Stand: 31.07.2026, 13:31 Uhr
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The Weeknd hat im Frankfurter Waldstadion vor 50.000 Fans seine schwarze Maske abgenommen. Der Kanadier kündigte an, seine Bühnenpersona zu beerdigen.
Die Maske fällt. Nach wenigen Songs nimmt The Weeknd die schwarze, mit roten Leuchtaugen leicht nach Micky-Maus-Heft-Beigabe aussehende Gesichtsverdeckung ab und wird zu Abel Tesfaye. Minutenlang badet der Kanadier im kreischenden Jubel der rund 50.000 im Waldstadion, lausbübisch lächelnd: endlich Mensch.
Tesfaye, 1990 in Toronto geboren, nannte sein rastloses Alter Ego The Weeknd, weil er mit 17 Jahren an einem Wochenende von zu Hause wegging, die High School abbrach und zu feiern begann. Er probierte den Chemiekasten von Ketamin über MDMA und Mushrooms bis Hustensaft durch, veröffentlichte YouTube-Musik und 2011 das Mixtape „House of Ballons“.
Seitdem ist The Weeknd ein düsteres, aber partykompatibles und vor allem massentaugliches Projekt. Das Frankfurter Konzert war schnell ausverkauft, zwei weitere mussten her. Die Breitspektrum-Wirkung entsteht neben der dystopischen Inszenierung auch aus der stilflexiblen Legierung von ekstatischem R&B mit frostigem Retro-Synth-Wave, melancholischem Soul und energetischem Elektro: 21. Jahrhundert mit deutlichen Linien in die 1980er und 1990er Jahre.
Die heben schon mit dem ersten Vor-Act ihr kahles Haupt: Prince 85, ein sich als humanoider Alien gerierender DJ im Techno-Look. Dann Playboi Carti, dessen Rage-Rap mit The Weeknds Musik den kommerziellen Erfolg gemein hat. Carti stand mehrfach vor Gericht, branchenüblich wegen Drogenbesitz und Lamborghini-Raserei, aber auch wegen Gewalt gegen Frauen. Was juckt es Veranstalter, Hauptsache Kasse.
Die Hauptbühne: eine postapokalyptisch glänzende Ruinenlandschaft. Davor ein Laufsteg-Kreuz, der Schnittpunkt überragt von einer goldschimmernden Androidin des Künstlers Hajime Sorayama. Die 2023 begonnene „After Hours Til Dawn“-Tour gilt als die profitabelste eines männlichen Künstlers. Also konnte The Weeknd, der auch an Nespresso-Kapseln mit dem Namen seiner Mutter verdient, die zunächst sechs Meter hohe Statue durch eine doppelt so große ersetzen lassen. Die TikTok-Version des Maschinenmenschen aus Fritz Langs Metropolis, mit Laseraugen und Trockeneishänden.
„Baptized in Fear“ ist der erste von fast 40 Songs, viele gekürzt und zu Medleys verbunden. Tesfaye hat angekündigt, die Bühnenpersona The Weeknd zu beerdigen, und hält noch einmal Werkschau, von „Wicked Games“ über „Can’t Feel My Face“, „The Hills“, „Starboy“ und „Save Your Tears“ bis zum jüngsten Album „Hurry Up Tomorrow“. Feuerfontänen, Laserblitze, Pyrotechnik bis knapp unters Stadiondach, zehntausende gleichgeschaltete Leuchtelemente an den Handgelenken der Gäste. 30 in rote Gewänder mit goldenen Masken gehüllte Gestalten schreiten bedeutungsschwanger, nehmen Ausdruckstanz-Posen ein.
Hommage an gestorbenen DJ
Wenn Feuerwerkdonner und Fan-Geschrei ihr Raum lassen, klingt Tesfayes Stimme nach stabilem Soul, manchmal näselnd, manchmal warm. Zwischendurch rappt Playboi Carti mit Weeknd seinen Song „Rather Lie“ und „Creepin’“ von Metro Boomin. Ein Höhepunkt (kreisch!): „Blinding Lights“ von 2019, der erste Titel, der auf Spotify die fünf Milliarden knackte. Kurz vor Schluss eine Hommage an den französischen DJ Kavinsky, mit dem The Weeknd 2013 „Odd Look“ aufnahm. Kavinsky war am Dienstag tot in seiner Pariser Wohnung aufgefunden worden.

Zu „House of Balloons“ dotzen Dutzende Bälle, zum Swedish-House-Mafia-Cover „Moth To A Flame kracht die volle Artillerie.
So endet eine Show, die immer dann naheging, wenn Tesfaye echten Kontakt suchte, statt in Posen zu verharren. Und die damit vielleicht einen Wandel weg von der Maschinenmenschen-Materialschlacht markiert. Wohin, wird sich zeige.