Mysteriöses Objekt im Pazifik: Expedition soll 90 Jahre altes Rätsel um verschollene Flugpionierin lösen

Stand: 02.10.2026, 07:32 Uhr

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Seit fast 90 Jahren gilt das Verschwinden der Flugpionierin Amelia Earhart als eines der größten Rätsel der modernen Geschichte. Nun will ein Forscherteam es endlich lösen.

Kassel – Am 2. Juli 1937 verstummten die Funksprüche über dem endlosen Pazifik: Die 39-jährige Amelia Earhart und ihr Navigator Fred Noonan verschwanden auf dem vorletzten Teilstück ihrer Weltumrundung spurlos zwischen Papua-Neuguinea und der winzigen Howlandinsel.

Die US-Flugpionierin Amelia Earhart im Jahr 1936, kurz vor ihrem Versuch, die Erde am Äquator zu umrunden.

Die US-Flugpionierin Amelia Earhart im Jahr 1936, kurz vor ihrem Versuch, die Erde am Äquator zu umrunden. © Imago

Was folgte, war die größte und teuerste Suchaktion der US-Militärgeschichte jener Zeit – doch weder Mensch noch Maschine wurden je gefunden. Nun könnte modernste Fernerkundung den entscheidenden Durchbruch bringen: Eine 17-köpfige wissenschaftliche Expedition nimmt Kurs auf das unbewohnte Nikumaroro-Atoll im Inselstaat Kiribati.

Das Rätsel um das „Taraia-Objekt“

Im Zentrum der Forschungsmission steht eine auffällige Struktur auf hochauflösenden Satellitenaufnahmen in der Flachwasserlagune von Nikumaroro: das sogenannte „Taraia-Objekt“. Die rund zehn Meter lange, längliche Formation entspricht verblüffend exakt den Abmessungen des Rumpfes einer Lockheed Electra 10E.

Die Anomalie war nach einem schweren tropischen Wirbelsturm im Jahr 2015 erstmals sichtbar geworden, als gewaltige Wassermassen die schützenden Sedimente vom Lagunenboden spülten. Seither schimmert das Gebilde je nach Gezeitenstand und Strömung mal deutlicher, mal schwächer unter dem türkisfarbenen Wasser hervor.

Die wissenschaftliche Leitung der Mission liegt in den Händen des gemeinnützigen Archaeological Legacy Institute (ALI) in enger Kooperation mit der Purdue University (Indiana). Die Universität verbindet eine tiefe historische Bindung mit der Pionierin: Earhart lehrte dort ab 1935 als Gastdozentin für Luftfahrttechnik und Frauenförderung. Über den Purdue Research Foundation Fund war damals maßgeblich der Bau ihres zweimotorigen „fliegenden Labors“, der Lockheed Electra, finanziert worden. Vor Ort setzt das Team um Expeditionsleiter Dr. Richard Pettigrew auf ein mehrstufiges, zerstörungsfreies Untersuchungsverfahren:

  • Kartierung: Hochauflösende Unterwasser-Foto- und Videodokumentation.
  • Fernerkundung: Einsatz von Magnetometern und Seitensicht-Sonargeräten zur Feststellung metallischer Signaturen unter dem Sediment.
  • Schonende Freilegung: Mit hydraulischen Saugvorrichtungen soll die Sedimentschicht vorsichtig abgetragen werden, ohne eventuelle archäologische Metallstrukturen zu beschädigen.

Mysterium um Amelia Earhart: Was die Archive der Institutionen verraten

Die Hypothese, dass Earhart und Noonan nach verfehltem Funkfeuer auf Nikumaroro strandeten, wird seit Jahrzehnten von Historikern diskutiert. Historische Funkprotokolle der US-Küstenwache (US Coast Guard Cutter Itasca) und Unterlagen der Smithsonian Institution (National Air and Space Museum) belegen, dass die Electra zum Zeitpunkt des letzten Funkkontakts auf einer südöstlichen Standlinie (157–337 Grad) flog – einem Kurs, der direkt auf Nikumaroro zuführt.

Zudem stützt eine vielbeachtete Studie des Anthropologen Prof. Richard L. Jantz von der University of Tennessee im Fachjournal Forensic Anthropology (2018) diese Theorie: Bei einer computertomografischen Neuanalyse der historischen Messdaten von 1940 auf Nikumaroro gefundenen Skelettteilen stellte sich heraus, dass die Knochenmaße mit über 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit mit den Körpermaßen und dem Knochenbau Amelia Earharts übereinstimmten.

„Amelia Earharts Flugzeug zu finden, wäre eine der spektakulärsten Entdeckungen der Luftfahrtgeschichte“, betont Expeditionsleiter Pettigrew. Das Team hat jedoch strenge Auflagen: Bei dieser ersten Erkundungsphase geht es ausschließlich um die zweifelsfreie Identifizierung und wissenschaftliche Dokumentation. Erst in einer nachfolgenden Kampagne sollen eventuelle Wrackteile mit internationalen Experten geborgen und konservatorisch gesichert werden. Auch die bekannte MH 370 sorgt bis heute für eines der größten Rätsel. Quellen: Purdue University, Archaeological Legacy Institute (ALI), Forensic Anthropology Journal, Smithsonian National Air and Space Museum, dpa (bk)