Meinung: Finance Briefing: Die schleichende Entmachtung des Wefox-CEOs

Liebe Leserin, lieber Leser,

herzlich willkommen zur ersten Ausgabe unter neuem Namen: Ab heute bekommt ihr jeden Mittwoch unser „Finance Briefing“. Im Kern bleiben wir natürlich unseren Essentials aus „Finance Forward“-Zeiten treu. Ihr bekommt weiterhin die wichtigsten News aus der Welt der Fintechs, Banken und Kryptoanbieter – von knallhart bis celebritysoft. Im bewährten Rechercheteam graben wir für euch nach Scoops, analysieren die taktgebenden Trends und ordnen sie ein. Ich würde mich freuen, eure Meinung zur neuen Aufmachung zu hören – entweder via LinkedIn oder per Mail an [email protected] .

Los geht’s! Hier sind unsere Themen der Woche:

  • Topstory: Die schleichende Entmachtung des Wefox-CEOs

  • Interview: Der Geheimplan des Vermögensverwalters Acatis

  • Exklusiv: Drogerieriese dm paktiert mit Wero

Topstory: Wie der Wefox-CEO an die Kette gelegt wird

Malen nach Zahlen: Ex-Allianz-Starmanager Joachim Müller darf nur noch nach strikten Vorgaben bei Wefox regieren

Malen nach Zahlen: Ex-Allianz-Starmanager Joachim Müller darf nur noch nach strikten Vorgaben bei Wefox regieren

Foto:

Moser Werner / AGCS

Die Investoren des krisengeplagten Versicherungs-Start-ups Wefox haben CEO Joachim „Joe“ Müller (54) weitgehend entmachtet, wie meine Kollegen Jonas Rest und Dietmar Palan recherchiert haben. Der ehemalige Allianz-Manager hatte den Chefposten vor knapp zwei Jahren von Interims-CEO Mark Hartigan (63) übernommen, der zuvor für den entmachteten Gründer Julian Teicke (39) eingesprungen war. Offenbar erzielte der Neustart bisher jedoch nicht die erwünschten Effekte: Interne Dokumente zeigen, dass die Wefox-Aktionäre den Vorstandschef anlässlich einer Notfinanzierung im April 2026 an die Kette gelegt haben. Geldgeber wie der britische Investor Chrysalis oder der Wagniskapitalgeber Target Global kontrollieren seither nahezu jede strategische Entscheidung, offenbar aus Sorge um ihr Geld. Wie es wirklich um Wefox bestellt ist, lest ihr mit harten Geschäftszahlen und den Details des neuen Regimes hier. 

Exklusiv: Der geheime Fusionsplan im deutschen Fonds-Adel

Neuaufstellung: Thorsten Schrieber (r.) und Hendrik Leber sind künftig als Doppelspitze gefordert

Neuaufstellung: Thorsten Schrieber (r.) und Hendrik Leber sind künftig als Doppelspitze gefordert

Foto:

Katrin Binner / manager magazin

Mit seinem Vermögensverwalter Acatis gehört Hendrik Leber (69) zu den Altmeistern der deutschen Fonds-Szene. Seit Anfang Juli ist Thorsten Schrieber (60) als sein Nachfolger an Bord – und der kam ausgerechnet vom direkten Konkurrenten DJE Kapital. Meine Kollegen Hannes Breustedt und Christian Schütte trafen die beiden zum Interview. Zu besprechen gab es viel: die neue Arbeitsteilung, Schriebers Abgang bei DJE – und die sehr konkreten, aber öffentlich noch nicht bekannten Pläne für eine Fusion der beiden Vermögensverwalter, mit der sie sich gegen Marktführer Flossbach von Storch verbündet hätten. O-Ton Leber: „Ich mag die Firma DJE, ich mag die Fonds, ich mag Jens Ehrhardt. Das könnte Spaß machen.“ Hier geht es zum Inside-Interview. 

Köpfe: Martina Weimert ++ Martin Dallmeier ++ Sebastian Siemiatkowski ++ Nicolas Neglen ++ David Sandström ++ Wiktor Stopa ++ Patrick Collison ++ Gary Hoffman ++ Karen Peacock

Erst Lidl, jetzt dm: EPI-Chefin Martina Weimert landet mit ihrer Bezahlmethode Wero in den größten Onlineshops des Landes

Erst Lidl, jetzt dm: EPI-Chefin Martina Weimert landet mit ihrer Bezahlmethode Wero in den größten Onlineshops des Landes

Foto: Greta Martensen / OMR

  • Martina Weimert (61), Chefin der European Payment Initiative (EPI), hat nach Lidl jetzt auch einen Deal mit dm geschlossen. Der Drogerieriese will die europäische Bezahlmethode Wero ab dem 25. August in seinem Onlineshop einführen, wie dm-Finanzchef Martin Dallmeier (55) mir vorab erzählt hat. Für den PayPal-Angreifer Wero ist das ein wichtiger Meilenstein. Hier geht es zu den Details.

  • Sebastian Siemiatkowski (44), CEO von Klarna, hat gestern die Zahlen für das zweite Quartal vorgestellt: Mit überraschendem Gewinn, aber gleichzeitig überraschender Absenkung der Prognose, was die Aktie um mehr als 20 Prozent einkrachen ließ. Da ging fast unter, dass CFO Nicolas Neglén und CMO David Sandström nach sechs beziehungsweise neun Jahren zu Anfang 2027 ihre Posten räumen.

  • Wiktor Stopa, Wachstumsbeauftragter der Digitalbank Revolut, möchte in Deutschland endlich aufholen. Nach der Verpflichtung von Weltmeister Mario Götze (34) und der großflächigen Werbe-Tapezierung deutscher Flughäfen startet er die nächste teure Offensive: Revolut bietet ab sofort einen Rekordzins von 4,25 Prozent auf Tagesgeld.

  • Patrick Collison (37), CEO der Zahlungsfirma Stripe, ist offenbar in Shoppinglaune. Wenige Wochen nach der kolportierten Übernahmeofferte für PayPal hat er anscheinend ein weiteres Kaufziel ausgemacht: Laut „Bloomberg“ ist Stripe dabei, den KI-Dienst OpenRouter für rund 6 Milliarden Euro zu übernehmen. Es wäre der bisher größte Zukauf der Firmengeschichte.

  • Gary Hoffman räumt seinen Posten als Chairman der britischen Neobank Monzo. Der Manager war zuvor bei den größten Anteilseignern in Ungnade gefallen, weil der Verwaltungsrat unter seiner Führung den CEO durch Neu-Chefin Diana Leyfield ersetzt hatte. Seine Interimsnachfolgerin wird Karen Peacock – Monzo ist damit vorerst in Frauenhand.

Zahl der Woche: 544

Es heißt ja, das epische Battle der KI-Giganten werde sich hauptsächlich an einer Ressource entscheiden: Talent. Der US-Datenforscher Rohit Doshi hat sich daher genauer angeschaut, wo Anthropic und OpenAI ihre Mitarbeiter rekrutieren. Ergebnis: Die beiden Labs heuern in jüngster Zeit auffällig viele Payment-Expertinnen und Experten an. Anthropic hat laut Doshis Auswertung  mindestens 544 Beschäftigte von Zahlungsfirmen wie Stripe, Square oder PayPal abgeworben. Das entspreche rund 8,5 Prozent der gesamten Belegschaft des KI-Unternehmens. Konkurrent OpenAI warb insgesamt sogar 824 Leute aus dem Payment-Bereich ab. Vieles deutet also darauf hin, dass beide Player sich für KI-gestützte Onlinezahlungen interessieren. Oder wie Doshi bilanziert: „OpenAI stellt Leute ein, die wissen, wie man Geld von Konsumenten im großen Maßstab bewegt. Anthropic stellt Leute ein, die wissen, wie man diesen Geldfluss misst und abrechnet.“

Margin Call: Platzverweis für Revolut-Ultras

Platz da! Revolut streicht einige WeWork-Standorte aus seinem Luxusabo

Platz da! Revolut streicht einige WeWork-Standorte aus seinem Luxusabo

Foto:

Drew Angerer/ AFP

Die britische Neobank Revolut hat sich Ärger mit seinen Ultra-Kunden eingebrockt. So heißen jene potenten Nutzerinnen und Nutzer, die monatlich 65 Euro für das teuerste Abo des Fintechs hinlegen. Teil des Luxuspakets sind eine platinüberzogene Zahlkarte sowie etliche Annehmlichkeiten, darunter Zugang zu mehr als 280 WeWork-Büros weltweit. Doch die hat Revolut jetzt offenbar zusammengestrichen, wie die „Financial Times“ meldete. Sehr zum Verdruss einiger der treuesten Anhänger: „Ich hatte einen guten Rhythmus gefunden und war alle zwei Wochen im WeWork an der York Straße, wenn meine Putzkraft kam“, klagt einer auf Reddit. Natürlich habe man ausgerechnet diesen Standort gestrichen. Platzverweis für die Revolut-Ultras also. Müssen die jetzt in die Stadtbibliothek umziehen? Nein, so weit muss es nicht kommen. Revolut dürfte nur rund 20 WeWork-Büros aus dem Programm genommen haben. Und man arbeitet ja bereits an einem neuen Zufluchtsort: Ab 2027 will das Unternehmen ein eigenes „Netzwerk aus Premium-Lounges“ an Flughäfen eröffnen. Aber Achtung: Auch dort kommt irgendwann jemand mit einem Wischmopp vorbei – und dann ist der Arbeitsrhythmus wieder dahin.

Das war es für diese Woche. Wenn ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet euch gern unter [email protected] . Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter hier abonnieren.

Viele Grüße
Eure Hannah Schwär