Stand: 12.08.2026, 21:42 Uhr
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Nur noch zwei nackte Männer liegen auf der Schönfeldwiese am Monopteros. Früher fuhren die Leute sogar nackt in der Bade-Tram zur Eisbachwelle zurück.
München – I renn nackert durch‘n Englischn Gartn“: So hieß es bei der Spider Murphy Gang 1982 – und Sänger Günther Sigl hatte damals noch viele Mitstreiter. Wer ihm damals auf der Schönfeldwiese am Mo㈠nopteros bereits nackt hätte begegnen können, ist Grafiker Rick (78).
FKK im Englischen Garten: Schönfeldwiese in München fast menschenleer
Der gebürtige Stuttgarter lebt seit fast 60 Jahren in München – und seit fast 50 Jahren sonnt er sich nackt. Seitdem hat sich viel verändert. „Es ist jetzt deutlich weniger“, sagt er und blickt über die Schönfeldwiese, wo nur noch zwei andere nackte Männer liegen. Auch vielen anderen Leuten ist das schon aufgefallen – wo sind all die Nackerten hin? Auch ein Leser hat uns jüngst darauf aufmerksam gemacht, dass die Leute früher sogar nackt in der Bade-Tram von der Tivolibrücke zurück zur Eisbachwelle fuhren.
Die Regeln
„Oben ohne“ ist beim Baden in München grundsätzlich kein Problem, auch nicht in städtischen Bädern. In Freibädern wie Maria Einsiedel (dort auch nur für Frauen), Dante-, Ungerer-, West- und Cosimabad gibt es zusätzlich abgegrenzte FKK-Zonen. „Unten ohne“ ist sonst nur in ausgewiesenen Bereichen erlaubt: am Flaucher, am Oberföhringer Wehr und im Englischen Garten an der Schönfeldwiese und der Schwabinger Bucht. Am Feldmochinger See ist am Südwestufer ein offizieller Nackt-Badestrand. Er ist der einzige städtische Badesee in München mit einem offiziellen FKK-Strand.
Warum das heute nicht mehr so ist? Zum Beispiel wegen geänderter FKK-Zonen. Rick: „Früher reichte die Nacktbadezone bis zum Bach. Jetzt hört sie schon beim Weg auf. Das heißt, man muss sich eine Badehose anziehen, um sich im Wasser treiben zu lassen. Dadurch kommt niemand mehr nackt raus und steigt in die Tram.“
Am Flaucher sei in Sachen FKK noch mehr los, erzählt Rick – man treffe auch dort aber eher Ältere. „Vielleicht ein neues Schamgefühl?“ Er selbst habe als Jugendlicher ebenfalls große Hemmungen gehabt. Bis etwa 20 sei er „ganz dagegen“ gewesen. Mit 21 änderte sich das. „Dann hab ich gedacht: Ach, das schaut eigentlich besser aus, wenn ich überall braun werde.“
Vielleicht ein neues Schamgefühl
FKK etablierte sich im Englischen Garten in den 60er- und 70er-Jahren als „Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels und eines neuen Freiheitsgefühls“, schreibt die Schlösser- und Seenverwaltung. „Zu Beginn stieß das Nacktbaden auf weniger Toleranz und löste öffentliche Debatten aus. Im Jahr 1982 legte die Stadt München schließlich acht sogenannte Toleranzzonen fest.“
Heute werde FKK von den meisten weitgehend akzeptiert. Gleichzeitig, das bestätigt auch die Schlösser- und Seenverwaltung, spielt Freikörperkultur heute eine geringere Rolle als früher. Offizielle Zahlen gibt‘s aber nicht.
So oder so prägen die Nackerten das Bild der Stadt weiter. Zum Beispiel finden sie in vielen Reiseführern Erwähnung. Allerdings könnte gerade auch die Öffentlichkeit ein Grund dafür sein, dass viele sich nicht mehr ausziehen wollen. Stichwort Soziale Medien: Wer will schon wie im Zoo angestarrt werden und dann bei Instagram erscheinen?

Auch Christian (47) will sich nicht fotografieren lassen. Der Immobilienmakler lief mit 17 durch den Englischen Garten, sah die Nackerten und legte sich dazu. Für ihn ist FKK ein Gefühl von Freiheit: „Ohne Zwang und ohne, dass man sich allen möglichen Regeln unterordnen muss.“ Unangenehme Erfahrungen habe er kaum gemacht. Im Gegensatz zu Rick, der einmal von zwei Männern aufgefordert wurde, sich anzuziehen. „Sie behaupteten, ich würde ihre Bekannte belästigen. Ich habe ihnen geantwortet: Das kann gar nicht sein, ich bin homosexuell.“
Wir treffen Monika (63) am Flaucher. Sie macht seit rund 30 Jahren FKK. „Die jüngere Generation zieht sich kaum noch aus“, beobachtet sie. Am Flaucher kennt man sich seit Jahren, grüßt sich, unterhält sich – nur der Nachwuchs ist rar.