Stand: 27.07.2026, 07:27 Uhr
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Im Landkreis Darmstadt-Dieburg schlüpfen wieder kleine Kiebitze. Ein Zaun schützt die Küken vor Fuchs und Waschbär.
Babenhausen/Münster – Auf den Hergershäuser Wiesen zwischen Münster und Hergershausen hat sich der Kiebitz nach einem jahrzehntelangen Rückgang wieder erfolgreich angesiedelt und gebrütet. Wie die Kreisverwaltung mitteilt, ist dies auf das Zusammenwirken der Unteren Naturschutzbehörde, der Landwirtschaft, ehrenamtlicher Naturschützer sowie weiterer Partner zurückzuführen. Der Kiebitz gilt bundesweit als stark gefährdet. Zwischen 1980 und 2016 gingen die Bestände um rund 93 Prozent zurück. Trockene Frühjahre, die Intensivierung der Landwirtschaft, der Verlust geeigneter Lebensräume und wachsender Druck durch Fressfeinde werden als Ursachen genannt.
Zaun schützt Nester vor Räubern
Die Hergershäuser Wiesen zählen inzwischen zu den bedeutendsten Kiebitz-Brutgebieten Hessens. Feuchte Wiesen und Ackerflächen bieten dem Bodenbrüter dort ideale Voraussetzungen für die Aufzucht seiner Jungen.

Auf einer landwirtschaftlichen Fläche in den Hergershäuser Wiesen wurde nach Beginn einer Kiebitzbrut der Brutbereich mit einem mobilen Elektrozaun gesichert. Dies geschah in enger Abstimmung zwischen dem Landwirt, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landschaftspflegeverband Darmstadt-Dieburg.
Der Zaun hielt Füchse, Waschbären und freilaufende Hunde von den Nestern fern. Wirtschaftliche Einbußen des Landwirts wurden über das hessische Agrarumweltprogramm „Halm“ ausgeglichen.
Die tägliche Kontrolle des Elektrozauns sowie die Dokumentation der Jungvögel übernahmen ehrenamtliche Naturschützer des Naturschutzbundes (Nabu) Münster und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Die Untere Naturschutzbehörde koordinierte die Schutzmaßnahmen und begleitete deren Umsetzung fachlich.
Hergershäuser Wiesen
Die Hergershäuser Wiesen sind ein Auengebiet am Unterlauf der Gersprenz in den Gemarkungen von Eppertshausen, Hergershausen, Münster und Altheim mit einer Größe von etwa 400 Hektar. Das gesamte Areal ist Teil der sogenannten Natura 2000-Gebiete Untere Gersprenz und Untere Gersprenzaue und umfasst zusätzlich zwei Naturschutzgebiete. Der Nabu Münster engagiert sich seit Jahrzehnten für den Schutz und die Pflege der wertvollen Flächen und macht das Areal durch einen markierten Rundweg und geführte Wanderungen erlebbar. Zahlreiche Vogelarten, wie Kiebitz, Zwergtaucher, Flussregenpfeifer oder Bekassine brüten hier. Für viele Vogelarten sind diese Wiesen außerdem auf den Zugrouten ein idealer Rast- und Futterplatz. In den flachen Tümpeln leben zahlreiche Amphibienarten. Die Pflanzenwelt der Magerrasen-Sanddüne mit Sand-Strohblume und Silbergras wird auf einer Infotafel anschaulich erläutert. Der Nabu Münster hat einen Beobachtungsstand errichtet, von dem aus Besucher auf die Offenlandschaft und das Teichgebiet schauen können. Ein unverzichtbarer Lebensraum für seltene Arten und ein Highlight für Naturfreunde.
Vize-Landrat Lutz Köhler (CDU) sagte, der Kiebitz sei ein Symbol dafür, dass erfolgreicher Artenschutz nur gemeinsam gelingen könne. „Dass sich der Kiebitz im Landkreis Darmstadt-Dieburg wieder ansiedelt und erfolgreich brütet, ist ein großer Erfolg für den Naturschutz und zeigt, dass unser gemeinsames Engagement Wirkung entfaltet.“
Der Schutz des Kiebitzes ist nach Angaben der Kreisverwaltung Teil eines kontinuierlichen Engagements der Unteren Naturschutzbehörde für den Erhalt bedrohter Tier- und Pflanzenarten im Landkreis. Köhler betonte, engagierter Naturschutz könne Erfolge erzielen und bedrohten Arten eine Zukunft schaffen. (cko)