Stand: 24.10.2026, 18:48 Uhr
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Fast keine Esche in Bayern ist noch gesund, sagt Revierförster Robert Nörr. Woran man einen Befall erkennt – und warum das Fällen lebensgefährlich sein kann.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Eine aus Asien eingeschleppte Pilzerkrankung bedroht den heimischen Baumbestand: das Eschentriebsterben. Unsere Mitarbeiterin Clara Wildenrath sprach mit Revierförster Robert Nörr darüber, was die Erkrankung so gefährlich macht.
Herr Nörr, warum hat sich das Eschentriebsterben in diesem Jahr so stark ausgebreitet?
Eigentlich verstärken sich Pilzerkrankungen vor allem in nassen Jahren. Aber die anhaltende Dürre in diesem Jahr hat die Bäume geschwächt. Dadurch können sie einer Infektion weniger Widerstandskraft entgegensetzen.
Was bedeutet das für unsere heimischen Wälder?
Etwa fünf Prozent unseres Baumbestands sind Eschen und es gibt fast keine Esche, die nicht befallen ist. Bis sich das Eschentriebsterben im Jahr 2008 in Bayern ausgebreitet hat, galt die Esche als ein sehr widerstandsfähiger, anspruchsloser Universalbaum. Sie verträgt Nässe gut und es gab praktisch keine Krankheiten. Ein solcher Verlust tut dem Wald extrem weh und verschärft die Belastung durch den Klimawandel. Auch wirtschaftlich ist das Eschentriebsterben ein großer Schaden.
Woran erkenne ich, ob ein Baum erkrankt ist?
Im Mai oder Juni werden die Blätter dürr. Bei kleinen Eschen fällt auf, dass sich der oberste Trieb fast orangefarben verfärbt. Bei älteren Bäumen bekommt die Rinde oft dunkle Flecken und lässt sich leicht vom Stamm ablösen.
Was macht die befallenen Bäume so gefährlich?
Wenn die Krone abstirbt, können dürre Äste 30 oder 35 Meter tief herabstürzen. Dazu kommt, dass die geschwächten Bäume oft sekundär von anderen Pilzen befallen werden, die die Wurzeln zersetzen. Der Baum kann dann plötzlich umstürzen. Das ist vorher oft nicht erkennbar.
Was kann ich tun, wenn auf meinem Grundstück eine Esche steht?
Wenn man den Verdacht hat, dass sie erkrankt ist, sollte man einen Sachverständigen holen. Bei einem weniger befallenen Baum reicht es manchmal, die Krone einzukürzen. Einen erkrankten Baum zu fällen, ist extrem gefährlich. Die Erschütterungen durch die Motorsäge können dazu führen, dass ein Baum mit verfaulten Wurzeln komplett umbricht oder große Äste herabstürzen.
Ist die Eberesche – also die Vogelbeere, die in vielen Gärten wächst – auch betroffen?
Nein, das wird oft verwechselt. Die Eberesche sieht der Gemeinen Esche zwar etwas ähnlich, ist aber nicht mit ihr verwandt.
Kann man Eschen vor dem Pilz schützen?
Das ist leider unmöglich. Das Eschentriebsterben verbreitet sich über Pilzsporen, die sich mit dem Wind rasend schnell ausbreiten. In der Forschung gibt es Bemühungen, scheinbar resistente Bäume nachzuzüchten. Mir ist aber kein Fall bekannt, in dem das erfolgreich war.