Knapp 50.000 Menschen in einem Monat: Die neue Dimension der ICE-Festnahmen unter Trump

Fast 50.000 Festnahmen im Juli: So massiv geht die US-Einwanderungsbehörde ICE unter Trump jetzt vor

Stand: 28.08.2026, 07:30 Uhr

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Vor Donald Trumps Rückkehr ins Amt wurden pro Monat in den USA etwa 8.000 Menschen vor einer geplanten Abschiebung festgenommen. Jetzt hat sich die Zahl der Festnahmen durch ICE drastisch erhöht.

Washington – Die US-Behörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) hat im Juli 2026 knapp 50.000 Menschen festgenommen. Das ist der höchste Monatswert seit Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump.

ICE verzeichnete im Juli 49.571 Festnahmen, 15 Prozent mehr als die 43.021 im Juni und ein Plus von 70 Prozent gegenüber 29.241 im Februar, wie Regierungsdaten belegen, die die Nachrichtenagentur Associated Press ausgewertet hat.

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Dieser Artikel von Greta Ruffino entstand in Kooperation mit Euronews

Der starke Anstieg der Festnahmen von Migrantinnen und Migranten fällt in eine Phase, in der die Regierung Trump ihre Agenda der Massenabschiebungen weiter vorantreibt. Sie verlagert den Fokus von spektakulären Einsätzen in großen US-Städten hin zu weniger sichtbaren Einsätzen.

Gleichzeitig setzt die Regierung auf eine stärkere Einbindung regionaler Behörden, um Einwanderungsregeln konsequenter und flächendeckender durchzusetzen.

Überall in den USA machen maskierte ICE-Agenten Jagd auf vermeintliche illegale Einwanderer

Überall in den USA machen maskierte ICE-Agenten Jagd auf vermeintliche illegale Einwanderer (Archivfoto). © IMAGO/Tom Hudson

Damit verschiebt sich der Schwerpunkt der Maßnahmen von öffentlichkeitswirksamen Razzien hin zu einem breiten, alltäglichen Zugriff. Kritikerinnen und Kritiker warnen, dass dadurch der Druck im Alltag für Millionen Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus wächst. Befürworter argumentieren hingegen, dass die Durchsetzung des Einwanderungsrechts dadurch effizienter und umfassender werde.

Festnahmen bei Verkehrskontrollen und Alltagssituationen

Die Zahl der Festnahmen ist in den vergangenen Wochen immer weiter gestiegen. Grund ist auch, dass ICE mehr Personal eingestellt hat und dieses in unterschiedlichen Bereichen einsetzt. Die Behörde nimmt Menschen inzwischen bei Verkehrskontrollen fest und stützt sich zunehmend auf Dienststellen von Polizei und Sheriffs der Bundesstaaten und Kommunen, um Einwanderungsregeln durchzusetzen.

ICE-Beamte greifen inzwischen auch Haitianerinnen und Haitianer auf, die ihren Abschiebeschutz verloren haben. Viele von ihnen lebten seit Jahren in den USA und hatten mit einem langfristigen Schutz gerechnet. Menschenrechtsorganisationen beklagen, dass Rückführungen in das von Krisen geschüttelte Haiti die Betroffenen besonders gefährden.

Die neuen Zahlen zeigen, dass die US-Regierung „die Durchsetzung nicht gestoppt“ habe, sagte Mark Krikorian vom Center for Immigration Studies, das für strengere Einwanderungsbeschränkungen eintritt. „Sie haben ihre Taktik geändert und sind, wenn überhaupt, jetzt sogar wirkungsvoller.“ Kritiker sehen darin einen Hinweis, dass die Politik der Massenabschiebungen eher ausgeweitet als zurückgefahren wird.

US-Bundesstaaten als Schlüsselakteure bei Abschiebungen

Die Zahl der Festnahmen durch Polizei und Sheriffs der Bundesstaaten und Kommunen, die mit ICE kooperieren, ist seit vergangenem Jahr stark gestiegen. Diese Partnerschaften, die ICE mit großzügigen finanziellen Anreizen für teilnehmende Behörden ausgebaut hat, führten im Juli zu 6.500 Festnahmen. Das entsprach rund 13 Prozent aller Fälle, wie aus den Daten hervorgeht.

Ein Jahr zuvor lag ihr Anteil noch bei unter fünf Prozent der monatlichen ICE-Festnahmen, was die Dynamik des Ausbaus deutlich macht. Viele lokale Behörden sehen in der Kooperation zusätzliche Einnahmequellen und politischen Druck aus Washington. Bürgerrechtsgruppen kritisieren dagegen, dass so lokale Polizei zu „verlängerten Armen“ der Einwanderungsbehörden werde.

Allein in Texas und Florida gab es im Juli knapp 20.000 Festnahmen. Das unterstreicht die wachsende Rolle der beiden Bundesstaaten in der Agenda der Massenabschiebungen der Regierung Trump. Beide Bundesstaaten haben ihre Zusammenarbeit mit ICE über sogenannte 287(g)-Abkommen ausgeweitet, die eine tiefe Verzahnung lokaler und bundesweiter Strukturen erlauben.

287(g)-Abkommen stärken Rolle der Bundesstaaten

Diese Vereinbarungen erlauben es Polizei- und Sheriffdienststellen der Bundesstaaten und Kommunen, bestimmte Aufgaben der bundesweiten Einwanderungsbehörden zu übernehmen. Dazu gehören etwa das Abfragen von Aufenthaltsstatus, das Einleiten von Abschiebungsverfahren und die längere Inhaftierung von Personen bis zur Übernahme durch ICE.

Befürworter loben dies als Mittel, um „illegale Einwanderung“ auf lokaler Ebene besser zu kontrollieren. Kritikerinnen und Kritiker befürchten hingegen, dass dadurch Racial Profiling, Willkür und Diskriminierung verstärkt werden. In einigen Regionen wurden bereits Fälle dokumentiert, in denen Menschen allein wegen ihres Aussehens oder Akzents überprüft wurden.

Die Trump-Regierung geht weiter streng gegen Einwanderer vor, wie die Visa-Statistiken zeigen. Dabei wurde mitunter auch gegen Dozierende vorgegangen.

US-Präsident Donald Trump. © dpa/AP photo | Alex Brandon

Gegner der Abkommen warnen außerdem, dass das Vertrauen marginalisierter Gemeinschaften in die Polizei weiter untergraben werde. In der politischen Debatte in Washington werden die 287(g)-Programme inzwischen zu einem Symbol für Trumps harte Linie in der Einwanderungspolitik.

Während Republikanerinnen und Republikaner sie als Erfolgsmodell darstellen, kündigen führende Demokraten an, sie im Falle eines Regierungswechsels zu überprüfen oder abzuschaffen. Für die Betroffenen bedeuten sie vorerst eine zusätzliche Ebene der Unsicherheit im Alltag.

Mehr als die Hälfte der Festgenommenen ohne Vorstrafen

Die Regierung Trump betont immer wieder, ihre Einsätze zur Durchsetzung der Einwanderungsregeln richteten sich gegen Menschen, die in den USA Straftaten begangen haben. Damit wolle sie die öffentliche Sicherheit verbessern und die Belastung für Polizei und Justiz verringern. In Reden und Stellungnahmen werden dabei häufig Beispiele schwerer Delikte hervorgehoben, um das Vorgehen zu rechtfertigen.

Die Daten zeigen jedoch, dass mehr als die Hälfte der im Juli Festgenommenen keine Vorstrafen hatte und nicht wegen eines Delikts angeklagt war. Weniger als ein Viertel war überhaupt je wegen einer Straftat verurteilt worden. Menschenrechtsorganisationen und Anwälte werfen der Regierung daher vor, vor allem auf Abschreckung zu setzen, statt tatsächlich gefährliche Personen zu priorisieren.

In den USA protestieren zahlreiche Menschen gegen Trump und ICE.

In den USA protestieren zahlreiche Menschen gegen Trump und ICE. © RONALDO SCHEMIDT / AFP

Die Hälfte der Festnahmen durch die Einwanderungsbehörde erfolgte nicht in Haftanstalten. ICE-Beamte griffen Menschen direkt in ihrem Umfeld auf, statt hauptsächlich Personen zu übernehmen, die bereits in Gefängnissen oder bei der örtlichen Polizei einsaßen. Dadurch geraten auch Familien, Arbeitsplätze und ganze Gemeinden stärker in den Fokus der Einsätze, was vielerorts Angst und Verunsicherung schürt.

Seit der Rückkehr Trumps ins Amt und dem Beginn seines harten Vorgehens gegen Einwanderung sind mindestens zehn Menschen durch Einwanderungsbeamte ums Leben gekommen. Diese Fälle haben landesweit Proteste ausgelöst und rücken die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und Kontrolle der Einsätze in den Mittelpunkt. Angehörige und Aktivistinnen fordern unabhängige Untersuchungen und eine Neujustierung der Einwanderungspolitik.