Freiberufsverband warnt vor KI-Gefahren im Alltag – und nennt zwei Beispiele
Stand: 20.08.2026, 22:07 Uhr
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KI-Blindheit wird zur echten Gefahr, warnt Verbandschef Hofmeister. Vollautomatisierter KI sei nicht zu trauen. Der Verband fordert mehr Kontrolle.
Berlin – Ist sie nun das Mittel zur ultimativen Effizienzsteigerung oder der Schritt zur Massenarbeitslosigkeit? Künstliche Intelligenz polarisiert. Und sie hält in immer mehr Unternehmen und Betriebsabläufen Einzug. Das ist aber nicht ohne Risiko. Besonders, wenn die KI ganze Prozesse vollautomatisiert übernimmt. Davor warnt der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) nun eindringlich. Der Verband veranschaulicht seine Befürchtungen an Beispielen.

Über die Hälfte der deutschen Unternehmen nutzt KI. Bei Selbstständigen und Kleinunternehmen ist der Wert ähnlich hoch, wie aus Zahlen des aktuellen Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex hervorgeht. Die Aufgaben der KI variieren jedoch enorm – von einer einfachen Rechtschreibprüfung eines E‑Mail-Entwurfs hin zu komplett an das System ausgelagerten Ketten von Arbeitsprozessen.
Warnung: KI wird „heimlich zur eigentlichen Entscheidungsinstanz“
Der Trend geht zu intensiverer KI‑Nutzung. So automatisiert bereits jedes dritte Kleinstunternehmen Prozesse mit KI. Das zeigte gerade erst eine Umfrage des Softwareunternehmens Lexware unter knapp 3000 Unternehmern mit bis zu neun Mitarbeitern. Zuerst berichtete darüber das Handelsblatt.
BFB-Präsident Stephan Hofmeister warnt vor „KI-Blindheit“ und „unkontrolliertem“ Einsatz der Technologie. Der BFB vertritt die Interessen von Freiberuflerinnen und Freiberuflern vieler unterschiedlicher Branchen. Der Verband beschreibt zwei Szenarien, in denen die Künstliche Intelligenz gefährlich werden kann.
„KI-gestützte Systeme werten heute Röntgenbilder, Hautveränderungen oder Symptome aus und liefern in Sekunden einen Befundvorschlag. Das beschleunigt die Arbeit erheblich“, schreibt der BFB in einer Mitteilung, die der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media exklusiv vorliegt. Entscheidend sei, was danach passiere: Ob ein ärztlicher Befund stattfinde oder dieser aus Effizienzgründen zur Formsache werde. „Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob KI ein Werkzeug bleibt oder heimlich zur eigentlichen Entscheidungsinstanz wird“, lautet die BFB-Warnung.
„Die Frage ist nie, ob die KI in neun von zehn Fällen richtig liegt“, sagt BFB-Präsident Hofmeister unserer Redaktion. „Die Frage ist, was im zehnten Fall passiert, und ob der Prozess so gebaut ist, dass dieser Fall auffällt, bevor er einer Patientin oder einem Patienten schadet.“
Auch anwaltliche Schreiben wie Abmahnungen sind laut Verband ein Risikofeld. Zwar ist eine menschliche Prüfung solcher Schreiben derzeit verpflichtend, der Berufsverband fürchtet jedoch Lockerungen und deren Folgen. „Ein Schreiben mit falscher Fristberechnung, falscher Anspruchsgrundlage oder einem erfundenen Präzedenzfall ließe sich nach dem Versand nicht mehr zurückholen“, schreibt der BFB. „Aus dem erhofften Effizienzgewinn würde ein Haftungsrisiko, das die Mandantin oder den Mandanten träfe, dem das Schreiben eigentlich nützen sollte.“ Halluzinationen treten in vielen KI-Systemen weiterhin auf.
BFB-Präsident Hofmeister mahnt: „Ein KI-Tool kennt keine Moral, es kennt nur Wahrscheinlichkeiten.“ Man dürfe sich nicht blind auf die Ergebnisse von KI-Tools verlassen. „Wer hat bei einem intensiven Einsatz von KI zukünftig noch die Fach- und Sachkenntnis, um Fehler zu erkennen, bevor diese mitunter fatale Auswirkungen haben?“ Der Freiberuflerverband fordert daher verbindliche Mindeststandards für menschliche Kontrolle „überall dort, wo automatisierte Entscheidungen unmittelbare Folgen für Dritte haben“. (Quellen: Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex/Handelsblatt/Lexware/BFB)