(+) Schockfund im City-Tunnel: Tauben zwischen Kot und Kadavern

Hamburg

„Es war wie ein Schlachtfeld“: Der grausame Taubenfriedhof im Hamburger S-Bahntunnel 

Einige geschwächte Tauben sitzen in ihrem eigenen Kot.
Hamburger Stadttauben e.V.

In einem Hamburger S-Bahntunnel liegen tote Tauben auf zentimeterdickem Kot, direkt daneben brüten lebende Vögel. Tierschützer schlagen Alarm.

Die Bilder aus dem Citytunnel sind kaum zu ertragen: Auf einer dicken Kotschicht brüten Tauben neben den Kadavern von Artgenossen. Diese erschreckende Entdeckung hat der Hamburger Stadttaubenverein kürzlich bei einer Begehung des S-Bahntunnels gemacht. Das zuständige Altonaer Bezirksamt sieht Handlungsbedarf – die S-Bahn schweigt.  

„Sowas habe ich in 20 Jahren noch nie erlebt“, sagt Andrea Scholl, die sich beim Verein „Hamburger Stadttauben“ ehrenamtlich engagiert. Wenn in einem Bahntunnel Arbeiten vorgenommen werden sollen, schaut sie mit den Kollegen zuvor nach Nestern.

Vor rund einer Woche war Scholl im Zugang zu Gleis 4 des City-Tunnel unterwegs und erlebte dort den Schreck ihres Lebens. „Je weiter wir in den Tunnel gingen, desto schlimmer wurde es“, sagt sie. Zur Vergrämung der Tauben hingen Maschendrahtnetze im Tunnel, die aber bereits große Löcher aufwiesen.

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Taubenfriedhof in S-Bahntunnel in Hamburg

„Durch die Löcher sind die Tauben wieder eingezogen und viele auch verendet“, sagt Scholl. So brüteten zwischen Kot und Kadavern schon die nächsten Tiere. „Solche Netze müssen mindestens einmal pro Jahr kontrolliert werden. Die Deutsche Bahn hat es offensichtlich verpasst, die Netze ordentlich zu warten.”

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Zwei Personen arbeiten in einem engen Schacht mit Gitterwand, rauer Betondecke und starkem Licht.
Der Haken an der Decke zeigt, dass hier auch mal ein Maschendrahtnetz hing.
Hamburger Stadttauben e.V.

Einige verletzte Tiere haben die Taubenfreunde direkt eingesammelt, doch für sie kam am Ende jede Hilfe zu spät. „Wir mussten sie erlösen. Die Bilder aus dem Tunnel habe ich heute noch im Kopf, da gehe ich nie wieder hin“, so Scholl.

Bezirk hat Kontakt mit S-Bahn aufgenommen

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Auf Nachfrage sagt ein Sprecher des Bezirksamts Altona, dass grundsätzlich diejenigen, die Vergrämungsmaßnahmen durchführen, darauf zu achten haben, dass das Tierschutzrecht eingehalten wird. „In dem vorliegenden Fall hat das Bezirksamt bereits Kontakt mit der Bahn aufgenommen, damit wieder ordnungsgemäße Zustände hergestellt werden“, so der Sprecher weiter.

Wann die Vergrämungsmaßnahmen erneuert werden und wann die Reinigung erfolgt, obliege der Verantwortung der Deutschen Bahn. „Inwiefern den verbliebenen Tieren geholfen werden kann, wird derzeit geprüft.“ 

Drahtgitter vor einer beschädigten Gebäuderuine mit Trümmern und verkohlten Resten
An vielen Stellen liegen Tauben-Kadaver.
Hamburger Stadttauben e.V.

Taubenhäuser für Hamburg längst versprochen

Die Hamburger S-Bahn möchte auf MOPO-Anfrage zunächst ganz genau wissen, in welchem Abschnitt sich die Tauben befinden, fragt auch nach Fotos. Danach meldet sich niemand mehr.

Der Hamburger Taubenverein sieht die Verantwortung dafür, dass solche Zustände nicht mehr vorkommen, auch beim Bezirk. „Wir brauchen endlich die versprochenen Taubenhäuser in Hamburg“, sagt Scholl.

Die Antwort des Bezirks Altona fällt ganz ähnlich aus wie bereits vor drei Monaten: „Die Ausschreibung für die geplanten Taubenschläge rund um den Altonaer Bahnhof soll zeitnah erfolgen und wird derzeit vorbereitet.”

Die Bilder aus dem Citytunnel sind kaum zu ertragen: Auf einer dicken Kotschicht brüten Tauben neben den Kadavern von Artgenossen. Diese erschreckende Entdeckung hat der Hamburger Stadttaubenverein kürzlich bei einer Begehung des S-Bahntunnels gemacht. Das zuständige Altonaer Bezirksamt sieht Handlungsbedarf – die S-Bahn schweigt.