Wegen Hitze: Frankreich schaltet erste Atomreaktoren ab

Wegen Hitze

In Frankreich sind wegen der starken Hitze am Sonntag drei Atomreaktoren vorübergehend heruntergefahren und sieben weitere gedrosselt worden. Das wurde am Sonntag bekannt. Frankreich erlebt derzeit die dritte Hitzewelle in nur zwei Monaten.

Online seit gestern, 22.05 Uhr

Aufgrund der Wetterbedingungen und zur Einhaltung der Vorschriften für die Ableitung von Kühlwasser „und damit zum Schutz der Umwelt“ seien Reaktoren in Golfech an der Garonne, in Bugey an der Rhone sowie in Chooz an der Meuse abgeschaltet worden, teilte der Kraftwerksbetreiber EDF der Nachrichtenagentur AFP mit.

Zudem seien sechs Reaktoren gedrosselt worden, erklärte das Unternehmen weiter. Ein weiterer Reaktor sei vorübergehend gedrosselt worden, laufe aber seit dem späten Nachmittag wieder normal.

Schäden für Ökosysteme

Mit den Maßnahmen soll verhindert werden, dass während der aktuellen Hitzewelle zu viel warmes Kühlwasser in die ohnehin wärmer werdenden Flüsse abgeleitet wird.

Frankreich verfügt über 57 Atomreaktoren, die rund 70 Prozent des Stroms produzieren. Alle befinden sich an Flüssen oder am Meer, nutzen das Wasser zur Kühlung der Reaktoren und leiten es erwärmt in den Fluss oder ins Meer zurück.

Um Schäden für die Ökosysteme zu begrenzen, legt die französische Atomaufsichtsbehörde ASNR für jedes Kraftwerk Höchstwerte für die Wassertemperatur fest. EDF als Betreiber ist verpflichtet, die Leistung seiner Atomkraftwerke unter bestimmten Umständen zu reduzieren. Bereits bei der zweiten Hitzewelle im Juni hatte EDF Reaktoren herunterfahren müssen.

Menschen unter Vernebelungsanlagen auf einem Musikfestival in La Rochelle
Für mehr als ein Drittel aller Franzosen und Französinnen galt am Sonntag die höchste Hitzewarnstufe

Höchste Warnstufe für 26 Millionen Menschen ausgerufen

Die dritte Hitzewelle in zwei Monaten hat große Teile Frankreichs fest im Griff. Für mehr als ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner des Landes galt am Sonntag die höchste Hitzewarnstufe. 26 Millionen Menschen in 37 Departements waren nach Angaben des Wetterdienstes Meteo France davon betroffen.

Extremwetter

Zwar lassen sich einzelne Extremereignisse nicht direkt auf eine bestimmte Ursache zurückführen, klar ist laut Weltklimarat aber: Durch die Klimakrise werden Extremwetterereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen, Hitze und Dürre häufiger und intensiver.

Fast überall herrschten Temperaturen von weit über 30 Grad, teils sogar um die 40 Grad. In Paris schlossen Touristenattraktionen wie der Eiffelturm und das Louvre-Museum wetterbedingt schon am Nachmittag.

Zudem wurden von der Präfektur der beliebte Ball der Feuerwehrleute abgesagt, der traditionell am 13. und 14. Juli in den Feuerwachen stattfindet, sowie alle Sportereignisse unter freiem Himmel oder in nicht klimatisierten Räumen.

Menschen schwimmen im Canal Saint-Martin in Paris
Temperaturen bis zu 40 Grad ließen die Menschen Abkühlung suchen

Erstmals Tour de France gekürzt

Erstmals in der Geschichte der Tour de France wurde eine Etappe wegen der Hitze verkürzt. Die Organisatoren kürzten die eigentlich 185,5 Kilometer lange neunte Etappe im Zentralmassiv um 30 Kilometer.

Der internationale Radprofiverband CPA forderte am Sonntag, die Startzeiten in den Sommermonaten anzupassen, „um die Athleten zu schützen“. Noch vor der Saison 2027 müsse eine Lösung gefunden werden, um die Rennen an die „klimatischen Realitäten“ anzupassen, erklärte der CPA.

Erhöhte Brandgefahr

Die Hitzewelle soll noch bis Mitte der Woche anhalten, nur einige Departements im Süden und Osten des Landes sowie am Ärmelkanal bleiben von den extremen Temperaturen verschont. Wegen der starken Trockenheit und erhöhter Brandgefahr wurde in zahlreichen Städten das Feuerwerk am Nationalfeiertag abgesagt.

In Frankreich fielen seit Jahresbeginn schon mehr als 25.000 Hektar Wald Bränden zum Opfer, das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die erste Hitzewelle dieses Jahres hatte es in Frankreich bereits Ende Mai gegeben, eine zweite folgte Ende Juni.