Publiziert12. August 2026, 21:27
Berlin«Exklusiv für schwarze Community»: Volksbad sorgt für Kritik
Eigentlich soll das temporäre «Volksbad» allen offenstehen. Doch am Freitag ist das Schwimmbecken für sechs Stunden exklusiv für schwarze Menschen reserviert. Die Ankündigung sorgt für Kritik.

Darum gehts
- Das Berliner «Volksbad» vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz reserviert am 14. August einen sechsstündigen Slot exklusiv für schwarze Communitys.
- Die ursprüngliche Ankündigung wurde nach Kritik geändert: Nun heisst es, das Bad sei für den Verein «Each One Teach One» reserviert.
- Die AfD spricht von «Spaltung», auch die «Bild»-Zeitung kritisiert die Aktion.
Freibad und Kunstaktion in einem: Mit dem im August in Berlin eröffneten «Volksbad» sorgte der neue Intendant der Volksbühne, Matthias Lilienthal, für Aufsehen. Das Schwimmbecken vor dem traditionsreichen Theater sei nicht nur eine «Plansche», so Lilienthal, sondern solle auf die verfallende Infrastruktur Berlins aufmerksam machen.
Zugleich sollte das Volksbad ein Schwimmbad für alle sein. Denn nachdem es in den Freibädern der Hauptstadt mehrmals zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen war, führten die Berliner Bäder-Betriebe im Juli 2023 eine ausnahmslose Ausweispflicht für Besucherinnen und Besucher ab 14 Jahren ein. Anders wollte es das Volksbad handhaben. Das 25 Meter lange Schwimmbecken sollte während acht Wochen kostenlos und ohne Ausweispflicht allen offenstehen, die ein Online-Ticket ergattern konnten.
Schon im Vorfeld gab die Aktion zu reden, denn die Volksbühne erhält jährlich 20 Millionen Euro an Subventionen. 300’000 Euro soll der temporäre Pool auf dem Rosa-Luxemburg-Platz gekostet haben. Nun sorgt eine Ankündigung für kommenden Freitag für gemischte Reaktionen.
«Volksbad exklusiv für schwarze Community geöffnet»
Wie die «Welt» berichtet, hiess es in einem Eintrag für den 14. August auf der Website der Volksbühne für die Zeit von 12 bis 18 Uhr zunächst: «In diesem Zeitraum ist das Volksbad exklusiv für schwarze Communitys geöffnet.» Inzwischen wurde die Ankündigung geändert. «Das Volksbad ist heute für Each One Teach One (EOTO) e. V. reserviert», heisst es nun. Die in Berlin ansässige Organisation «Each One Teach One» setzt sich laut eigenen Angaben für die Stärkung und Selbstbestimmung afrodeutscher Bürgerinnen und Bürger ein.
Vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz verboten ist eine solche Aktion nicht. Denn das Gesetz erlaubt «positive Massnahmen», wenn «bestehende Nachteile verhindert oder ausgeglichen werden sollen». In den sozialen Medien wird der Entscheid dennoch kritisiert.
AfD spricht von Spaltung
So äusserte sich etwa die AfD auf der Plattform X: «Das mit Steuergeld geförderte ‹Volksbad› in Berlin schliesst Bürger wegen ihrer Hautfarbe aus. Der steuerfinanzierte Verein EOTO betreibt dort offene Spaltung.» Gar von «Rassentrennung auf Staatskosten» ist in dem Post die Rede. Auch die «Bild»-Zeitung wirft dem Volksbad vor, damit mit dem eigenen Anspruch zu brechen, ein Volksbad für alle zu sein.
Die Volksbühne äusserte sich bislang nicht zum Event. Am Dienstag und Mittwoch blieb das Bad aufgrund defekter Duschen geschlossen. Die Verantwortlichen rechnen jedoch damit, dass das Volksbad bis Freitag wieder geöffnet werden kann.
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Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News
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