«Für immer und WG» Gemeinsam wohnen, anders leben: Zu Gast in einer 11er-WG
Zwischen «Bünz und Bonz» lebt eine WG, die lieber Gemüse anbaut als Rasen mäht. Ein Rundgang durch Haus und Garten.
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Zwischen gepflegten Einfamilienhäusern aus den 1950er-Jahren und den grosszügigen Villen mit Pool liegt in der Stadt St. Gallen ein Ort, der aus der Reihe tanzt. Mittendrin, wie es ein Bewohner treffend beschreibt, «zwischen Bünz und Bonz», hat sich eine Wohngemeinschaft eingerichtet, die dem gepflegten Rasen der Nachbarschaft schon vor Jahren den Rücken gekehrt hat.
Elf Menschen zwischen 29 und 62 Jahren teilen sich hier ihren Alltag, einen wild gewachsenen Garten und die Überzeugung, dass gemeinsames Wohnen auch weit über die Ausbildungszeit hinaus eine gute Lebensform sein kann.
Ein Haus, drei Wohnungen
Hauptmieter des Hauses ist Ueli, seit zwölf Jahren schon. Alle anderen wohnen als Untermieterinnen und Untermieter bei ihm. Von einer gewöhnlichen Vermieter-Mieter-Beziehung will hier aber niemand sprechen. Wie viel mehr dieses Zuhause für die Bewohnenden bedeutet, bringt Mitbewohnerin Katrin auf den Punkt: «Es ist paradiesisch hier. Es wäre eine Katastrophe, wenn ich hier raus müsste.»
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Bild 1 von 5. Von aussen wirkt das Gebäude (links) eher unscheinbar. Tatsächlich steckt hinter der zurückhaltenden Fassade ein Stück Architekturgeschichte.
Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 5. Zur WG gehören das ganze Haus auf der linken Seite und mehrere Wohnungen im rechten «Ostblock».
Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 5. Georg Rauh, der das Haus in den Vierzigerjahren realisiert hatte, setzte auf eine frühe Form des Elementbaus. Das Haus ist bislang nicht denkmalgeschützt – ein Umstand, über den in der WG durchaus diskutiert wird.
Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 5. Etwas abseits liegt der sogenannte Ostblock, ein eigenständiges Gebäude aus den Sechzigerjahren, das bereits unter Denkmalschutz steht.
Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 5. Die Enkelin des Architekten, Dorothy Holt Wacker, hat sich in einem Buch mit dem Erbe ihres Grossvaters auseinandergesetzt: «Er hatte ein Interesse an der sozialen Aufgabe der Architektur. Es ging nicht darum, Monumente oder Kapitalanlagen zu schaffen, sondern von Anfang an um die soziale Funktion.».
Bildquelle: SRF.
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Die Vierer-WG
Baulich besteht das Haupt-WG-Haus aus drei übereinanderliegenden 2½-Zimmer-Wohnungen. In den unteren zwei Wohnungen ist die Vierer-WG. Hier wohnt Ueli, 52-jähriger Grafiker, Gleitschirm-Fluglehrer und, wie er selbst lachend zugibt, so etwas wie der «WG-Papa». Er betont aber, keine Sonderrolle zu haben: «Ich habe kein Machtwort oder Veto. Das machen wir demokratisch.»
Ueli ist in einer WG mit Luca, Nicole und Simone, die zusätzlich einen umgebauten Bauwagen als Aussenschlafzimmer nutzt.
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Bild 1 von 7. Eingerichtet ist die Wohnung denkbar unprätentiös: Möbel stammen grösstenteils aus dem Brockenhaus statt aus dem Möbelhaus.
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Bild 2 von 7. «Andere kaufen sich dauernd etwas Neues», sagt Ueli. Das sei der Vorteil des WG-Lebens: «Andere geben alleine zum Wohnen mehr als das Doppelte aus.».
Bildquelle: SRF/Mirco Rederlechner.
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Bild 3 von 7. Der Architekt des Hauses Georg Rauh lebte sogar selber in diesem Wohnhaus.
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Bild 4 von 7. Drei- bis viermal im Jahr versammelt sich die WG zur gemeinsamen Sitzung. Treffpunkt ist der lange Esstisch in der Vierer-WG.
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Bild 5 von 7. Die Küche teilt sich die Vierer-WG.
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Bild 6 von 7. Das Wohnzimmer und Katze Charly.
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Bild 7 von 7. Simones Aussenschlafzimmer.
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Katrins Wohnung
Ganz oben im Haus, mit Blick über die Dächer von St. Gallen bis hinauf zu den Weihern und hinüber ins Appenzellerland, lebt Katrin allein in einer 2½-Zimmer-Wohnung. Die 62-Jährige ist im Appenzellerland aufgewachsen, arbeitet heute als Pflegerin in einem Altersheim und gärtnert in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne im gemeinsamen Garten. «Manchmal fühle ich mich wie ein Burgfräulein», sagt sie über die Aussicht aus ihrer Wohnung.
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Bild 1 von 7. Katrins Einrichtung erzählt von einem bewegten Berufsleben: In den 80ern liess sie sich als eine der ersten Frauen in einem klassischen Männerberuf zur Malerin ausbilden, machte später auch eine Lehre als Kunstglaserin und arbeitete zeitweise als Chauffeuse.
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Bild 2 von 7. Ein Teil ihrer Wohnung dient als kleine Werkstatt, ausgestattet mit einer Töpferscheibe.
Bildquelle: SRF/Mirco Rederlechner.
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Bild 3 von 7. Hier oben wohnt Katrin.
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Bild 4 von 7. 790 Franken zahlt sie monatlich für die Wohnung, Nebenkosten inklusive – ein Betrag, der ihr das Leben ermöglicht, das sie sich ausgesucht hat.
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Bild 5 von 7. Früher war Katrin auf jeder Party zu finden. Heute steht sie gelegentlich selbst hinter den Decks und legt an WG-Partys ihre Drum-'n'-Bass-Platten auf.
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Bild 6 von 7. Katrin kümmert sich leidenschaftlich um den WG-Garten.
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Bild 7 von 7. Aus den überschüssigen Zucchetti zaubert sie einen saftigen Zucchetti-Kuchen in ihrer Küche im 3. Stock.
Bildquelle: SRF.
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Der Garten
Rund um das Haus erstreckt sich ein bewusst wild belassener Garten – eine klare Absage an den einst gepflegten Golfrasen, der hier stand, als Ueli vor zwölf Jahren einzog. Genutzt wird die Fläche nicht nur vom Haupthaus, sondern gemeinsam mit Bibi, Evi und Luke vom Ostblock.
Im Jahreslauf zeigt sich der Garten als Ort mit ganz eigenem Rhythmus: Ausgediente Christbäume werden hier gesammelt, entlaufene Enten aufgespürt, und zwischen den Beeten trifft man sich zum gemeinsamen Grillieren.
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Bild 1 von 7. Hinter und unter den Bäumen verbirgt sich das eigentliche Herzstück der WG: der Garten.
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Bild 2 von 7. Für die Enten und Hühner gibt es hier mehr Platz als für manche WG-Mitbewohner.
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Bild 3 von 7. Die WG-Hütte.
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Bild 4 von 7. Mehr Stauraum und ein weiterer Ort für die Mitbewohner.
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Bild 5 von 7. Hier wird gegrillt, gesungen und gelegentlich auch über Politologie diskutiert.
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Bild 6 von 7. Am Abend müssen die Enten zurück in ihr mobiles Häuschen, damit sie nicht auf eigene Entdeckungstour gehen.
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Bild 7 von 7. Den Hühnerstall hält die ganze WG gemeinsam sauber.
Bildquelle: SRF.
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Ganz sorgenfrei ist das Leben in der WG nicht. Das Haus steht bis heute nicht unter Denkmalschutz – ein Zustand, der die Bewohnenden immer wieder beschäftigt.
Wenn unbekannte Geschäftsleute das Grundstück besichtigen, wird schnell klar, wie ungewiss die Zukunft dieses Zuhauses eigentlich ist. Ob und wann das Haus dereinst geschützt wird, bleibt vorerst offen.
«Für immer und WG» auf Play SRF
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SRF
Ab dem 28. August erzählt die neue Streaming-Serie «Für immer und WG» auf Play SRF vom Zusammenleben dieser St. Galler WG.
SRF 1, Für immer und WG, 28.08.2026, 21 Uhr ; stel;noes