Fassnacht sagt der Nati Adieu
«Für die Schweiz zu spielen, war für mich komplett surreal»
Mit Christian Fassnacht sagt ein weiterer Spieler der Nati Adieu. Die soziale Kompetenz und Teamfähigkeit des YB-Stürmers wurden mindestens so geschätzt wie seine fussballerischen Qualitäten.
Publiziert: vor 48 Minuten
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Aktualisiert: vor 47 Minuten
Christian FinkbeinerStv. Fussballchef
24 Länderspiele hat Christian Fassnacht (32) für die Nati absolviert (5 Tore). Auf die Frage nach seinem Rücktritt am Montag, welches das spezielleste Trikot sei, das er sich dabei ergattert habe, sagt er mit einem Lachen: «Ich ärgere mich zwar, aber ich war lange zu schüchtern, um zu fragen, weil ich immer gedacht habe: Was will mein Gegenspieler denn mit meinem Trikot?»
Die Episode passt zu «Fasi». Der Zürcher war in den acht Jahren, in denen er zum engeren Kreis der SFV-Auswahl gehörte, ein Rollenspieler, der keine Ansprüche stellte; ein Teamplayer, wie auch Nati-Trainer Murat Yakin explizit betonte. Fassnachts soziale Kompetenz und Teamfähigkeit wurden mindestens so geschätzt wie seine fussballerischen Qualitäten.
Via Umwege in den Profifussball
Dass er überhaupt einmal das Trikot mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust tragen würde, war für den früheren FCZ-Junior lange «komplett surreal». Er war beim FCZ durchgefallen und hatte nie in einer Nachwuchsauswahl gespielt. Via dem Amateurfussball arbeitete Fassnacht sich zu den Profis hoch. «Erst als ich mit YB erstmals Meister wurde und einige Teamkollegen in der Nati spielten, wurde das Ganze für mich zum Thema.»
Andere dieser goldenen Ära des Schweizer Fussballs haben deutlich mehr Spuren als der Super-League-Torschützenkönig der letzten Saison hinterlassen. Doch beim grössten Nati-Sieg der Geschichte, dem Sieg 2021 im Penaltyschiessen im EM-Achtelfinal gegen Frankreich in Bukarest, war auch Fassnacht mittendrin und nicht nur dabei.
Als die Schweiz gegen den damaligen Weltmeister 1:3 in Rückstand lag, wurde er in der 79. Minute eingewechselt und sorgte mit zwei entscheidenden Balleroberungen dafür, dass die Schweiz noch zum 3:3 ausglich. «Es ist schon der Moment, den ich am meisten und am intensivsten in Erinnerung habe», so Fassnacht. «Es war damals der grösste Erfolg seit langer Zeit – und Frankreich war mit Weltstars gespickt.»
Selfie mit Messi
Der YB-Stürmer hätte gerne noch ein paar Nati-Spiele mehr gemacht: «33 ist neben der 16 meine Lieblingszahl.» Aber Fassnacht spürte, dass die Konkurrenz nicht kleiner werden würde, weshalb er einen Schlussstrich zog. «Wenn ich die Garantie gehabt hätte, auch in zwei Jahren an der EM dabei zu sein, wäre ich nicht zurückgetreten.»
Weil er aber stets um sein Standing wusste, war für Fassnacht bereits im Vorfeld der WM klar, dass seine Nati-Karriere mit dem Turnier in Nordamerika enden würde. «Deshalb hatte ich jeweils mit den Emotionen zu kämpfen, als die Nationalhymne lief, weil ich wusste, dass es das letzte Mal sein könnte.» Nach dem 1:3 n.V. im Viertelfinal gegen Argentinien in Kansas City war es dann so weit. Auch da sicherte sich Fassnacht kein Trikot, aber immerhin ein Selfie mit Lionel Messi. «Das ist mehr wert als eines der vielen Replikas.»
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