WDR: Was sollten Menschen tun, die das Gefühl haben, ich habe jemanden in der Familie, im Freundeskreis oder im näheren Umfeld, der autistisch sein könnte, diese Diagnose aber noch nicht bekommen hat?
Ulla Graumann: Also erstmal sollte man ihn als Mensch einfach ernst nehmen und sich für dessen Innenwelt interessieren. Gut ist, ernst zu nehmen, wenn Unterstützung gewollt wird und die auch anbieten. Zum Beispiel telefonieren autistische Menschen ausgesprochen ungern, weil es ohne optische Hinweisreize noch schwieriger ist. Wenn jemand sagt, könntest du beim Arzt anrufen, einfach zu sagen, klar mache ich.
WDR: Was für Möglichkeiten gibt es für Diagnostik? An wen wendet man sich, um Hilfe zu bekommen?
Ulla Graumann: Es gibt offizielle Diagnosestellen, häufig angegliedert an Großkrankenhäusern. Was alle eint, ist, dass sie unfassbar lange Wartezeiten haben. Es gibt niedergelassene Ärzte und psychologische Psychotherapeuten, die auch die Diagnose stellen dürfen. Bei den meisten ist es aber so, dass sie das nicht über die Kasse abrechnen wollen oder können.
WDR: Sie haben jetzt noch ein Kaninchen hier liegen. Was genau hat es damit auf sich?
Ulla Graumann: Es ist ein rosa Kaninchen, muss man sagen. Und zwar in einem Raumanzug. Das ist das Sinnbild einer Patientin von mir gewesen, die beschrieben hat, dass das ihr Weltbild ist. Nämlich, dass sie sich nicht wie ein weißes oder braunes Kaninchen fühlt, sondern wie ein rosa Kaninchen. Also eigentlich gehört sie schon nicht zu der Gattung der Kaninchen. Der Raumanzug steht dafür, dass sie sich eigentlich auf dieser Welt nicht heimisch fühlt, sich einsam fühlt und eben unangebunden.
Das Bändchen mit den Sonnenblumen ist das internationale Zeichen für psychische Behinderung. Im englischsprachigen Raum ist es sehr bekannt, dass Menschen, die dieses Band tragen, damit signalisieren, ich könnte Unterstützung brauchen. Zum Beispiel auf Reisen. Ich kaufe diese Bänder im Hunderter-Pack und verteile die dann an autistische Menschen mit dem Ziel, dass es eben auch in Deutschland bekannter wird.
Das Interview wurde geführt von WDR-Reporter Daniel Brocke.