Familienwerk richtet neue Kommission ein – Infos über Leistungen und vertrauliche Kontaktaufnahme für Betroffene früherer Gewaltvorfälle

Stand: 13.07.2026, 20:56 Uhr

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Das Kuratorium und der Vorstand des Albert-Schweitzer-Familienwerks und die unabhängige Unterstützungskommission wollen Menschen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, begleiten und unterstützen, hier (von links)  Prof. Dr. Georg Klaus, Brigitte Behn, Rainer Kamphus (alle Kuratorium), Angela Marquardt (Mitglied im Betroffenenrat der Bundesregierung bei der UBSKM), Ingo Fock, Judith Bernhard-Heenen (beide Unterstützungskommission), Sabine Rudnik, Wilfried Lorenz (beide Kuratorium), Martin Kupper (Vorstand), Dorothea Müller (Kuratorium).

Kuratorium und Vorstand des Albert-Schweitzer-Familienwerks und die unabhängige Unterstützungskommission wollen Menschen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, begleiten und unterstützen. Im Bild (von links): Prof. Dr. Georg Klaus, Brigitte Behn, Rainer Kamphus (alle Kuratorium), Angela Marquardt (Mitglied im Betroffenenrat), Ingo Fock, Judith Bernhard-Heenen (beide Unterstützungskommission), Sabine Rudnik, Wilfried Lorenz (beide Kuratorium), Martin Kupper (Vorstand) und Dorothea Müller (Kuratorium). © Albert-Schweitzer-Familienwerk

Uslar – Das Albert-Schweitzer-Familienwerk in Niedersachsen erweitert seine Maßnahmen zur Aufarbeitung früherer Gewaltvorfälle und schafft ein neues Hilfsangebot für Betroffene. Das berichtet das Familienwerk in einer Pressemitteilung. Parallel zur laufenden wissenschaftlichen Aufarbeitung durch das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München hat jetzt eine unabhängige Unterstützungskommission ihre Arbeit aufgenommen, heißt es.

Grund sind demnach Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt, die insbesondere zwischen den 1970er- und 1990er Jahren unter dem Dach des Familienwerks vorgenommen wurden. Nach internen Recherchen des Trägervereins sowie auf Grundlage von Berichten Betroffener wurden auch Vorfälle aus dem Albert-Schweitzer-Therapeutikum Holzminden, dem Kinderdorf Alt Garge und dem Kinderdorf Uslar bekannt, schreibt das Familienwerk.

Das Münchner Institut untersucht die Vorfälle sowie weitere Zeiträume. Die Aufarbeitung soll laut Familienwerk dazu beitragen, die Geschehnisse unabhängig aufzuarbeiten und daraus Erkenntnisse für die Zukunft abzuleiten. „Viele Betroffene tragen die Folgen des erlebten Unrechts bis heute mit sich“, sagt Martin Kupper, Vorstandsvorsitzender des Familienwerks mit Sitz in Uslar. Nach seinen Worten ist die wissenschaftliche Aufarbeitung wichtig, benötigt aber Zeit. Mit der Unterstützungskommission soll laut Kupper Betroffenen „konkrete Hilfe im Hier und Jetzt“ ermöglicht werden.

Betroffene können sich ab sofort über die neue Internetseite der Unterstützungskommission informieren und Kontakt aufnehmen. Die Kontaktaufnahme sei vertraulich und auch anonym möglich. Unabhängige Lotsen stehen als erste Ansprechperson zur Verfügung. Sie informieren über das Verfahren, beantworten Fragen und unterstützen Betroffene bei allen weiteren Schritten.

Unterstützung

Das Angebot richtet sich an volljährige Menschen, die als Kind oder in der Jugend in einer Einrichtung des Albert-Schweitzer-Familienwerks sexualisierte, körperliche oder psychische Gewalt erfahren haben. Ziel sei es laut Familienwerk, individuelle Unterstützungsleistungen zu ermöglichen, die sich an der persönlichen Lebenssituation der Betroffenen orientieren. Dazu können therapeutische Maßnahmen, Bildungsangebote und andere unterstützende Leistungen gehören.

Das Verfahren sei bewusst niedrigschwellig angelegt, heißt es. Betroffene sollen Unterstützung erhalten können, ohne ihre Erfahrungen umfassend belegen zu müssen. Grundlage ist eine Plausibilitätsprüfung der geschilderten Erfahrungen.

Über die Unterstützungsleistungen entscheidet eine unabhängige Kommission, deren Mitglieder nicht dem Familienwerk angehören. Das sind Judith Bernhard-Heenen (Rechtsanwältin, Mediatorin), Angela Marquardt (Mitglied im Betroffenenrat der Bundesregierung) sowie Ingo Fock (Verein gegen Missbrauch/Göttingen).

„Wir wissen, dass wir das erlittene Leid nicht ungeschehen machen können“, sagt Vorstandsvorsitzender Kupper. „Aber wir können Verantwortung übernehmen, zuhören, Anerkennung ausdrücken und dort Unterstützung ermöglichen, wo sie gebraucht wird.“ Die Unterstützungskommission sei ein weiterer wichtiger Schritt „auf unserem Weg der Aufarbeitung“.

Infos zur Unterstützungskommission und Kontaktmöglichkeiten zu den unabhängigen Lotsen (kommission.familienwerk.de); Postweg: Unterstützungskommission: c/o Rechtsanwältin Judith Bernhard-Heenen, Briener Straße 9–13, 47533 Kleve; E-Mail: [email protected]