Früherer Hamburg-Towers-Profi Enosch Wolf spricht offen über seine Depression

Inzwischen kann Enosch Wolf wieder lachen. Stopp! Was heißt inzwischen? Falscher Start. Denn äußerlich war dem früheren Profibasketballer, der von 2016 bis 2018 für die Hamburg Towers spielte, nichts anzumerken. Da habe er die Maske aufgesetzt, war „als Hülle“ zugegen. Von seinen Depressionen bekam kaum jemand etwas mit. Zunächst inklusive ihm selbst.

„Es gab Momente, in denen ich immer traurig war, ohne Auslöser. Einmal habe ich auf dem Weg zum Einkaufen einfach zu weinen angefangen“, erinnert sich Wolf an seine erste dunkle Phase im Jahr 2020. Einordnen konnte der 2,15-Meter-Riese diese Emotionen erst mal nicht. Er funktionierte, ohne etwas zu fühlen.

Ex-Hamburg-Towers-Spieler Enosch Wolf spricht über Depressionen

Also ein wenig so, wie es bei KI-generierten Menschen wäre. Hier setzt auch die Kampagne der Stiftung Deutsche Depressionshilfe an, die an diesem Montag beginnt. Gemeinsam mit der Hamburger Agentur Grabarz & Partner wurde ein Video veröffentlicht, auf dem ausschließlich von künstlicher Intelligenz erschaffene Menschen offenbar freudig miteinander interagieren. Nur ein realer Mensch spielt in dem Clip mit: Wolf.

„Depression wird oft unterschätzt, da sie von außen oft nicht sichtbar ist. Viele Betroffene funktionieren noch: Sie lächeln, sie arbeiten, sie sind da. Viele verwechseln die Erkrankung mit Stimmungstiefs, wie wir sie alle kennen. Aber Depression ist mehr als Traurigkeit. In einer schweren Depression können Betroffene nicht mal Trauer empfinden“, sagt Professor Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Die Erkrankten würden unter einer inneren Leere leiden. „Der Fachausdruck dafür ist Gefühl der Gefühllosigkeit, ein für die Betroffenen sehr quälender Zustand“, so Hegerl.

„Vollkommen normal, auch mal traurig zu sein“

Wolf beschreibt eine Gehirnerschütterung als Startpunkt seiner ersten Depression. Er verpasste dadurch mehrere Monate der Saison, verlor den Halt. „Es ist ja vollkommen normal, mal traurig zu sein. Aber für meinen Zustand gab es einfach keine direkten Auslöser“, so der mittlerweile 35-Jährige, der von Antriebslosigkeit, Grübelei und sozialer Isolation spricht.

Enosch Wolf

Enosch Wolf ist mittlerweile wieder gesund.© Grabarz & Partner

Erst das Telefonat mit einer Freundin, die Erfahrungen mit Depressionen hatte, brachte ihn auf den Weg zur Therapie. „Das war für mich einer der größten Schlüssel. Ich war überrascht, wie viele Menschen ähnliche Probleme haben – es ist überall, nur redet leider keiner darüber. Die Botschaft wirkt simpel und vielleicht abgedroschen, aber sie stimmt: Du bist nicht allein“, sagt Wolf.

Basketballer unterstützt Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Nach seinem Karriereende vor drei Jahren erwischte es den gebürtigen Ludwigsburger, der in Göttingen aufwuchs, erneut. „Sicher haben da auch biochemische Prozesse eine Rolle gespielt, weil ich mit dem Leistungssport aufgehört hatte“, sagt Wolf. Er begann abermals mit einer Therapie, schuf sich wieder Routinen wie morgendlichen Sport und ist inzwischen wieder gesund.

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„Wichtig ist, dass man als Betroffener offen mit dem Umfeld kommuniziert. Für mich ist das mittlerweile, wie über das Abendbrot zu reden. Und für die Angehörigen: Es reicht auch mal, einfach nur zuzuhören, ohne konkrete Lösungsanweisungen zu geben“, sagt Wolf. Seine Krankheit habe auch Vorteile gehabt: „Ich bin viel empathischer anderen Menschen gegenüber geworden.“ Daher möchte er nun dazu beitragen, anderen Depressiven zu helfen.