testergebnisse im Nachhinein korrigiere, komme jedoch nur selten vor.
Inkubationszeit von mehreren Wochen
Die Gesundheitsbehörden in Michigan, wo die meisten Fälle gemeldet wurden, äußern sich mittlerweile vorsichtig optimistisch, dass der Ausbruch im Bundesstaat allmählich abklingt. Demnach gingen die Zahlen der Neuinfektionen in den vergangenen Wochen zurück.
Tatsächlich kann es beim Verzehr kontaminierter Lebensmittel allerdings mehrere Wochen dauern, bis Symptome einer Cyclosporiasis-Infektion auftreten. Ältere Fälle, die erst jetzt erfasst werden, können dadurch weiterhin zu einem Anstieg der Fallzahlen beitragen, selbst nachdem die potenzielle Kontaminationsquelle beseitigt ist.