20. Juli 2026, 6:22 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer an einem heißen Strandtag einen Platz unter dem Sonnenschirm ergattert, fühlt sich meist sofort besser. Schließlich schützt der Schatten vor der prallen Sonne. Doch wer trotzdem weiter schwitzt, bildet sich das keineswegs ein. Forscher haben jetzt erklärt, warum es sich unter einem Sonnenschirm oft deutlich weniger kühl anfühlt, als man vielleicht erwartet.
Dass Sonnenschirme zuverlässig vor schädlicher UV-Strahlung schützen und so das Risiko für einen Sonnenbrand senken, steht außer Frage. Gegen die Hitze selbst helfen sie allerdings nur bedingt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Biometeorologen Georg Wohlfahrt von der Universität Innsbruck, die auf der Generalversammlung der European Geosciences Union vorgestellt wurde.
Der Sonnenschirm wird selbst zur Wärmequelle
Der Grund dafür ist überraschend einfach: Zwar hält der Sonnenschirm die direkte Sonneneinstrahlung ab, gleichzeitig heizt sich sein Stoff in der Sonne jedoch stark auf. Je nach Bedingungen, wie etwa Farbe, Material oder Rundungen, kann die Oberfläche Temperaturen von rund 70 Grad erreichen.
Wie jeder heiße Gegenstand gibt auch ein aufgeheizter Sonnenschirm Wärme wieder an seine Umgebung ab – in Form von Wärmestrahlung. Ein Teil davon trifft auf diejenigen, die unter ihm Schutz suchen. Dadurch wird ein Teil des schattigen Kühleffekts wieder aufgehoben.
Warum der Sonnenschirm mal besser, mal schlechter kühlt
Um herauszufinden, wie groß der kühlende Effekt tatsächlich ist, entwickelten die Forschenden ein Computermodell. Dabei berücksichtigten sie nicht nur die Lufttemperatur, sondern auch Wind, Luftfeuchtigkeit, Sonnenstand sowie die Wärme, die vom Sand und vom aufgeheizten Sonnenschirm abgestrahlt wird.
Das Ergebnis: In rund 95 Prozent aller berechneten Situationen war die Hitzebelastung unter einem Sonnenschirm geringer als in der prallen Sonne. Der Unterschied fiel allerdings meist kleiner aus, als viele vermuten – im Durchschnitt sank die gefühlte Hitzebelastung nur um etwa einen Grad.
Entscheidend sind die Bedingungen vor Ort: Weht eine leichte Brise, wird der heiße Schirm besser gekühlt und der Schatten bringt mehr. An windstillen Tagen hingegen kann sich der Stoff besonders stark aufheizen. In wenigen der berechneten Szenarien war es deshalb unter dem Sonnenschirm sogar minimal wärmer als in der direkten Sonne.
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Vom Ostseestrand bis Rio – wo sich der Sonnenschirm wirklich lohnt
Ob sich der Griff zum Sonnenschirm lohnt, hängt auch vom Urlaubsort ab. Das zeigen Berechnungen für drei beliebte Reiseziele der Deutschen.
Am italienischen Badeort Lignano herrscht Mitte August starke Hitzebelastung. Mit Sonnenschirm fühlt es sich zwar etwas angenehmer an – der Unterschied beträgt allerdings gerade einmal 0,6 Grad. Der Schirm hilft also, aber Wunder sollte man von ihm nicht erwarten.
Auf Rügen sieht das anders aus. Dort ist die Hitzebelastung insgesamt zwar deutlich geringer, trotzdem sorgt der Sonnenschirm für den größten Effekt. Die gefühlte Temperatur sinkt um rund 1,3 Grad. Der Grund: Die Kombination aus stärkerem Wind und moderateren Temperaturen spielt dem Schirm in die Karten.
Am überraschendsten ist das Ergebnis für Rio de Janeiro. Dort war es in den Berechnungen unter dem Sonnenschirm sogar minimal wärmer – wenn auch nur um 0,1 Grad. Denn: Zur Mittagszeit steht die Sonne im brasilianischen Sommer fast senkrecht über dem Strand. Dadurch trifft ohnehin weniger direkte Sonnenstrahlung auf den Körper. Der Vorteil des Schirms schrumpft – während der aufgeheizte Stoff weiter Wärme abstrahlt.
UV-Schutz bleibt der wichtigste Vorteil
Trotzdem betonen die Forschenden: Auf den Sonnenschirm sollte deshalb niemand verzichten. Sein größter Nutzen liegt nach wie vor darin, die direkte Sonneneinstrahlung und schädliche UV-Strahlung abzuhalten. Künftig könnten Sonnenschirme sogar noch effektiver werden – etwa durch Materialien, die mehr Sonnenlicht reflektieren und sich dadurch weniger stark aufheizen.