Hier zählt nicht, wie schnell du bist
Dehnen, Aufwärmen, Stöhnen - und irgendwann erstes Dribbeln und Passen - Technikübungen eben. Im normalen Fußball hätten viele hier schlechte Karten: zu langsam, keine Chance in Zweikämpfen, dazu die Blicke und Sprüche. "Kugelblitz" und "Hüftgold-Express" sind da noch die harmlosesten Witze, die auf ihre Kosten gemacht werden. Hier ist das anders. Jeder macht mit, so gut er kann.
"Ich will vor allem Spaß haben", erzählt Irem Kiymaz. Sie ist 22, Erzieherin und heute die einzige Frau auf dem Platz. Für ihr erstes Fußballtraining hat sie sich extra neue Schuhe gekauft - die ersten Fußballschuhe ihres Lebens. Irem hat ihrem inneren Schweinehund den Kampf angesagt, sich im Fitness-Studio angemeldet und geht jetzt zusätzlich zum Teamsport.
"Ich will mich wieder lebendig fühlen. Raus aus meiner Komfortzone!" Irem Kiymaz, Big Ballers Düsseldorf
Ja, die Gesundheit sei schon wichtig, sagt sie, aber Irem will vor allem etwas erleben. Sie hofft, dass noch mehr Frauen mitmachen. "Wir Ladies können mehr", lacht sie selbstbewusst und lupft den Ball hoch, zurück zum Trainer.
"Kotzen verboten" - und Fortschritt garantiert
Gerrit Klanthe organisiert die ÜFL, die Fußballliga für Übergewichtige, und er kennt die Realität auf dem Platz. "Der ein oder andere kotzt auch mal vor Überanstrengung", sagt er trocken. Deshalb gilt: "Kotzen auf dem Platz verboten, man muss an den Rand."
Die Liga gibt es seit drei Jahren. Inzwischen spielen 20 Mannschaften, aufgeteilt in erste und zweite Liga in ganz NRW. Gespielt wird auf einem Kleinfeld, die Partie läuft zweimal 35 Minuten, auswechseln geht nach Bedarf. Und wer dabeibleibt, merkt schnell etwas: "Nach einem halben Jahr sieht man super Fortschritte. Die Beine funktionieren, man kann im Zweikampf mithalten, man kann besser laufen."
Big Ballers haben große Pläne
Marco Kohnen hat die "Big Ballers" nicht einfach gegründet - er hat sich damit selbst aus der Komfortzone gekickt. Eigentlich ist er eher introvertiert. Jetzt organisiert er Trainingszeiten, spricht mit der ÜFL, sucht Mitspieler und steht plötzlich als Teammanager auf dem Platz. "Ich habe schon überlegt: Kriege ich das hin?" Heute fällt seine Antwort positiv aus. Noch sind es wenige Spieler, aber sie kommen. Und Kohnen ist mittendrin, schwitzt, frotzelt und strahlt.
Nach dem Training klatschen sich alle ab. Anfang nächsten Jahres wollen sie bereit sein für die ersten Spiele in der Liga. Aber jetzt geht es erst einmal nach Hause. Bis nächsten Dienstag. Zum nächsten Versuch, dem inneren Schweinehund davonzulaufen.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
- Gespräch mit Marco Kohnen
Sendung: WDR.de, Big Ballers kicken in ihrer eigene Liga, 08.09.2026, 05:47 Uhr